Bei Niederlistingen entsteht Geschichtspfad „Vergangen, aber nicht vergessen“

Am Goldesberg: Bei der markanten Metallskulptur informiert eine Info-Tafel, hier mit Eddy Müller, über einen Hinweis in der Caldener Chronik, wonach 1635 fünf Wölfe Niederlistinger Weidevieh rissen. Foto: Binienda-Beer

Niederlistingen. Wer im Dorf weiß schon noch von der alten Flachsröste am Bruch? Als Niederlistingens Urgestein Karl Sauerland eher beiläufig auf den einstigen Ort der Flachsaufbereitung draußen am Dorfrand zu sprechen kam, horchte der Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins wissbegierig auf.

Das war die Geburtsstunde für ein spannendes Projekt, das inzwischen in vollem Gange ist und voraussichtlich im kommenden Frühjahr seiner Bestimmung übergeben werden kann. „Vergangen, aber nicht vergessen“. So lautet der Titel für einen historischen Pfad rund um Niederlistingen.

Auf einem Rundkurs von mehr als zwölf Kilometern will der Heimat- und Geschichtsverein mit den einmal für das dörfliche Leben bedeutsamen Stätten wieder vertraut machen. Motor des Vorhabens ist der Vorsitzende Eddy Müller, 1987 zugezogen und längst mit Herzblut Niederlistinger. Zahlen, Fakten, Namen zur Geschichte wird Müller für mehr als 20 Stationen am Ende zusammengetragen haben. Seine Quellen: die Dorfchronik, Kirchenbücher, Erzählungen Alteingesessener. Illustrationen, Repros alter Fotos und Zeichnungen veranschaulichen die Texte auf den Info-Tafeln. „Das Dorf ist so reich an historischen Hintergründen“, sagt der Geschichtsvereinsvorsitzende. Seine Arbeit wirkt gegen das Vergessen. „Wenn die Alten mal weg sind und damit auch das Wissen um die Vergangenheit, das wäre ein Jammer.“

Start in der Ortslage 

Ein Dutzend Tafeln stehen bereits. Der Rundgang startet im Ort. An der Holländischen Straße stellt sich Niederlistingen mit seiner Gründungsgeschichte vor als „De ahle Dorp an de Holländische Post- und Handelsstraate“. Vom Backhaus geht es über den ehemaligen Dreschplatz „Alte Lehmkuhle“ zur früheren Schule und dem einstigen Raiffeisengebäude (heute mit Heimatmuseum), vorbei an der Kirche, hinauf zum Goldesberg und dem Wolfsloh, über den Hühnerberg, das Niederhölzchen, der Wüstung Hausen, aufs Igelsbett und Auf den Sauren zurück ins Dorf.

Angebracht werden die Tafeln nicht nur an Holzpfosten, sondern auch an historischen Brückensteinen und Sandsteinplatten, die von einem alten Wohnhaus und dem ehemaligen Gemeindehaus stammen. Sie wurden zu einem Großteil von Ortsvorsteher Friedhelm Becker zur Verfügung gestellt. Bei der handwerklichen Umsetzung leisten Müller fleißige Hände Unterstützung. Die Schrifttafeln spendet die Firma Werbe-Fritze aus Oberlistingen.

Zweifler, ohne die ein solches Vorhaben nicht an den Start geht, sind vom Sinn des Projektes überzeugt. „Vergangen, aber nicht vergessen“ findet schon jetzt breite Zustimmung in Niederlistingen.

Von Dorina Binienda-Beer

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