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Ostereier aus der Region

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Katharina Hüppe mit ihrer Tochter Pola auf dem Arm steht neben ihrem Vater Gerhard Hüppe vor dem Schild an der Einfahrt des Kastanienhofes. Gerhard Hüppe hält eine Palette mit gefärbten Ostereiern.
Bio aus Überzeugung: Katharina Hüppe mit Tochter Pola und Vater Gerhard Hüppe bewirtschaften den Kastanienhof in Wolfhagen-Nothfelden. © Peer Bergholter

Im Wolfhager Ortsteil Nothfelden liegt der Kastanienhof, den Familie Hüppe bewirtschaftet. Gerhard Hüppe ist seit 1983 in der Landwirtschaft tätig, heute unterstützt ihn seine Tochter Katharina und künftig auch Sohn Mattis.

„Wir haben mit 14 Hektar Ackerland angefangen, heute bewirtschaften wir 130 Hektar“, sagt Gerhard Hüppe. Doch der Anbau von Feldfrüchten ist auf dem seit 2011 biozertifizierten Hof nicht der einzige Tätigkeitsbereich. Ebenfalls 2011 entschloss sich Familie Hüppe dazu, den ehemaligen Schweinestall zum Hühnerstall umzubauen, der Platz für etwa 1400 Legehennen bietet. „Wir haben den Legehennenbetrieb langsam ausgebaut, denn wir mussten ja erstmal schauen, ob die Hühner uns mögen und ob wir die Hühner mögen.“ Schnell fand man auf dem Kastanienhof heraus, dass die gegenseitige Zuneigung vorhanden war, weshalb die Familie einen zweiten Stall für 2400 Tiere errichtete.

Außenbereich in der Größe zweier Fußballfelder

In dem ehemaligen Schweinestall mit den vorgegebenen Maßen war der tiergerechte Umbau eine Herausforderung. Der neue, zweite Stall hingegen wurde gezielt auf die Bedürfnisse der Legehennen zugeschnitten. In beiden Ställen stehen den Hühnern Sitzstangen, Staubbäder, Pick-steine und Strohballen zur Verfügung, um ihr arteigenes Verhalten auszuüben, denn „Hühner sind eigentlich Baumvögel, die es lieben, zu klettern“, weiß Gerhard Hüppe. Auch verfügt der neue Stall über einen „Wintergarten“, also einen großzügigen Außenklimabereich, der vor Regen, Wind und Sonne schützt, aber dennoch den Aufenthalt an der frischen Luft ermöglicht. Über den Wintergarten gelangen die Hühner tagsüber in den Auslauf. Insgesamt können sich die Hühner den Tag dort auf mehr als zwei Fußballfeldern vertreiben. Ganzjährig öffnen sich morgens die automatischen Rollos und das Federvieh strömt ins Freie, wo es sich bis zum Sonnenuntergang aufhält.

Auffällig dabei ist die Unbekümmertheit, mit der die Hennen den Schutz der Stallung verlassen. Halten sich Hühner normalerweise in unmittelbarer Stallnähe und an festen Plätzen auf, so nutzen die Tiere auf dem Kastanienhof das gesamte Auslaufareal. Das liegt nicht zuletzt an den drei großen weißen Pyrenäen-Berghunden, die inmitten des Federviehs herumtollen. Die Herdenschutzhunde, die natürliche Feinde der Hühner wie Greifvögel, Marder, Waschbären oder Füchse fernhalten, sind sicher eine Besonderheit des Kastanienhofs.

Selbst zubereitete Futtermischung

Das Futter für die Tiere baut Familie Hüppe auf den eigenen Ackerflächen an – braucht es etwas Zusatzfutter, etwa um Eiweißkomponenten beizugeben, so stammen diese ausnahmslos aus europäischen Bio-Betrieben, was kürzere Lieferwege bedeutet. Der Mist aus den Hühnerställen wird im Frühjahr und Herbst als wertvoller Naturdünger bedarfsgerecht auf den Feldern aufgebracht. Überhaupt kommt dem Futter eine große Bedeutung zu, hat es doch Einfluss auf die Gesundheit der Tiere, ihre Legeleistung und die Qualität der Eier, etwa die Schalendicke. Daher gilt es nicht nur, die Legeleistung im Auge zu behalten, sondern auch das Verhalten in der Herde sowie den Schalenbruch der Eier, um den optimalen Ernährungsmix zu finden. So kann beispielsweise eine dünne Eierschale den Zusatz eines speziellen Kräuterfutters erfordern. „Das Kräuterfutter wirkt zudem präventiv. Es hilft bei der Entwurmung und gegen Milbenbefall“, erklärt Katharina Hüppe und betont: „Vom ersten Tag an verfüttern wir 100 Prozent Bio.“

Letztlich erfordert die exakte Zusammenstellung des Futters eine genaue Beobachtung der Hühner und eine lückenlose Dokumentation, die verpflichtend auch für die Menge der Eier, den Bestand an Tieren sowie deren Impfungen besteht. „Es gibt regelmäßige Kontrollen, die wir begrüßen, denn schließlich wollen wir ein transparentes System. Gleichzeitig wünschen wir uns, dass die verschiedenen Kontrollsysteme besser abgestimmt wären“, so Katharina Hüppe.

