Kulturdenkmäler

Zwei Häusern in der Naumburger Altstadt droht der Abriss

Vom Abriss bedroht: Die beiden rot eingekreisten Häuser sollen auf Vorschlag des Magistrats von der Stadt Naumburg angekauft und beseitigt werden. Im vorderen Bildbereich sind Lücken aus der Altstadtsanierung zu erkennen. Fotos:  Norbert Müller

Naumburg. Werden in Kürze weitere zwei Häuser aus der historischen Naumburger Altstadt verschwinden? Am Donnerstag, 16. Februar, werden die Naumburger Stadtverordneten im Haus des Gastes ab 19 Uhr genau darüber beraten und abstimmen.

Zuletzt waren im Januar 2015 in der Unteren Straße und im Altenhagen Häuser entfernt worden. Bei beiden war der schlechte bauliche Zustand entscheidend dafür, dass auch die Denkmalbehörde dem Abriss zugestimmt hatte. Heute sind an den alten Standorten ein Parkplatz beziehungsweise eine Grünfläche entstanden, die, das betont Naumburgers Bürgermeister Stefan Hable (CDU), die Quartiere aufwerten.

Einen ähnlichen Effekt verspricht man sich nun auch im Bereich der Graf-Volkwin-Straße, wo bereits im Zuge der Altstadtsanierung Ende der 1960er-Jahre eine ganze Häuserzeile abgerissen wurde, um Luft in der engen mittelalterlichen Bebauung zu schaffen.

Wurzeln im Biedermeier: Im Gebäudesteckbrief der Stadt wird der Denkmalwert des Gebäudes als bedeutend bezeichnet.

Betroffen sind die Hausnummern 4 und 5, beides Immobilien, die Interessierte für ein Taschengeld hätten erwerben können. Es fand sich bislang aber niemand. Hausnummer 4 gehörte einst dem Naumburger Musiker und Heimatgeschichtler Franz Kramer.

Laut Bürgermeister Hable ist das Haus heute herrenlos und steht unter der Obhut des Landes Hessen. Während von diesem Gebäude aus baulicher Sicht keine Gefahr für Passanten ausgeht, wird die Situation für das Haus mit der Nummer 5 kritischer eingeschätzt. Im Auftrag des Kreises seien Statiker im Gebäude gewesen, so Hable weiter. Im Anschluss sei der Giebel, der sich zur Straße hin geneigt habe, stabilisiert worden. „Die Maßnahmen sind aber nicht dauerhaft geeignet“, so Hable. Das Haus steht ebenfalls seit Jahren leer, der Eigentümer unter Betreuung.

Der Arbeitskreis Dorferneuerung habe inzwischen einem Abriss beider Häuser zugestimmt. Vorgesehen ist nun, dass die Stadt die Immobilien kauft und abreißt. Beides soll, sofern das Parlament und vor allem die Dorferneuerungsbehörde, die WI-Bank sowie die Denkmalschutzbehörde zustimmen, noch in diesem Jahr geschehen. Die Freiflächen sollen an interessierte Nachbarn verkauft werden.

Der Giebel bereitet Probleme: Das Haus Graf-Volkwin-Straße 5 stammt aus der Zeit direkt nach dem Stadtbrand von 1684.

Dr. Volker Knöppel, mit der Geschichte der Stadt Naumburg und der historischen Bebauung wohl vertraut wie kein zweiter, bedauert die Entwicklung. „Es ist schade um die Bausubstanz. Die Bedeutung der alten Häuser wird nicht so hoch eingeschätzt wie es sein sollte.“ Es seien schon „riesige Lücken gerissen worden“ und er befürchte, „es wird so weitergehen“.

Es mag Sinn machen, an bestimmten Stellen Luft zu schaffen. „Wenn sich aber aus einzelnen Lücken Brachflächen ergeben, dann wird der Effekt umschlagen.“ Dann werde es zu keiner Verbesserung der Wohnqualität kommen, denn: „Es wirkt dann dort eher traurig“.

Deswegen dürfe eine Stadt nicht allein auf die Schaffung von Parkplätzen zielen. Wenn Häuser, die derart geschädigt sind, dass sie nicht mehr zu retten sind, beseitigt werden, müsse man auch über alternative Konzepte nachdenken. „Auch ein intelligenter Neubau gehört dazu.“ Dazu braucht es Investoren, aber die sind im strukturschwachen Naumburg sehr selten.

Knöppel: „Ich bin mal gespannt, wie die Stadt Naumburg im Jahr 2020 mit ihrer dann 850-jährigen Stadtgeschichte umgehen wird. Da sind dann wohl manche Straßenzüge trostlos.“

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