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Stadtwerke planen mehr Windkrafträder für Wolfhagen

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Von: Antje Thon

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Eines von vier Windrädern am Rödeser Berg zwischen Nothfelden und Niederelsungen. Archi
Eines von vier Windrädern am Rödeser Berg zwischen Nothfelden und Niederelsungen. (Archivbild) © Antje Thon

Der Rödeser Berg und der Stadtwald Wolfhagen sind für Windkraft geeignet. Die Stadtwerke prüfen dort den Bau von 12 neuen Windrädern.

Wolfhagen – Die Stadtwerke Wolfhagen wollen den Ausbau regenerativer Energien vorantreiben. Sie möchten die Zahl der Windenergieanlagen deutlich erhöhen. Ihre Überlegungen kreisen dabei um zwei Standorte: Am Rödeser Berg könnten bis zu drei zusätzliche Windräder errichtet werden, im Stadtwald bei Ippinghausen, angrenzend an die Flächen der Verbands-Energie-Werk GmbH (VEW) aus Korbach, bis zu neun.

„Wir befinden uns mit unseren Planungen in einer sehr frühen Phase“, sagt Christina Holzhauer, Geschäftsführerin der Stadtwerke. Ihr Vorhaben haben sie in einer interfraktionellen Runde, im Bau- und Umweltausschuss und der Bürgerenergiegenossenschaft, die neben der Stadt Wolfhagen als Hauptgesellschafterin mit knapp 40 Prozent an den Stadtwerken beteiligt ist, vorgestellt. Anfang kommenden Jahres wollen sie in einen Bürgerdialog einsteigen, bei dem über die Energiewende in Wolfhagen und speziell über den Ausbau der Windkraft als einer wesentlichen Säule diskutiert werden soll.

Strombedarf für Einfamilienhäuser könnte von 5000 auf 14.000 Kilowattstunden steigen

Christina Holzhauer und Alexander Rohrssen, ebenfalls Geschäftsführer der Stadtwerke, sind davon überzeugt, dass der Druck auf den Ausbau der Windenergieanlagen zunehmen wird, und zwar bundesweit. Der Energiebedarf werde weiter drastisch wachsen. Mehr Wärmepumpen und mehr Elektromobilität kurbelten die Nachfrage an.

Wolfhagen hatte sich lange Zeit damit geschmückt, mehr grüne Energie zu erzeugen, als die Stadt verbraucht. Diese Bilanz sei 2021 erstmals gekippt, der aus regenerativen Quellen erzeugte Strom habe gemessen am Verbrauch nur noch bei 92 Prozent gelegen. Ein Jahr zuvor hatte diese Quote 110 Prozent betragen.

Für weitere drei Windmühlen sei der Rödeser Berg eine Option. Der Vorteil dieses Standortes: Dort gibt es bereits Windräder, das Genehmigungsverfahren dürfte kein Hindernis sein. Die Flächen gehören der Stadt, Hessen Forst und einem privaten Besitzer. Aus den Gesprächen mit den Eigentümern habe es positive Signale gegeben, so Holzhauer. Der kommunale Flächennutzungsplan lasse aktuell nur am Rödeser Berg den Bau von Windrädern zu. Voraussetzung hingegen für die Errichtung von Mühlen im Stadtwald wäre eine Änderung im Flächennutzungsplan, in dem derzeit eine dortige Erzeugung von Windstrom ausgeschlossen ist. Das hatte vor mehr als zehn Jahren das Parlament so festgelegt.

Stadtwerke Wolfhagen wollen jetzt Windkraft vorantreiben

Glaubt man Alexander Rohrssen und Christina Holzhauer, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis rund um Wolfhagen und in anderen Regionen die Zahl der Windräder zunehmen wird. Die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfhagen begründen die Entwicklung mit einem wachsenden Bedarf an Strom, aber auch mit der Energiekrise, die offengelegt hat, welche Probleme aus einer Abhängigkeit beim Strom resultieren können.

Die Stadtwerke wollen beim Ausbau der Erneuerbaren den Fuß in der Tür haben, noch bevor die Vorgaben im Regionalplan Wind irgendwann angepasst und künftig nicht nur zwei, sondern vielleicht auch drei oder mehr Prozent der Fläche für die Erzeugung von Windenergie freigegeben werden. „Die Zeit hat sich geändert“, sagt Rohrssen. Für die Stadt Wolfhagen sei es ein Vorteil, wenn sie selbst aktiv werde, den Anteil der Erneuerbaren erhöhe und dazu die Stadtwerke, an denen die Kommune mit mehr als 60 Prozent beteiligt ist, mit ins Boot hole.

Um auch im Wolfhager Stadtwald Windmühlen in den Himmel wachsen zu lassen, müsste das Parlament dafür zunächst die Voraussetzungen schaffen.

