Ehrenmal in Oberlistingen

Tafel zu entstelltem Namen: Späte Wiedergutmachung für Leopold Goldschmidt

Gedenktafel für Kriegsopfer: Auf der Tafel steht „Goldsehmied“ und könnte eine Diffamierung des Namens Goldschmidt sein.

Der Name von Leopold Goldschmidt, einem Juden aus Oberlistingen, ist auf dem Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs falsch geschrieben. Jetzt, fast 100 Jahre nach Goldschmidts Tod, wird der wohl beabsichtigte Fehler geradegerückt.

Ob es Absicht war, niemand genauer hingesehen hat oder es allen egal war: Der Name Goldschmidt auf dem Ehrenmal in Oberlistingen ist falsch geschrieben. Dort heißt der im Ersten Weltkrieg gefallene jüdische Mitbürger Leopold Goldschmidt mit Namen „Goldsehmied“. Das könnte in Anlehnung an Antisemitismus absichtlich so geschrieben worden sein. Ernst Klein, Vorsitzender des Vereins Rückblende – Gegen das Vergessen, hat durch den bereits verstorbenen Oberlistinger Pfarrer Schmiedehausen von diesem Fauxpas erfahren.

Leopold Goldschmidt starb im Ersten Weltkrieg: Zu seinem 100. Todestag wurde diese Tafel zusätzlich zur Gedenktafel der gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges in Oberlistingen angebracht. 

In einem Vortrag in Wolfhagen ging Ernst Klein darauf ein, wie nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Gedenken an jüdische Soldaten umgegangen wurde. „Zunächst wurden auch sie mit erwähnt, später sollten die Namen dann von Gedenktafeln entfernt werden“, sagte Klein. Er ist sicher, dass der Name Goldsehmied absichtlich so geschrieben wurde. „Das ist ganz eindeutig kein Versehen“, sagte Klein. Die Gemeinde Breuna wollte die falsche Schreibweise ändern und bat den Breunaer Pfarrer Thomas Wischnath um Hilfe. Pfarrer Thomas Wischnath hat im Gespräch mit seiner Schwägerin (Historikerin) und seinem Bruder, Leiter des Uni-Archivs in Tübingen, darüber diskutiert, wie der falsch geschriebene Name neu und richtig bedacht werden könnte. Dabei stellten sie sich die Fragen, wer diese Entstellung vor vielen Jahren vorgenommen hat. War es der Steinmetz oder sein Auftraggeber? Hat niemand protestiert? Wie haben die Angehörigen reagiert, die es damals noch gab? Viele Fragen, die heute wahrscheinlich nicht mehr geklärt werden können. Deshalb sollte die Inschrift der neuen Tafel einen klaren Gegenwartsbezug haben. Auch sollte eine zusätzliche Tafel den entstellten Namen nicht wiederholen.

Letztlich fiel die Entscheidung, eine weitere Tafel anzubringen als dauernde Mahnung zu Toleranz und Wachsamkeit und zum ehrenden Gedenken an den vor 100 Jahren umgekommenen Ludwig Goldschmidt. Ernst Klein: „Ich freue mich sehr, dass durch meinen Anstoß diese Idee entstanden ist. Die Form der Mahnung ist sehr gelungen, das ist eine sehr angemessene Reaktion“, sagte Klein und freute sich.

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