Pflegedienst sieht in Hilfsbedürftigen auch die Menschen

Schutzengel aus Zierenberg schenken Zuwendung

Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig: Leni Mandel freut sich, wenn ihre Betreuungsengel zweimal pro Woche bei ihr nach dem Rechten sehen. Wenn alles stimmt, dürfen zu Weihnachten auch mal kleine Geschenke ausgetauscht werden.
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Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig: Leni Mandel freut sich, wenn ihre Betreuungsengel zweimal pro Woche bei ihr nach dem Rechten sehen. Wenn alles stimmt, dürfen zu Weihnachten auch mal kleine Geschenke ausgetauscht werden.

Sie kümmern sich uneigennützig um ihre Mitmenschen. Selbstloses Engagement eint die Alltagsengel unserer Serie. Heute: Elena Gitlein vom Pflegedienst Schutzengel, stellvertretend für alle Pflegekräfte im Wolfhager Land.

Zierenberg – Wenn sie zweimal pro Woche mit ihrem kleinen Schutzengel-Mobil am Haus von Leni Mandel vorfahren, werden die Mitarbeiter des Zierenberger Pflege- und Betreuungsdienstes von der 85-Jährigen schon sehnsüchtig erwartet. „Sie steht dann meist am Fenster, um uns den Hausschlüssel zu reichen“, sagt Elena Gitlein.

Auch diesmal wirkt die Begrüßung ausgesprochen freundlich und vertraut. Wie hat Mandel geschlafen, wie ist ihr aktuelles Befinden, was gibt es zu tun? Die herzliche Art, mit der Gitlein sich bei ihrer Klientin erkundigt, scheint tatsächlich alles andere als bloß notwendiges Mittel zum Zweck zu sein. Hier ist ehrliches Interesse zu spüren, was auch Leni Mandel zu gefallen scheint. Anders ginge es für die rüstige Seniorin auch nicht, immerhin gewährt sie den Schutzengeln Einblicke in private Bereiche.

„Damit habe ich kein Problem, auch wenn es anfangs schon ein wenig ungewohnt war“, erinnert sie sich an die ersten Besuche zu Anfang des vergangenen Jahres. Natürlich habe es etwas Zeit gebraucht, um sich gegenseitig zu beschnuppern und kennenzulernen, doch schnell habe sie Vertrauen gefasst. „Ich war ja froh, vor allem beim Duschen Unterstützung zu haben, und egal, wer von den Damen kommt, alle sind immer sehr höflich und zuvorkommend, ich fühle mich gut aufgehoben.“ Es habe auch damit zu tun, dass auf ihre individuellen Wünsche eingegangenen werde, sagt Mandel, die schon als langjährige Vorsitzende des Zierenberger Landfrauenvereins stets gewusst hat, was sie wollte. „Daran soll sich auch jetzt nichts ändern“, sagt sie, und spricht von Kleinigkeiten, wie dem Wunsch, spätestens um 10 Uhr geduscht zu sein. „Ich war noch nie der Mensch, der morgens ewig im Bademantel verbracht hat, ich möchte möglichst früh für den Tag gerüstet sein“, sagt sie.

Stehen Erledigungen an, etwa ein Arzt- oder Friseurbesuch, kann sich Mandel ebenfalls auf ihre Schutzengel verlassen. „Mit mir warten müssen sie nicht, sie können dann zwischendurch andere Arbeiten erledigen, sie haben ja genug zu tun“, sagt Mandel verständnisvoll. Zu tun haben Gitlein und ihre Kollegen tatsächlich, auch wenn die aktuelle Situation durchaus schwierig ist fürs Geschäft. „Wir sind noch relativ neu am Markt, haben unmittelbar vor Pandemiebeginn eröffnet. Auf die kurz drauf eingeführten Lockdowns und all die anderen Regeln zu reagieren, war und ist nicht immer leicht für uns“, erinnert sich Gitlein, die dennoch den Kopf nicht in den Sand stecken und sich statt auf Probleme lieber auf das Wohl ihrer Kunden konzentrieren will.

Die Dankbarkeit, die sie Tag für Tag erfahre, sei einfach etwas ganz Wunderbares. Das sei nicht nur bei Leni Mandel so. Nahezu all ihre Klienten würden sich über die Unterstützung durch das Schutzengel-Team freuen. Das liege wohl daran, dass sie sich „als Menschen wahrgenommen fühlen und nicht als Nummern, die abgearbeitet werden“. Auch deshalb würden sie, wenn sie mit ihren kleinen Schutzengel-Mobilen an ihren Einsatzorten zum Dienst „einfliegen“, von hilfsbedürftigen alten Menschen wie Leni Mandel zumeist sehnsüchtig erwartet. (Sascha Hoffmann)

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