Soll zu Mehrarbeit für Pflegepersonal führen

Neuer Pflege-Tüv in Wolfhagen: Mehr Arbeit und klarere Ergebnisse

+
Muss ab nächsten Sommer mit dem neuen System arbeiten: Bartholomäus Krok, Pflegefachkraft im Seniorenzentrum Wolfhagen.

Ob ein Pflegeheim genügend Personal hat und ob die Betreuung der Bewohner gut ist, soll ab kommendem Jahr durch einen neuen Pflege-Tüv geprüft werden. 

Bisher wurde vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) vorrangig die Dokumentation der Heime bewertet, was zu Bestnoten geführt hat: 1,2 war der Bundesschnitt im September.

Der neue Pflege-Tüv soll das ändern: Jetzt werden mehr Daten über die Patienten erhoben. Außerdem werden sowohl die Gepflegten, als auch die Pflegenden befragt.

Der neue Pflege-Tüv erleichtert Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zukünftig die Auswahl der passenden Einrichtung

Dadurch sollen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen künftig schneller erkennen können, ob ein Heim ihren Ansprüchen entspricht, oder eben nicht.

Doch was bedeutet das für die Pflegeheime im Wolfhager Land? Zu drei Bereichen müssten die Heime künftig jeweils große Mengen Daten liefern, die später geprüft werden. 

„Das wird ein enormer zusätzlicher Arbeitsaufwand“, sagt Ewald Knöß, Heimleiter des Hauses Habichtswald Knöß in Dörnberg. Das Personal habe man dafür bereits geschult, alles sei vorbereitet.

Mit dem neuen System muss das Pflegepersonal nicht mehr jeden Handgriff bei Bewohnern, wie Körperpflege und Essen reichen, dokumentieren. Dafür gibt es einen Tagesplan für jeden Patienten. Darin müssen spezielle Schritte notiert werden – wie etwa das Geben von Spritzen. 

Die vom MDK geprüften Aufzeichnungen müssen vom Pflegepersonal angefertigt werden, an dem es eh schon mangelt“, sagt Knöß. Die Qualität eines Hauses sei erst wirklich messbar, wenn ausreichend Personal vorhanden sei. Somit seien die Ergebnisse der Berichte Momentaufnahmen und stark von der personellen Auslastung abhängig.

Oft Zeitdruck bei der Suche nach freien Plätzen in Seniorenzentren

Viele Angehörige suchten ohnehin unter Zeitdruck nach einem Platz. „Dadurch haben viele Senioren und deren Angehörige selten den Luxus, sich hauptsächlich an den Bewertungen zu orientieren, sondern müssen dorthin gehen, wo es freie Plätze gibt“, so Knöß.

Positiv blickt Jutta Volkwein, Leiterin des Seniorenzentrums Wolfhagen dem neuen Pflege-Tüv entgegen: „Gut finde ich, dass jetzt auch die Mitarbeiter zur Sprache kommen, die Fachlichkeit steht viel mehr im Vordergrund.“

Für Bewohner wie Heinrich Fricke, hier mit Jutta Volkwein, Pflegedienstleiterin im Seniorenzentrum Wolfhagen, gibt es künftig einen Tagesplan.

Volkwein ist sich sicher, dass der Pflege-Tüv zwar erstmal Mehrarbeit bedeutet, aber auf lange Sicht ein besseres Bewertungssystem sei. Wie sich die Arbeit ihrer Mitarbeiter dafür verändert, werde die Zeit zeigen.

Der neuer Pflege-Tüv sorgt für kontinuierlichen Überblick für die Verbraucher

Auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist positiv gestimmt: „Die bisher durchgeführten und unangemeldeten Qualitätsprüfungen in den Pflegeeinrichtungen gaben keine qualifizierte Aussage über die Pflegequalität. Das ändert sich jetzt“, sagt Sigrid Wieder, Sprecherin der Awo Nordhessen.

Künftig habe der Verbraucher einen kontinuierlichen Überblick, was in einem Pflegeheim gut und weniger gut läuft. Auf der anderen Seite bedeute er für die Awo-Mitarbeiter aber Mehrarbeit: „Durch den Pflege-Tüv kommt auf die Einrichtungen eine ambitionierte Aufgabe mit enormem Aufwand für Prozessanpassungen und Personalschulungen zu“, sagt Wieder. Trotzdem sei man optimistisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.