Private Waldbesitzer sehen neue Landesverordnung als Affront

Sind sauer: Philipp Viktor Russell (links) und Ernst-Uwe von Starck, beide aus Zierenberg, sind Mitglieder der Kreisgruppe Kassel der Hessischen Privatwaldbesitzer. Archiv: Thon

Wolfhager Land. Eine neue Verordnung des Hessischen Umweltministeriums bringt die Privatwald-Besitzer auf die Palme. Serviceleistungen von Hessenforst sollen ihrer Ansicht nach enorm teurer werden. Die Waldbesitzer fühlen sich bei der Ausarbeitung des Entwurfs übergangen. Aufgrund der Kritik zeigte sich Umweltminsterin Priska Hinz jetzt gesprächsbereit.

Jährlich werden in Hessen bis zu sechs Millionen Festmeter Holz geerntet, erklärt Christian Raupach, Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbandes. Etwa ein Viertel der hessischen Waldfläche sei in der Hand der 60 000 Waldbesitzer. 870 Hektar davon gehören Ernst-Uwe von Starck. Der Zierenberger ärgert sich darüber, dass das Land versucht habe, die Waldbesitzer vor vollendete Tatsachen zu stellen. „Ich hätte mir das gemeinsame Gespräch gewünscht, um einen Konsens zu erzielen, der für beide Parteien akzeptabel ist.“

Entsetzt ist von Starck auch über die erheblichen Preissteigerungen. „Für mich persönlich liegen die bei 20 bis 50 Prozent.“ Wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, gebe es für ihn drei Möglichkeiten: Er reduziere den Holzeinschlag, was zu einer allgemeinen Verknappung beitrage, er kündige Hessen Forst und beschäftige einen privaten Dienstleiter, oder er organisiere alles selbst und lasse nur die Pflichtaufgaben von Hessen Forst wahrnehmen. Wenn sich die Waldbesitzer für eine der letzteren beiden Alternativen entscheiden würden, führe dies zu einem Personalabbau bei Hessen Forst, vermutet von Starck.

Betroffen seien vor allem Kleinbetriebe, die bisher nur dann bezahlt hätten, wenn ein Einschlag stattgefunden habe. Diese müssten nach der Vorlage einen jährlichen Sockelbetrag zahlen.

Die Vorgehensweise des Ministeriums sei ein Affront für die Waldbesitzer, sagt Philipp Viktor Russell von Gut Hohenborn, Vorsitzender der Kreisgruppe Kassel des Hessischen Waldbesitzerverbandes. „Da wurde über Nacht etwas aus dem Ärmel geschüttelt.“ Man fühle sich komplett übergangen. Grundsätzlich finde man es in Ordnung, dass Gebühren angepasst würden. Russell hätte sich jedoch gewünscht, dass sich Ministerium und Waldbesitzer an einen Tisch gesetzt hätten. Der Vorsitzende rechnet mit einer Holzverknappung in Hessen, wenn der Entwurf so durchkomme. Ähnlich sieht das Lars Schmidt, Hauptgeschäftsführer der Säge- und Holzindustrie. Die Privathaushalte mit Brennholz, aber noch stärker die Sägewerke könnten Probleme bekommen. Arbeitsplätze seien in Gefahr, sagt er.

Bisher biete Hessen Forst Leistungen zu einem Preis an, der nicht kostendeckend sei, erklärt Forstamtsleiter Uwe Zindel. Geplant sei mit Inkrafttreten des neuen Hessischen Waldgesetzes im Januar ein Leistungskatalog, in dem Beförsterungsleistungen modular aufgeführt seien. Da auch der Privatwald der Allgemeinheit diene, seien bestimmte Leistungen wie die Verkehrssicherheit oder Beratungen zur nachhaltigen Bewirtschaftung nach wie vor kostenfrei. Andere wie die Pflege des Waldes und die Ernte müssten angemessen bezahlt werden, meint Zindel.

Von Bea Ricken

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