Café Alte Wache 

Abschied vom Traum am Wolfhager Marktplatz

Denkt an Abschied: Seit 13 Jahren betreibt Silke Döhne das Café Alte Wache am Wolfhager Marktplatz. Für den Service findet sie kein Personal, allein ist der Job kaum zu schaffen. Foto: Norbert Müller

Die Entscheidung ist gefallen und mit ihr eine unsichtbare Last: Silke Döhne, seit 13 Jahren Chefin der Alten Wache am Wolfhager Marktplatz, will aufhören und sucht einen Nachpächter für ihr Café.

Seit vergangenen Sommer, sagt die 61-jährige, sei sie Einzelkämpferin in ihrem Geschäft. Damals hörte ihre letzte angestellte Bedienung auf. Seither habe man alles Mögliche versucht, um Ersatz im Service zu finden, aber ohne Erfolg. Eine Hilfe habe sie noch in der Küche des Cafés, aber vor und hinter dem Tresen stemme sie alles solo.

Das habe Spuren hinterlassen. Im vergangenen Jahr sei sie nahe am Burnout gewesen, erzählt sie. Sie habe sich nur noch kaputt und platt gefühlt, „die Luft war raus“. Erst als wegen der Corona-Pandemie auch alle Gasthäuser dichtgemacht wurden, habe sie ihre Batterien wieder aufladen können. Die acht Wochen haben ihr gutgetan, versichert sie. Nicht nur, weil sie sich erholen konnte, auch weil sie in Ruhe zum Nachdenken gekommen sei. Dabei sei ihr klar geworden: „Ich kann so nicht weitermachen. Aber das musste ich mir erstmal eingestehen.“

„Ich habe immer gedacht, ich kann nicht ohne Arbeit, aber die acht Wochen zuhause haben mir gezeigt, es geht“, sagt Silke Döhne, die schon als Kind in der Gastronomie ihrer Eltern half. Ihr Elternhaus war die damals angesagte Gaststätte Stadt Wolfhagen. „Da habe ich schon auf einem Hocker hinter dem Zapfhahn gestanden.“

Die Gastronomie war auch später ihre Welt. 2007 schließlich erfüllte sie sich mit dem Café Alte Wache ihren Traum, sie machte sich selbstständig. Und auch wenn die Familie oft zu kurz kam, es wenig Urlaub und kaum freie Tage gab, sagt sie: „Ich habe es immer mit Liebe und Enthusiasmus gemacht.“ Sie hätte durchaus noch ein paar Jahre drangehängt, „aber ich möchte nicht wieder dahin kommen, wo ich im vergangenen Jahr gesundheitlich war“. Stattdessen gebe es noch das eine oder andere nachzuholen: „Mein Mann und ich sind noch relativ fit und reisen gerne.“ Und dann sind da noch die beiden Kinder und die beiden Enkel.

Sie könne zwar jeweils zum Monatsende raus aus dem Mietvertrag, werde aber nicht von jetzt auf sofort aussteigen. Derzeit sei der Betrieb dank der coronabedingten Einschränkungen der maximalen Gästezahl auch ohne zusätzliche Hilfe im Service zu schaffen. Deshalb geht sie davon aus: „Ich werde weitermachen, bis ich einen Nachfolger gefunden habe.“  Der sollte dann idealerweise das gesamte Inventar, das Eigentum von Silke Döhne ist, übernehmen. Das historische Gebäude dagegen gehört der Stadt. Deswegen muss auch letztlich der Magistrat einem neuen Pächter seinen Segen geben. So wie er es vor 13 Jahren bei Silke Döhne tat, die nun gespannt ist, „wie lange ich das hier noch machen muss“.

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