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Streuobstwiese bei Wettesingen wird nach der Ernte intensiv gepflegt

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Von: Sascha Hoffmann

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Wilfried Bott und Helmut Raabe vom Nabu locken Steinkauze mit einem gemütlichen Zuhause.
Wilfried Bott und Helmut Raabe vom Nabu locken Steinkauze mit einem gemütlichen Zuhause. © Sascha Hoffmann

Äpfel zum Genießen, Biotop für Tiere.

Wettesingen – Wenn man die Streuobstwiese zwischen Wettesingen und Obermeiser betritt, zaubert einem der herrliche Anblick unweigerlich ein breites Lächeln ins Gesicht. 230 prächtige Bäume, teils um die 80 Jahre alt, prall gefüllt mit gelb leuchtenden Birnen und strahlend roten Äpfeln. Ingrid-Marie, roter Boskop, Sternrenette oder Westfälischer Gülderling heißen sie und warten darauf, geerntet zu werden. Das ist in diesem Jahr ein besonderes Geschenk, sind vielerorts schließlich unzählige Früchte lange vor der Ernte der Hitze zum Opfer und vorzeitig von den Bäumen gefallen.

„Ansonsten können wir vom Gefühl her aber von einem guten Apfeljahr sprechen“, sagt Lutz Knauf von der Firma Pflanzlust, der auf der Streuobstwiese bei der Baumpflege mit anpackt. Die Bäume, so Knauf, profitierten in Sachen Wasserversorgung von ihrem besonderen Standort. „Man nennt das hier Quellgebiet, hier ist Wasser, deshalb haben wir auch ordentliche Kawenzmänner an den Bäumen. Die meisten Äpfel werden der Saftnutzung zugeführt“, sagt Wilfried Bott, Sprecher des Arbeitskreises Natur und Umwelt der Gemeinde Breuna, dessen Mitglieder sich gemeinsam mit den Pächtern mit viel Liebe und Elan um die Streuobstwiese kümmern. Am ersten Septemberwochenende haben sie mit der Ernte begonnen, und das Ergebnis lässt hoffen.

„Von einem wirklich gut tragenden Baum hatten wir etwa 250 Kilo im Bigpack“, freut sich Bott. „Einiges lag schon unterm Baum, den Rest haben wir heruntergeschüttelt“, ergänzt Doris Hauck, Streuobstberaterin des Naturschutzbundes (Nabu) in Breuna, die es vor allem auf die Sorte Ingrid-Marie abgesehen hat. „Die schmeckt erst zu Weihnachten so richtig und macht sich noch dazu mit ihrem prallen Rot gut auf dem Adventsteller.“

Bis dahin ist aber noch jede Menge zu tun auf der Streuobstwiese. Sind die Bäume erst mal abgeerntet und das Obst verarbeitet oder eingelagert, geht es an die Pflege von Fläche und Bäumen. „Das artenreiche Grünland wird extensiv genutzt, da kümmert sich ein Schäfer mit seinen Tieren drum, die Pflege der Bäume übernehmen Fachkräfte“, so Bott. Bereits seit zwei Jahren stehe hierfür Geld aus der Biodiversitätsförderung zur Verfügung. „Die Maßnahmen erfolgen in Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde, der Gemeinde Breuna und dem Landkreis Kassel“, informiert Dierk Schwedes von der Streuobstinitiative im Landkreis Kassel (Silka), bei der die Streuobstwiese seit 2008 zertifiziert ist.

Auch wenn die süßen Früchte vermeintlich im Vordergrund stehen, geht es vor allem um den Lebensraum Streuobstwiese. „Insekten, Vögel und Kleinsäuger tummeln sich hier, und damit diese Tiere weiterhin einen Lebensraum haben, ist es wichtig, die Streuobstwiese entsprechend zu pflegen“, erklärt Lutz Knauf. Auch der Steinkauz fühle sich im Biotop wohl, sagt Helmut Raabe vom Nabu Breuna, der gerade künstliche Nisthilfen, sogenannte Kauzröhren, angebracht hat. Noch ein paar Wochen werden die fleißigen Breunaer zu tun haben, doch dann können sie bis ins neue Jahr frische Äpfel, Apfelchips, Saft und Wein in Hülle und Fülle genießen, die ihnen über die Wintermonate garantiert ein ebenso breites Lächeln ins Gesicht zaubern werden wie im Spätsommer der Anblick ihrer herrlichen Streuobstwiese.

Information: Die Streuobstinitiative Silka nimmt an den bekannten Sammelstellen reife Äpfel und Birnen an, die den Richtlinien entsprechen, die das Qualitätszeichen des Nabu (Naturschutzbund Deutschland) vorschreibt. Weitere Infos: silka-saft.de (Sascha Hoffmann)

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