Unter den Blättern lockt die Frucht

Zwischen Naumburg und Altenstädt gibt es Erdbeeren zum Selberpflücken

Saftig und dunkelrot: Die ersten Erdbeeren der Saison hat Stammkunde Wolfgang Bräutigam zum Testen gepflückt.
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Saftig und dunkelrot: Die ersten Erdbeeren der Saison hat Stammkunde Wolfgang Bräutigam zum Testen gepflückt.

Der Hof Römer bietet an der Landesstraße zwischen Naumburg und Altenstädt Erdbeeren zum Selberpflücken an.

Altenstädt – „Erdbeeren, das ist Sommer“, sagt Wolfgang Bräutigam und blickt erwartungsfroh auf die langen grünen Reihen, unter deren Blättern es saftig rot leuchtet. Der 66-jährige Naumburger gehört zu den Stammkunden des Hofes Römer, der an der Landesstraße zwischen Naumburg und Altenstädt Erdbeeren zum Selberpflücken anbietet.

Bräutigam ist in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Beeren-Feld. „Heute bin ich hier, um zu testen, wie sie schmecken.“ Eigentlich war geplant, dass ihn die kleine Enkeltochter zur Unterstützung begleitet, „aber ihr war es zu kalt“. Und so lässt sich der Naumburger ohne Zeit zu verlieren am Holzhäuschen eine der nummerierten Reihen zuweisen, und schon legt er mit Kennerblick los.

Seit Sonntag kann auf der gut 1,2 Hektar großen Fläche geerntet werden, wegen der lange vorherrschenden mäßigen Temperaturen später als in den Vorjahren. Dass es auch an diesem Vormittag kaum 14 Grad sind, macht den Erdbeeren nichts, sagt Anika Römer. Die 39-Jährige ist auf dem Hof, den die Familie im Vollerwerb bewirtschaftet, zuständig für den Erdbeeranbau.

„Das aktuelle Wetter jetzt ist besser als die Hitze der vergangenen Tage. Bei 40 Grad in der Sonne wie vergangenen Woche, da reifen die Früchte schneller. Dann kommt man mit dem Ernten kaum hinterher.“ Und in der prallen Sonne verbrennen die sensiblen Früchtchen auch leicht und werden dann matschig, sagt die Expertin. Gut seien Temperaturen um die 20 oder 22 Grad und moderate Sonne. „Was die Erdbeeren nicht abkönnen, ist Dauerfeuchte und Hitze.“

Seit Anfang der Woche kann gepflückt werden: Chefin Anika Römer (links) im Kassenhäuschen neben dem Erdbeerfeld mit Kundin Margot Dippel aus Bad Emstal. In gut drei Wochen neigt sich die Erntezeit schon wieder ihrem Ende entgegen.

Seit 2012 haben die Römers auch Erdbeeren im Portfolio. „Wir sind da als völlige Grünschnäbel eingestiegen“, erinnert sich Anika Römer. Die Idee mit dem Selbstpflücken von Erdbeeren direkt auf dem Feld „ist eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt die gebürtige Schauenburgerin. Pionier im Wolfhager Land war einst Landwirt Gerhold aus Altenhasungen, der auch in diesem Jahr wieder die Beeren im Angebot hat.

„Wir hatten dann prompt unglaubliche Unkrautprobleme und haben erst mal maschinell aufgerüstet.“ Heute haben die Römers die wilden Kräuter im Griff – zu 70 Prozent mit mechanischen Mitteln. „Gespritzt wird nur das Nötigste“ und keinesfalls vor und während der Erntezeit.

Zur Unterdrückung des Unkrauts, das sie auch bei ihren Kontrollgängen regelmäßig auszupft, trägt auch das Stroh bei, das in den Reihen liegt. Weitere Vorteile der Halme: „Man kann trockenen Fußes pflücken, und bei Regen werden die Früchte nicht durch die Erde schmutzig“, erklärt die Landwirtin.

„Das verrückteste Jahr war das vergangene“, erinnert sich Anika Römer. „Die Menschen hatten wegen Corona Zeit und wollten was erleben“ – und sei es beim Erdbeerpflücken. Wegen Spätfrösten gab es deutlich weniger Früchte als üblich. Der Ansturm zum Auftakt der Ernte sei enorm gewesen. Am ersten Tag sei innerhalb von einer Stunde die komplette Tagesernte weg gewesen.

Solche Probleme seien in diesem Jahr nicht zu befürchten. Die Pflanzen tragen üppig. Genug für die Kundschaft, die täglich zwischen 8 und 18 Uhr ernten kann, sonntags von 9 bis 12 Uhr. Vormittags seien überwiegend die Marmeladenkocher auf dem Feld unterwegs, die eimerweise ernten, sagt Römer, nachmittags kommen gerne Familien mit Kindern. „Die pflücken, um die frischen Früchte zu essen. Und denen geht es auch um das Drumherum, den Spaß.“ Die Stammkundschaft komme überwiegend aus der näheren Umgebung, aus Altenstädt, Naumburg, aber auch Bad Emstal, Netze und Schauenburg.

Die Römers mit ihren drei Kindern lassen sich die Erdbeeren – mit Honeoye, Sonata und ganz neu Glorielle sind gleich drei wohlklingende Sorten vertreten – auch selbst schmecken. Anika Römer: „Erdbeeren essen wir alle gern.“ Rund 60 Gläser, das ist der Jahresbedarf der Familie, werden als Marmelade eingekocht und nach dem Abkühlen eingefroren. Nach dem Auftauen, so der Tipp der 39-Jährigen, schmecke die Marmelade wie frisch eingekocht. Außerdem friert sie unverarbeitete Früchte ein, die als Zutat für Bowle, Speiseeis oder Likör verwendet werden.

Bei den Bräutigams in Naumburg stehen die ebenso leckeren wie gesunden Beeren als Rohstoff für Marmelade hoch im Kurs, sie werden aber auch für Kuchen oder einfach zum Naschen gepflückt. In den kommenden Tagen wird man Wolfgang Bräutigam, der an diesem Morgen zum Probieren gekommen war, wiedersehen. Schon beim Pflücken gibt er sein Testurteil bekannt: „Die schmecken richtig gut.“ (Norbert Müller)

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