Aufwändige Sanierung an der Wettesinger Kirche - 380 000 Euro Kosten

Sandstein aufs Dach

Komplett eingerüstet: Das Dach der Wettesinger Kirche wird umfangreich saniert. Foto: Binienda-Beer

Wettesingen. Uralte Sandsteinplatten als Dacheindeckung auf einer Kirche sind heute eine Rarität in der Region und im Kirchenkreis Wolfhagen allein in Wettesingen anzutreffen. Das im 12. Jahrhundert errichtete Gotteshaus ist eines der ältesten Kirchengebäude der Region. Sein Dach hat allerdings im Laufe der Jahrhunderte unter der Witterung schwer gelitten, der vergleichsweise weiche Stein ist zu großen Teilen brüchig geworden.

Nachdem der Wettesinger Kirchturm bereits im vergangenen Jahr instandgesetzt und bei der Dacheindeckung aus Kostengründen der alte Sandstein durch Schiefer ersetzt worden ist (wir berichteten), folgt derzeit mit der Dachsanierung des Kirchenschiffes der noch erheblich umfangreichere zweite Bauabschnitt. Hier jedoch bleibt es bei der historischen Sandsteineindeckung.

Von den Gesamtbaukosten für beide Gebäudeteile von rund 500 000 Euro, die zur Hälfte von der Landeskirche getragen werden, entfallen allein 380 000 Euro auf die aktuellen Arbeiten. Für die kleine Kirchengemeinde bedeuten die unumgängliche Sanierung und die dafür erforderliche Kreditaufnahme für die nächsten 15 Jahre eine schmerzliche finanzielle Belastung. Unter diesem Eindruck hat sich vor wenigen Monaten der Förderkreis St. Andreas-Kirche Wettesingen zur baulichen Unterhaltung des Gotteshauses gegründet (siehe Hintergrund).

Noch bevor die Dachdecker auf etwa 500 Quadratmetern Dachfläche eine Sandsteinplatte nach der anderen auf Schäden begutachten und wo nötig austauschen werden, sind derzeit über dem Kirchenschiff Zimmermänner am Werk. Die Holzkonstruktion unter dem Dach muss von Grund auf repariert und dabei auch die Statik wiederhergestellt werden. Das Problem: Um 1450 wurden die drei Gewölbe über Kirchenschiff und Chor nachträglich eingebaut und die gotische Dachstuhlkonstruktion damit einschneidend verändert. Mehr als ein halbes Jahrtausend später gilt es jetzt, die daraus entstandenen Schäden mit den technischen und handwerklichen Möglichkeiten von heute zu beheben. Auch Fäulnis als Folge der durch die undicht gewordene Dacheindeckung eingetretenen Feuchtigkeit hat den Dachstuhl schwer beeinträchtigt.

Bei der Kirchturmsanierung hatten sich etwa 70 Prozent der Sandsteinplatten als marode erwiesen, ähnlich dürfte sich die Situation beim Kirchendach darstellen. Nicht mehr reparable Platten werden ausgetauscht: gegen die zwischenzeitlich im Gemeindehaus eingelagerten noch intakten vom Turmdach und zusätzlich beschafftem alten Sandstein, der bei Abriss historischer Gebäude gesichert worden ist.

Zum Schluss ein Fest

Die Bauleitung während der Sanierung liegt bei dem Architekturbüro Müntinga und Puy in Bad Arolsen. Mit dem Abschluss der Reparaturarbeiten ist im Herbst zu rechnen. Am Sonntag, 7. November, wird der neue Förderverein ein Einweihungsfest veranstalten. In der Woche davor sind Wettesinger Musiktage mit örtlichen und Gastchören geplant.

HINTERGRUND

Von Dorina Binienda-Beer

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