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OP in der Kreisklinik Wolfhagen in letzter Minute

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Von: Johannes Rützel

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Möchten auf die Gefahren einer Darmentzündung aufmerksam machen: Prof. Dr. Jürgen Faß und Patientin Astrid Biederbick.
Möchten auf die Gefahren einer Darmentzündung aufmerksam machen: Prof. Dr. Jürgen Faß und Patientin Astrid Biederbick. © Johannes Rützel

Chefarzt Jürgen Faß und Patientin warnen vor den Risiken einer Darmentzündung. Ein Darmverschluss konnte in Wolfhagen erfolgreich operiert werden.

Wolfhagen – Astrid Biederbick sitzt gut gelaunt auf ihrem Krankenbett. Die 62-Jährige blickt aus dem Fenster ihres Zimmers in der Klinik Wolfhagen ins Grüne: auf Wiesen und Wälder, dazwischen ein Hof. „Ich habe hier meine Kinder zur Welt gebracht“, erzählt sie stolz. Von ihrer Operation vor gut einer Woche hat sie sich erholt, heute Nachmittag wird sie entlassen.

Oft das erste Anzeichen: Starke Bauchschmerzen

Vor rund einer Woche kam Astrid Biederbick mit starken Bauchschmerzen in die Klinik. Die Diagnose nach einem Aufenthalt in der Inneren Medizin und einer Computertomografie: Darmverschluss. Prof. Dr. Jürgen Faß, Chefarzt der Allgemeinen Chirurgie und Viszeralchirurgie, hat sie deswegen operiert.

Rund zwei Monate vor der Operation begann es in ihrem Darm zu blubbern, berichtet Astrid Biederbick. Sie war auch bei einer Darmspiegelung in Göttingen, wo bereits eine Entzündung des Dickdarms festgestellt wurde. Vier Wochen vor der Operation begannen dann die Bauchkrämpfe, sie kamen in Schüben und wurden immer schlimmer. „Es wurde leider zu lange hinausgezögert, bis die Patientin zu uns kam“, sagt Jürgen Faß. Als Astrid Biederbick in die Klinik ging, war der Darm bereits verschlossen und stark aufgebläht.

Gefahr droht vor allem bei verschleppter Entzündung

Eine Entzündung des Darms ist alles andere als ungefährlich – vor allem, weil sie oft verschleppt wird. Deshalb möchten Chefarzt Faß und seine Patientin auf die Gefahren der Krankheit namens Divertikulitis aufmerksam machen. Das Krankheitsbild werde von vielen seiner Kollegen verharmlost und konservativ mit Antibiotika behandelt, hat Jürgen Faß beobachtet.

Dabei sind die möglichen Komplikationen gefährlich. Der Darm kann platzen und eine Bauchfellentzündung verursachen. Die sei in 20 Prozent der Fälle tödlich. Es kann auch zu Blutungen kommen, die dann dringend mit Blutkonservengabe ausgeglichen werden müssen. Oder der Darm verschließt sich, dann helfe nur noch eine Operation.

30000 bis 35000 OPs deutschlandweit

Rund die Hälfte der Patienten, die mit Darmentzündung ins Krankenhaus kämen, werden operiert. Das sind täglich und deutschlandweit rund hundert Menschen, die deswegen unters Messer kommen, erklärt Jürgen Faß. Und wenn der Darm einmal verschlossen und aufgebläht ist, wird auch die Operation kompliziert. Man könne dann vor der OP nicht mehr den Darm spülen. Auch ein minimalinvasiver Eingriff sei dann nicht mehr möglich, sagt der Chefarzt. In diesem Fall stand er fast drei Stunden im OP-Saal.

Für Astrid Biederbick ist es gut ausgegangen. Ihr wurde ein künstlicher Darmausgang gelegt, der in sechs Wochen in einer zweiten OP wieder entfernt werden soll. Bis dahin kann ihr Darm in Ruhe verheilen. In der Klinik Wolfhagen fühlt sich die Dame aus Martinhagen-Schauenburg sehr gut aufgehoben. „Mein Mann braucht ein neues Knie, den schicke ich demnächst vorbei“, kündigt sie schmunzelnd an. Auch Faß ist von der Stimmung begeistert: „Die Leute fühlen sich hier einfach wohl.“

Divertikel und Darmentzündung

Divertikel sind zunächst gutartige Ausbeulungen in der Wand des Dickdarms. Sie werden mit zunehmendem Alter immer häufiger. Im Grunde sei es eine Wohlstandserkrankung, meint Prof. Faß. Bewegungsmangel, Übergewicht und zu kalorienreiche Kost erhöhen das Risiko. Wenn sich die Divertikel entzünden, sprechen Mediziner von einer Divertikulitis. Die Entzündung kann jahrelang bestehen und zu schweren Komplikationen führen, weil die Darmwand über die Zeit vernarbt und unflexibel wird. Oft wird die Entzündung unterschätzt, weil Antibiotika häufig gut anschlagen. 

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