SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel

Suedlink: Ist die Mega-Stromtrasse nötig? Ein Interview

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SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel im Interview über Suedlink

Habichtswald/Kreis Kassel. Kaum ein Projekt hat die Menschen in der Region in den vergangenen Jahren so in ihrem Widerstand geeint wie Suedlink. Wir sprachen daüber mit dem SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel.

Kaum ein Projekt hat die Menschen in der Region in den vergangenen Jahren so in ihrem Widerstand geeint wie Suedlink. Die Menschen befürchten neben einer Verschandelung der Landschaft vor allem gesundheitliche Beeinträchtigungen, die mit der Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) verbunden sind. Grundsätzlich zweifeln sie die Notwendigkeit der 800 Kilometer langen Trasse an. Wir sprachen über Suedlink mit dem SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel, der Freitag ab 14 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Ehlen mit Bürgern spricht.

Herr Schäfer-Gümbel, brauchen wir Suedlink? 

Thorsten Schäfer-Gümbel: Grundsätzlich muss klar festgehalten werden: Modernisierung und der Ausbau des Stromnetzes sind - nicht nur wegen der Energiewende - notwendig. Der Umfang muss einer unabhängigen Bedarfsüberprüfung standhalten. Insbesondere die Dimension von Suedlink ist strittig.

2013 haben Bundestag und Bundesrat aber parteiübergreifend entschieden, neben dem bestehenden Wechselstromnetz auch drei Gleichstromverbindungen wie die Suedlink-Trasse vom Norden in den Süden Deutschlands zu bauen. Viele möglicherweise betroffene Menschen sind aber strikt gegen den Bau des Riesen-Projekts. Was sagen Sie besorgten Bürgern? 

Schäfer-Gümbel: Bedarf und Verlauf müssen transparent und nachvollziehbar sein. Das ist die Voraussetzung für Akzeptanz. Leider war die Informationspolitik des Suedlink-Planers Tennet in der Vergangenheit mehr als mangelhaft. Das muss sich zwingend ändern, sonst ist schon die Voraussetzung für Akzeptanz nicht erfüllt.

Sie machten sich vor kurzem Gedanken darum, dass die Trasse auf Kosten Hessens gebaut werden könnte. Nun ist klar, dass Erdkabel Vorrang vor Masten haben sollen. Ist das eine Entlastung für das Land und sind Sie damit zufrieden? 

Schäfer-Gümbel: Erdkabel würden in den betroffenen Regionen eine wichtige Entlastung bringen. Wir haben von Beginn der Planungen von Suedlink an den Einsatz von Erdkabeln gefordert. Das habe ich auch vor einigen Wochen sowohl Staatssekretär Baake als auch dem Präsidenten der Bundesnetzagentur gesagt. Ich bin froh, dass dies nun umgesetzt werden soll.

Was erwarten Sie in Sachen Suedlink in nächster Zukunft von der schwarz-grünen Landesregierung? 

Schäfer-Gümbel: Ich habe an die schwarz-grüne Landesregierung keine Erwartung mehr. Erstens weiß sie nicht, was sie will, und zweitens spricht sie vor Ort anders als im Landtag. Wir haben unseren Leuten in Berlin gesagt, dass wir Transparenz und geringstmögliche Eingriffe wollen, außerdem werden wir keine Entlastung Bayerns auf Kosten Hessens akzeptieren. Da gäbe es richtig Ärger.

Hätten sich die Menschen nicht zu Bürgerinitiativen zusammengeschlossen und gewehrt, hätte die Politik die 70 Meter hohen Stromtrassen billigend in Kauf genommen, oder? 

Schäfer-Gümbel: Die Gefahr bestand. Teile in Berlin und Wiesbaden bewegen sich nicht so schnell. Ich freue mich über das Ergebnis des großen Engagements der Bürgerinitiativen, der Kommunen und vieler Landespolitiker bei der Bedarfsprüfung und der Erdverkabelung.

Wenn die Leitungen nun als Kabel in der Erde verlegt werden sollen, warum nutzt man dafür nicht Streifen entlang von Autobahnen, etwa der A 7, die von Norden nach Süden verläuft? 

Schäfer-Gümbel: Ob der angekündigte Vorrang von Erdkabeln nun zu einer komplett neuen Trassenführung führt, bleibt abzuwarten. Jetzt müssen erstmal die politischen Beschlüsse der Berliner Koalitionsspitzen im Rahmen eines Gesetzgebungsverfahren zu geltendem Recht gemacht werden.

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