Schafe am Seilerberg bei Ehlen

Pyrenäenberghunde helfen Schäfer am Seilerberg beim Schutz gegen den Wolf

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Lernen Schafe und Schäfer erst kennen: die beiden Pyrenäenberghundewelpen Lotti und Emma. Reinhard Markon will mit den Hirtenhunden seine Herde, zu der unter anderem Schwarzkopfschafe zählen, schützen.

Reinhard Markon lebt von seinen Schafen und dem, was die Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe dem Zierenberger Schäfer für die Beweidung ihrer Flächen am Seilerberg oberhalb Ehlens zahlt.

Ehlen - Ab dem kommenden Frühjahr erhält der 52-jährige Schäfer wirkungsvolle Unterstützung von zwei Pyrenäenberghündinnen.

Mitte Dezember hat er die beiden Welpen von einem Züchter in Niedersachsen bekommen. Schon jetzt werden sie an ihren künftigen Job herangeführt und wachsen mit Schafen auf. Sie verbringen jede Minute bei den Tieren und lernen so, was es heißt, ein Hirtenhund zu sein. In wenigen Monaten werden sie eine Herde von 350 Muttertieren und Lämmern zu beschützen haben.

Der Schutz ist für Reinhard Markon, der aus dem Schwarzwald stammt, dort, aber auch in Bayern bereits als Schäfer gearbeitet hat, ein großes Thema. Denn seine Tiere weiden das ganze Jahr über auf den den Flächen im Naturschutzgebiet des ehemaligen Standortübungsplatzes – nur umgeben nur von einem Elektrozaun. Kolkraben, Füchse und zunehmend auch der Luchs interessieren sich für die Lämmer, sagt Markon. Seine Herdenschutzhunde sollen die Schafe besser verteidigen, als dies ein Zaun kann. Der Zierenberger rechnet aber künftig mit einer ganz anderen Gefahr für seine Herde: „Der Wolf wird kommen.“

Zum Thema: Ihre Herde ist ein Hühnerhaufen: Welpen wachsen mit 4000 Hühnern auf - um sie später zu beschützen

Ausbildung der Hirtenhunde braucht Zeit

Der Wolf habe sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet. Er dränge vom Osten nun auch in westliche Bundesländer. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis er durch Nordhessens Wälder streife. Dann will Markon vorbereitet sein. Die Herdenschutzhunde erst dann anzuschaffen, wenn der Wolf in der Region wieder heimisch geworden ist, sei problematisch. Markon möchte, dass sich Schafe und Hunde aneinander gewöhnen. Das benötigt ebenso Zeit wie die Ausbildung der Hirtenhunde. „Die Welpen brauchen drei Jahre, bis sie sozialreif sind“, sagt der Habichtswalder Hundetrainer Arne Winkler. In den kommenden Jahren lernen die Hunde ihre Schafe kennen. Dass die Chemie bereits jetzt gut stimmt, sieht Markon bei einem Blick in den kleinen Pferch. Dort tollen Lotti und Emma, so hat er die Welpen getauft, vergnügt mit den um einiges größeren Lämmern umher. Sie schlafen gemeinsam im Stroh und fressen zusammen. Im Spiel testen sie ihre Grenzen aus.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Doch nicht nur Schafe und Hunde müssen sich verstehen. Verständnis für das im Landkreis Kassel einzigartige Projekt erhoffen sich die Nabu-Stiftung und der Zierenberger Schäfer auch von Wanderern, Spaziergängern mit Hunden und Radfahrern. 

In einer Versammlung am 3. April kommenden Jahres wollen Markon und Hundetrainer Winkler das Projekt vorstellen und Handlungsempfehlungen geben. „Die Leute, die am Seilerberg unterwegs sind, müssen sich umstellen“, sagt Winkler. Sie sollten ihre Hunde an die Leine nehmen und Distanz zu den Schafen und damit den Herdenschutzhunden halten. „Die Pyrenäenberghunde zeigen kein ausgeprägtes Jagdverhalten. Sie wollen bei ihrer Herde bleiben und sie beschützen“, sagt Winkler.

Infoveranstaltung: Mittwoch, 3. April 2019, ab 18 Uhr Dorfgemeinschaftshaus Ehlen.

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Schäfer und Hunde wechseln sich ab

Während der Nacht hüten die Pyrenäenberghunde zuverlässig die Tiere auf der Weide

Die Schafweiden am Seilerberg dürften mit einer zusammenhängenden Fläche von etwa 100 Hektar die größte im Landkreis Kassel sein. 

Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass Herdenschutzhunde, wie etwa Tiere der Rasse Pyrenäenberghund, der wirksamste Schutz gegen Wölfe darstellen. Die Hunde bewachen die Herde abends und nachts, wenn diese eingepfercht ist. 

Mix verschiedener Rassen: Heidschnucken, Schwarzkopfschafe, Merinoschafe und auch Kreuzungen gehören zur Herde von Schäfer Reinhard Markon.

Tagsüber begleitet Schäfer Reinhard Markon seine Tiere. Er zieht mit ihnen über die Weiden. Unterstützt wird er dabei von seinen viel wendigeren Hütehunden. Die Hirtenhunde hingegen ruhen sich tagsüber aus. Zusätzlich sichert der Zierenberger Schäfer seine Herde mit einem Elektrozaun ab, auf dem eine Spannung von 2500 bis 4000 Volt liegt. Die braucht es, um im Falle von Wolfsangriffen eine Entschädigung von der Versicherung zu bekommen. 

Der Zaun selbst stellt aus Sicht des gebürtigen Schwarzwälders keine Barriere dar. Wölfe haben kein Problem, 2,70 Meter hohe Hindernisse zu überwinden.

Hintergrund: Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe

Die Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe wurde im Jahr 2009 vom Naturschutzbund gegründet. Hauptanliegen der Stiftung ist es, einzigartige Biotope zu schützen und einen Beitrag zum Erhalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zu leisten. Als besonders schützenswert gelten die unbewaldeten Flächen des insgesamt 180 Hektar großen Schutzgebietes. 

Schäfer Reinhard Markon bewirtschaftet mit seiner Herde eine Fläche von etwa 100 Hektar. Seine Schafe übernehmen sozusagen die Landschaftspflege. Die Hute ist attraktiv, weil es sich um ein großes zusammenhängendes Areal handelt, das nicht von Straßen durchschnitten ist. Die Nabu-Stiftung möchte eine weitere Ausbreitung des Waldes verhindern. Ihr Augenmerk liegt auf einer Stärkung der Magerrasenlandschaft. Und dabei leisten die Schafe einen wertvollen Beitrag. Der Zierenberger Schäfer will seine Herde in den kommenden Jahren noch vergrößern, von derzeit 350 Schafen auf etwa 500 Muttertiere. 

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