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Sprachkurse im Kreis Kassel stehen bei Geflüchteten hoch im Kurs

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Von: Jakob von Sass, Michaela Pflug

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Die Nachfrage nach Integrationskursen für die deutsche Sprache ist hoch. Weil die Zahl der Sprachkursinteressenten durch den Ukrainekrieg zugenommen hat, gibt es derzeit eine Warteliste.
Die Nachfrage nach Integrationskursen für die deutsche Sprache ist hoch. Weil die Zahl der Sprachkursinteressenten durch den Ukrainekrieg zugenommen hat, gibt es derzeit eine Warteliste. © Julian Stratenschulte/dpa

VHS und anderen Anbietern fehlt aber Personal.

Wolfhager Land – Die Deutsche Sprache gilt als Schlüssel zur Integration. Das sieht auch der Staat so und fördert daher verschiedene Sprachkurse für Geflüchtete, Ausländer und Einbürgerungswillige. Eine besondere Rolle kommt dabei den Integrationskursen zu, die neben Sprache auch Kenntnisse zu Staat, Gesellschaft und Geschichte vermitteln. Seit dem Ukraine-Krieg sind sie besonders gefragt. So sehr, dass es die Wartelisten im Landkreis deutlich länger sind als zuvor.

Größter Anbieter der Kurse im Landkreis und der Stadt Kassel ist die VHS Region Kassel. „Aktuell laufen 24 Deutschkurse mit 355 Teilnehmern“, teilt Kreissprecher Harald Kühlborn mit. Das sind weniger als üblich, da Sommerferien sind. Ein Großteil der Deutschkurse starte erst wieder Mitte September zum VHS-Semesterstart.

„Auf der Warteliste befinden sich aktuell noch knapp 200 Personen“, sagt Kühlborn. Zwischenzeitlich seien es sogar 400 Menschen gewesen. Einen Teil habe man über das Landesförderprogramm „Deutsch4U“ in anderen Sprachkursen unterbringen können.

Carsten Röhl von der Ukrainehilfe Wolfhagen bestätigt ebenfalls, dass im Wolfhager Land die Nachfrage nach den Integrationskursen weiterhin sehr hoch sei. „Der Wunsch der Geflüchteten an einem Kurs teilzunehmen ist anhaltend groß. Allerdings ist es besonders auf dem Land schwer, die Schulungen organisatorisch umzusetzen“, so Röhl. Zum einen fehle es schlichtweg an genügend Anbietern, aber auch die Suche nach passenden Räumlichkeiten stelle ein Problem dar.

Auch personell sei man nicht auf den sprunghaften Anstieg der Nachfrage vorbereitet gewesen. „Kurzfristig qualifiziertes Personal zu finden, ist eine Herausforderung“, sagt Kühlborn. Denn für die Kursleitung brauche es spezielle Voraussetzungen, wie etwa eine Zulassung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder ein abgeschlossenes pädagogisches Studium. Daher sei die VHS weiter auf der Suche nach Kursleitungen im Bereich Deutsch und Integration.

Auch in Wolfhagen fehle qualifiziertes Personal berichtet Röhl: „Die Anbieter suchen hier aber nicht nur Lehrer und Dozenten für den Sprachunterricht, es werden auch Erzieher gebraucht, die Ukrainisch sprechen und die Kinder der Geflüchteten während der Kurse betreuen können.“ Teilweise sei sogar so wenig Personal vorhanden und die Kurse so überfüllt, dass einige Familien aus Wolfhagen in andere Städte ausweichen müssen. „Mir sind Fälle bekannt, wo die Menschen nach Zierenberg oder sogar nach Kassel für einen Integrationskurs reisen mussten“, so Röhl.

Kühlborn gibt aber auch zu bedenken, dass die Wartelisten eher Trendindikator als exakte Aussage sind. „Geflüchtete Menschen – besonders die mit einem Aufenthaltsstatus – können innerhalb Deutschlands einen anderen Aufenthaltsort wählen.“ Daher stelle man bei der Abarbeitung mitunter fest, dass nicht mehr alle Angemeldeten noch in der Region wohnen.

Wer nun allerdings auf der Seite des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schaut, sieht viele freie Plätze in vielen Integrationskursen – auch im Landkreis. „Das sind leider nicht so aktuelle Infos“, erklärt Kühlborn. Wenn sich jemand bei der VHS anmeldet, werde nicht automatisch der Platz als belegt angezeigt. Vorher müsse erst ein Antrag beim BAMF gestellt werden. Das sei zwar eine Formalität, aber meist dauere die Bearbeitung einige Zeit. (Michaela Pflug, Jakob von Sass)

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