Das Stadtparlament Wolfhagen muss für mehr Windkraft aktiv werden

Dazu hat es zwei Möglichkeiten. Variante 1: Es hebt den sogenannten „sachlichen Teilflächennutzungsplan Wind“ auf und gibt alle Bereiche frei, in denen laut Regionalplan in Wolfhagen Windräder errichtet werden dürfen. Das hätte aber aus Sicht der Stadtwerke den Nachteil, dass sich jeder andere Anbieter ebenfalls um die Flächen bewerben könnte. Variante 2: Das Parlament nimmt eine Erweiterung der Flächen für Windkraftanlagen über eine „isolierte Positivplanung“ vor. Bei diesem Vorgehen ginge es um eine ganz konkrete Fläche, etwa jene, die die Stadtwerke jetzt bei Ippinghausen ins Auge gefasst haben.

Der Bereich verfüge bereits jetzt, da die Stadtwerke noch gar nicht in die Planung eingestiegen sind, über günstige Voraussetzungen, sagt Holzhauer. In einer Höhe von 166 Meter wehe mit durchschnittlich 7,1 Metern pro Sekunde zuverlässig Wind. Weiter oben, die Windräder könnten um die 250 Meter hoch werden, dürfte das Windaufkommen noch besser sein. Auch könnten die gesetzlich vorgeschriebenen Entfernungen zu bebauten Bereichen eingehalten werden – 1000 Meter Abstand zu Ippinghausen und Leckringhausen seien kein Problem.

Das Gebiet gehöre der Stadt. Und weil die Verbands-Energie-Werk Gesellschaft für Erneuerbare Energien mbH (VEW) in Korbach einige Meter westlich des ins Visier genommenen Areals demnächst mit dem Bau eines Windparks – bestehend aus vier Anlagen – beginnen werde, sei der Wald vorbelastet, was sich vorteilhaft auf das Genehmigungsverfahren auswirken dürfte. Zudem sei das Vorhandensein einer 110-Kilovolt-Leitung günstig. Ob es überhaupt zu einem Windpark im Stadtwald komme und ob es in ihm drei, sechs oder neun Anlagen geben werde, sei derzeit absolut offen, betonen beide Geschäftsführer.

Das alles seien derzeit nichts als Ideen, man wolle das Thema mit den Bürgern besprechen, auch habe sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke noch nicht positioniert. Bei den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses sind die Überlegungen indes fraktionsübergreifend auf ein positives Echo gestoßen. Falls sich Wolfhagen am Ende für eine Stärkung der Windenergie aussprechen sollte, würden bis zum tatsächlichen Bau noch Jahre vergehen. „Wir sind dann schnell im Jahr 2030“, so Rohrssen.

Bis zum Bau der Windräder könnten Jahre vergehen

Deutlich schneller mit der Umsetzung könnte es hingegen am Rödeser Berg gehen, bis Ende 2023 könnte der Antrag für das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz vorbereitet werden. Frühestens 2025 könnte mit dem Bau begonnen werden. Auf dem Rödeser Berg erzeugt jede der vier vorhandenen Anlagen bis zu 6,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die Stadtwerke würden dort gerne drei weitere Mühlen errichten, von denen jede einzelne 10,5 Millionen Kilowattstunden saubere Energie produziert. „Die drei neuen würden also mehr Energie erzeugen als die vier vorhandenen Anlagen“, rechnet Christina Holzhauer vor. Ob wirklich alle drei Windräder auf dem Rödeser Berg Platz hätten, müsse eine detailliertere Planung zeigen, „es ist schon relativ eng dort oben“, so die Geschäftsführerin.

Vom Rödeser Berg und/oder Stadtwald – würden sowohl die Stadtwerke als auch die Stadt Wolfhagen profitieren. Die Stadtwerke, weil sie mehr eigenen, regionalen Strom erzeugen und sie sich in ihrer Angebotspalette breiter aufstellen können. Die Kommune bekomme Einnahmen über die Pacht, die Gewerbesteuer und erhalte nach dem Erneuerbaren Energien-Gesetz 0,2 Cent pro erzeugte Kilowattstunde. Und schließlich haben die Stadtwerke vor, die Bürger an den Windkraftanlagen zu beteiligen.

Steigender Strombedarf für E-Autos und Wärmepumpen

Mit einem höheren Energieverbrauch rechnen die Stadtwerke für die Zukunft. Liegt der jährliche Stromverbrauch eines Einfamilienhauses derzeit bei bis zu 5000 Kilowattstunden, dürften Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge den Bedarf anfeuern. Die Stadtwerke erwarten künftig einen Verbrauch von bis zu 14.000 Kilowattstunden. Solarpflicht und PV-Anlagen auf Dächern allein könnten das Problem nicht lösen. Komplementär sei mehr Windkraft erforderlich. (Antje Thon)

Windkraft-Ausbau wird allerorten vorangetrieben: Landkreis Northeim plant 28 neue Windräder.

Gegen die Windräder wird auch demonstriert: Hunderte Demonstranten kamen in Trendelburg bei Hofgeismar zusammen, um gegen Windkraft im Reinhardswald zu demonstrieren.

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