Sänger Michael Fitz im Minenfeld offener Lebensfragen

Songpoet statt Tatort-Kommissar: Michael Fitz im Kulturladen. Foto: zhf

Wolfhagen. Als Michael Fitz vor drei Jahren zum letzten Mal im Wolfhager Kulturladen auf der Bühne stand, waren nicht einmal 70 Besucher gekommen, um den einstigen Tatort-Star in seiner neuen Rolle als Liedermacher zu erleben. Auch diesmal sah das nicht anders aus, was daran liegen mag, dass er erneut an einem Sonntagabend Nordhessen besuchte und viele seiner Fans dann lieber daheim auf dem Sofa liegen und den wöchentlichen ARD-Kultkrimi genießen.

Diejenigen, die es trotz Krimi-Konkurrenz ins musikalische Wohnzimmer Wolfhagens geschafft haben, dürften es nicht bereut haben. Ein Hocker, ein Mikrofon, wechselnde Gitarren, dezentes Licht. Mehr braucht Michael Fitz nicht, um in die Welt seiner Musik zu entführen. Es gelingt ihm, obwohl man schnell erkennen muss, dass die bayerische Sprache doch eigener ist, als man vielleicht gedacht hätte. „Spätestens bis zur Pause haben Sie es drauf“, sagt er und meint damit das Verstehen seiner selbstgeschriebenen Texte. Bis dahin fungiert er gern als Übersetzer, macht aus einem „Du Siegst Mi Ned“ das verständlichere „Du siehst mich nicht“, das an eine Zeit erinnert, in der ein Gespräch mit seinem Vater spätestens nach drei Sätzen eskalierte. „Heute ist das anders, er ist mittlerweile 85 Jahre alt und an der Schwelle vom Altersstarrsinn zur Altersweisheit“, lässt der 56-Jährige sein gebannt lauschendes Publikum wissen.

Er sei in jeder Hinsicht ein Spätzünder, habe viel zu spät erkannt, dass er vieles nicht für sich selbst, sondern immer für andere gemacht habe. Für den Papa beispielsweise. Eine Erkenntnis, die durchaus als Erfolg zu werten ist, und um eben jenen soll es sich in seinem gleichnamigen Programm auch überwiegend drehen. Doch was ist Erfolg eigentlich? Berühmt oder berüchtigt sein, bei Facebook viele „Likes“ bekommen und jede Menge Aufmerksamkeit? Ein dickes, pralles Bankkonto? Wenn einen alle mögen oder alle hassen? Muss ich korrupt, gerissen, gierig sein, um Erfolg zu haben? Oder geht das auch anders?

Mit all diesen Fragen und noch einigen mehr, beschäftigt sich der Schauspieler und Songpoet in seinem Programm, in dem er sich mit der ihm eigenen Neugier durch ein Minenfeld ewig offener Lebensfragen und latenter Konflikte bewegt. Alles in einen stimmigen dramaturgischen Rahmen gespannt und zusammengehalten mit seinen entwaffnend ehrlichen, nachdenklichen, hintersinnigen und oft ironischen-witzigen Zwischenmoderationen, die perfekte Alternative zum sonntäglichen Tatort.

Von Sascha Hoffmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.