Sensenmann mit Programm „Mein Leben als Tod“ in Wolfhagen

Der Tod höchstpersönlich: im ausverkauften Wolfhager Kulturladen überzeugte der Künstler mit der schwarzen Kutte und thematisierte das Tabuthema „Tod“ mit seinem tiefschwarzen Humor. Foto: Uminski

Wolfhagen. Mit dem Tod über zwei Stunden herzhaft lachen, ist das denn möglich? Schließlich hat der Tod doch einen negativen Ruf. Damit macht der Sensenmann nun höchstpersönlich Schluss und tourt mit seinem Programm „Mein Leben als Tod“ durch die Lande.

Am Samstagabend konnte das Publikum im ausverkauften Kulturladen in Wolfhagen den sonst so unerwünschten Gast persönlich treffen. Dabei plauderte der Sensenmann aus seinem Nähkästchen und gab dem Publikum tiefe Einblicke. Das Ziel des Sensenmannes: sein Image aufmöbeln, schließlich sehen die „Radieschen von unten“ gar nicht schlimm aus.

Mit leicht zittriger Stimme, der Angela Merkel Rauten-Handhaltung und tief hängender schwarzer Kapuze im Gesicht präsentierte sich der Künstler nicht nur singend und tanzend, sondern überzeugte mit Wortwitz, Charme und einem Humor, der genauso schwarz war wie seine Kutte. Warum immer die Menschen bei seinem Anblick in Panik verfallen, kann sich der Tod nicht erklären. Dabei sei „das Leben als Tod kein Ponyfriedhof.“ Und so stellt er fest, dass er dasselbe Problem habe wie Florian Silbereisen. „Mir sterben die Fans weg.“ Ganz klar: Ein Imagewandel muss her.

Von der menschlichen Seite 

Mit Lesungen aus seinem geheimen Tagebuch, Einblicke in seinen Nebenjob als Animateur auf Mallorca, seinem privaten Fotoalbum und seiner „Sense-to-go“ zeigte sich der Tod von seiner menschlichen Seite. Dabei hat der Sensenmann große Ziele. „Nachdem Berlin einen schwulen Bürgermeister hatte, ist es nun an der Zeit für einen Schwarzen.“ Schließlich brauche die Stadt endlich jemanden, der wisse, wie man ordentlich etwas zu Ende bringe. „Bei mir würde die Wahlurne eine ganz neue Bedeutung bekommen.“

Dass der Künstler während des gesamten Programms gesichtslos bleibt, störte dem Publikum wenig. „Das gehört dazu, dass der Tod kein Gesicht hat“, sagt Renate Langer. Überzeugt habe die Wolfhagerin die „tolle Stimme“ und dass der Künstler das Thema Tod „interessant rüberbringt“. Auch für Helmut Degenthoff sei es kein Problem, das Gesicht des Künstlers nicht zu sehen. „Das macht die Sache interessant, da der Tod abstrakt bleibt“, sagt der Grebensteiner. Für Holger Schacht wäre ein „menschliches Gesicht unpassend“. Schließlich sei der Tod eine anonyme Angelegenheit.

Für den Tod selbst sei die Gesichts- und Geschlechtslosigkeit wichtig. „Schließlich soll ein kleines Geheimnis um den Tod bleiben, um die Fantasie zu erhalten.“ Jeder solle sich den Tod so vorstellen, wie er möchte. Für den Sensenmann gehe es nicht um Humor, sondern um seine Rufverbesserung. „Da wurde einfach in den letzten Jahrhunderten zu wenig gemacht.“ Deshalb komme das Thema beim Publikum so gut an. „Es wurde bisher einfach totgeschwiegen.“ Dass der Sensenmann eigentlich „ein ganz netter Kerl ist“, davon überzeugte er das Publikum im Kulturladen restlos.

Von Johanna Uminski

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.