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Deutscher hilft als Sanitäter im Ukraine-Krieg

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Von: Bea Ricken

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Seit Beginn des Krieges in der Ukraine kümmert sich Adreno aus Deutschland als Sanitäter um Verletzte und organisiert humanitäre Hilfe.
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine kümmert sich Adreno aus Deutschland als Sanitäter um Verletzte und organisiert humanitäre Hilfe. © privat

Ein Deutscher, der zuletzt in Ahnatal und Wenigenhasungen gelebt hat, kündigt seinen Job und meldet sich freiwillig als Sanitäter im ukrainischen Kriegsgebiet. Adreno berichtet in mehreren Folgen über die aktuellen Geschehnisse.

Wenigenhasungen/Ahnatal/Bakhmut – Die langen Monate des Krieges in der Ukraine zehren an Adreno. Derzeit ist er auf dem Rückweg von den östlichen Frontlinien von Bakhmut nach Lviv, um sich etwas auszuruhen. „Ich habe in Bakhmut in einem Krankenhaus an der Front gearbeitet, das in einem verlassenen Wohnhaus eingerichtet wurde.“ Oft plagen ihn bei seiner Arbeit als Sanitäter Schuldgefühle: „Hätte der Verstorbene eine Chance gehabt, wenn man früher da gewesen wäre? Dieser Mensch, der da einsam gestorben ist, hätte man sich für den in all dem Stress nicht mehr Zeit nehmen müssen? Da ist dieses Gefühl von Machtlosigkeit, wenn ein Verletzter im dichten Artilleriefeuer erst zu spät geborgen werden kann.

Bei der Versorgung der Verletzten setzt Adreno eine Software des Unternehmens Medicalnetworks aus Kassel ein, die ihm von dort kostenlos zur Verfügung gestellt wird. „An der Front werden oft Verletzte mit Papieren in die großen Krankenhäuser evakuiert, nachdem wir die Menschen behandelt und stabilisiert haben. Mit der Software können wir den Ärzten bereits vorab die Daten übermitteln, damit dort Vorkehrungen zur Behandlung getroffen werden können und die Einschätzung der Patienten erleichtert wird.“ Das System aus Kassel helfe, Leben zu retten.

Adrenos Sanitätsgruppe steht noch mit einem anderen deutschen Unternehmen in Verhandlungen. Mit Spendengeldern soll eine mobile Medizinstation gekauft werden, deren Innenausstattung an die Anforderungen im Kriegsgebiet angepasst werden kann. Nun sucht Adreno ein Transportunternehmen, dass diese Station in die Ukraine schaffen kann.

Adreno glaubt an einen Sieg der Ukraine: „Für mich ist es längst keine Frage mehr, ob wir gewinnen, die Frage ist, wann. Die Entwicklung in diese Richtung war lange abzusehen.“

Für alle Militärangehörigen sei klar gewesen, dass die Ukraine zu einem gewissen Zeitpunkt angreifen und ihre Landesteile zurückerobern würde. „Das musste jedoch gut vorbereitet werden.“ Hunderttausende Soldaten seien in den vergangenen Monaten trainiert worden und man habe auf die Waffen gewartet.

Nun beweise man allen, die der Ukraine nahegelegt hätten, aufzugeben, dass dieses mutige Volk es schaffen könne. Und derzeit seien die fliehenden russischen Truppen zu Waffenlieferanten für die Ukraine geworden.

Adreno hofft indes, dass der Westen noch weitere Waffen liefert, auch Kampfpanzer. Dann hätte die Ukraine eine reelle Chance, den Krieg zu beenden und der Zerstörung und dem Völkermord in Butscha, Isjum, Mariupol und anderswo ein Ende zu setzen.

„Das Licht hinter uns leuchtet hell, um uns durch die Dunkelheit zu führen“, sagt der 27-Jährige hoffnungsvoll. (Bea Ricken)

Eine mobile Medizinstation aus Deutschland soll Adrenos Team in der Ukraine helfen. Er sucht jetzt ein Transportunternehmen.
Eine mobile Medizinstation aus Deutschland soll Adrenos Team in der Ukraine helfen. Er sucht jetzt ein Transportunternehmen. © Privat
Blutbefleckte Trage: Gefühle von Schuld und Machtlosigkeit plagen Adreno oft bei seinen Einsätzen, wenn er Menschen nicht mehr retten kann.
Blutbefleckte Trage: Gefühle von Schuld und Machtlosigkeit plagen Adreno oft bei seinen Einsätzen, wenn er Menschen nicht mehr retten kann. © Privat

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