Tiere bekommen Zeit zur Eingewöhnung

Den Hühnern dürfte das egal sein, geht es ihnen auf dem Biohof doch offensichtlich gut. Die Hennen bekommen dort viel Zeit für ihre Entwicklung. Sie kommen im Alter von 17 Wochen auf den Hof, erst mit 22 Wochen fangen sie an zu legen. „Wir geben den Tieren Zeit, sich an den Stall und das Futter zu gewöhnen.“ Und die Tiere danken es mit einer Legeleistung von rund sechs Eiern pro Huhn und Woche.

Das Leben als aktive Legehenne dauert etwa 16 bis 17 Monate. Dann finden viele Tiere Verwendung als Suppenhuhn. Doch nicht alle Hühner werden geschlachtet: „Wir verkaufen die Tiere auch an Privatpersonen“, berichtet Gerhard Hüppe.

Solange die Legehennen auf dem Hof ihrer Hauptbeschäftigung nachgehen, erhalten sie viel Aufmerksamkeit, denn: Bis mittags gehört der Tag den Hühnern. So steht morgens um 6.15 Uhr der erste von insgesamt sieben bis acht täglichen Stallrundgängen an, bei denen die Tiere beobachtet, ihre Gesundheit kontrolliert, sowie Futter und Wasser überprüft werden.

Und selbstverständlich steht auch das tägliche Sortieren und Verpacken der Eier an. Sie werden ausschließlich direkt vermarktet, entweder im eigenen Hofladen oder, in Kooperation mit anderen Biohöfen aus der Region, in lokalen Supermärkten.

In der Zwischenzeit sitzt Gerhard Hüppe am Computer und überprüft die selbst zubereitete Futtermischung, die er bei Bedarf anpassen kann. Tochter Katharina streift währenddessen über den Hof, um verlegte Eier einzusammeln, denn längst nicht alle Hennen legen in ihren Nestern. „Das erinnert schon etwas an die Ostereiersuche“, lacht Katharina Hüppe. „Die Eier sind zwar nicht für den Verkauf bestimmt, müssen aber entfernt werden, um nicht andere Hühner zu animieren, ebenfalls außerhalb der Nester Eier zu legen.“

Katharina Hüppe steht an einer Maschine, wo sie Eier von einem Förderband sortiert, ehe diese maschinell auf Paletten gebracht werden. Die Paletten mit Eiern sind links im Bild zu sehen.
Direkt aus dem Stall: Katharina Hüppe sortiert die Eier, ehe diese maschinell auf Paletten gebracht werden. © Peer Bergholter

Erhöhte Nachfrage zu den Feiertagen

Apropos Ostern: Mit Blick auf die Feiertage stellt sich die Familie auf eine erhöhte Nachfrage ein. Das gilt allerdings für alle Feiertage, etwa auch Weihnachten. „Die Leute backen viel und es wird mehr im Familienkreis gefrühstückt. Und da gehören Eier einfach dazu“, äußert Gerhard Hüppe. Und so werden auch die Ein- und Ausstalltermine mit Blick auf Ostern und Weihnachten ausgelegt. Auf der anderen Seite gibt es das Sommerloch. Wenn viele Menschen im Urlaub weilen, geht die Nachfrage zurück. Dann werden aus den Eiern vermehrt Nudeln und Eierlikör für den Hofladen hergestellt.

Für Katharina Hüppe ist noch etwas anderes wichtig: Ihr liegt die Ernährungsbildung am Herzen, weshalb sie auf dem Kastanienhof auch regelmäßige Kochkurse anbietet, um „die Wertschätzung für regionale Erzeugnisse in Bio-Qualität zu erhöhen.“ Auch Umweltbildung, etwa für Schulklassen, bietet sie auf dem Kastanienhof an und künftig soll der Hof ein Demo-Betrieb für ökologische Landwirtschaft werden. Über diese Themen informiert sie auch auf einem Blog.

So bleibt festzuhalten, dass der halbe Tag auf dem Kastanienhof zwar den Hühnern vorbehalten ist, sich aber auch die restliche Zeit um Fragen der Bio-Qualität und der nachhaltigen Landwirtschaft dreht. Denn: „Wir folgen keinem Trend, sondern machen Bio aus Überzeugung“, unterstreicht Familie Hüppe.

Von Peer Bergholter

Landwirtschaft in Nordhessen - Ausgabe Kassel

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