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Balhorner Schuhfachgeschäft Bernhardt feiert 50. Geburtstag

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Von: Norbert Müller

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Vor 25 Jahren: Christiane Christoph mit ihrer Mutter am hölzernen Tresen, der auch heute noch die Kasse im Laden trägt.
Vor 25 Jahren: Christiane Christoph mit ihrer Mutter am hölzernen Tresen, der auch heute noch die Kasse im Laden trägt. © privat/nh

Die Orthopädiesparte besteht bereits seit 93 Jahren. Für die Kundschaft wird der rote Teppich ausgerollt.

Balhorn – Mit Schuhen kannten sich die Bernhardts schon bestens aus, als sie vor genau 50 Jahren ihr Schuhfachgeschäft in Balhorn öffneten. Denn 1929 ging es schon mit orthopädischer Handwerkskunst los.

„Mein Vater Konrad hat den Laden genau genommen in Schwung gebracht“, sagt dessen heute 81-jähriger Sohn Helmut, der in der Werkstatt immer noch mitmischt, so wie seine Frau Christa im Laden weiterhin in nahezu allen Bereichen unterstützt. Was Helmut Bernhardt meint, ist: Der Vater hat 1929 bei Dresden die Meisterprüfung als Orthopädieschuhmacher bestanden und dann in seinem Heimatort Balhorn den Betrieb aufgebaut. „Nach dem Ersten Weltkrieg war der Bedarf groß“, sagt Helmut Bernhardt, es gab jede Menge Kriegsversehrte, die Sonderanfertigungen benötigten.

Der nächste Weltkrieg brachte gezwungenermaßen eine Pause, aber gleich nach Kriegsende startete Meister Konrad wieder durch. Auch da gab es wieder viele Männer, die nach Verwundungen spezielles Schuhwerk und sonstige orthopädische Hilfsmittel benötigten. Helmut Bernhardt: „Nach dem Krieg waren es über 400 Kriegsbeschädigte, die wir hier versorgt haben.“ Aber auch für die Anfertigung von Einlagen und anderen kleineren Hilfsmitteln rund um den Fuß waren die Bernhardts da. Mancher fragte dann auch, ob man nicht zu den Einlagen auch die passenden Schuhe erwerben könne, erinnert sich Bernhardt. Die Schuhe wurden dann in Kassel im Großhandel besorgt, aber bis zum Laden sollte es noch dauern.

Genau genommen bis 1972. Zuvor mussten im und am alten Fachwerkhaus erst mal die passenden Räumlichkeiten gebaut werden. Inzwischen hatte Helmut Bernhardt nach bestandener Meisterprüfung die Firma übernommen. Der Vater war zum Dorfoberhaupt gewählt worden „und war dann mehr Bürgermeister als Orthopädiemeister“, sagt der 81-Jährige.

Während er für die Werkstatt und die dortigen Mitarbeiter zuständig war, managte Ehefrau Christa den Laden. Sie erinnert sich noch gut an den Start des Geschäfts und auch daran, dass damals der Liter Heizöl zehn Pfennige gekostet habe. Der Laden entwickelte sich, ähnlich wie zuvor schon der Orthopädiebereich, bestens. „Der Einzugsbereich unseres Geschäfts ist groß“, sagt Christa Bernhardt stolz. Die Kundschaft komme nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus dem Waldeckischen und dem Landkreis bis Nieste.

Das Erfolgsrezept sei „die Beratung und Bedienung“, sagt Tochter Christiane Christoph, die inzwischen für den Laden die Verantwortung trägt. Das gelte auch für die Jüngsten, deshalb habe man „ganz viele Kinderkunden“. Die Eltern, sagt die Chefin, „schätzen es, dass die Kinder hier gut betreut werden“, dass alle Altersgruppen einen Service genießen, den das Internet niemals bieten könnte. Von Kindern, die erstmals Schuhe bekommen, machen die Bernhardts seit weit über 30 Jahren Fotos: eins für die Eltern, eins fürs spezielle Album des Geschäfts. Inzwischen umfasst die Kindergalerie elf dicke Fotobände. Die sind aus Anlass des Jubiläums in einer kleinen Ausstellung ebenso zu sehen, wie andere Bilder aus der Geschichte der Firma. Bis Ende der Woche noch ist die Ausstellung zu den Geschäftszeiten geöffnet.

Vor dem Eingang des Ladens ist bei den Bernhardts übrigens ein roter Teppich ausgerollt. „Der ist für die Kundschaft“, sagt Chefin Christiane Christoph lächelnd. (Norbert Müller)

Stolz auf ihr Handwerk und den Laden: Helmut Bernhardt mit einem Leisten der Schuhgröße 80, den er im Frühjahr aus Spaß hergestellt hat. In der Mitte Ehefrau Christa und rechts Tochter Christiane. Nicht auf dem
Stolz auf ihr Handwerk und den Laden: Helmut Bernhardt mit einem Leisten der Schuhgröße 80, den er im Frühjahr aus Spaß hergestellt hat. In der Mitte Ehefrau Christa und rechts Tochter Christiane. Nicht auf dem © ist Sohn Dirk, der als Meister die Werkstatt leitet. Insgesamt beschäftigen die Bernhardts 18 Angestellte. Foto: Norbert Müller

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