Corona-Krise Türkei

Gebürtige Wolfhagerin lebt in der Türkei und erlebt den dortigen Umgang mit dem Coronavirus

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Lebt in der Türkei: Und da fühlt sich Marion Füller auch während der Coronakrise gut aufgehoben. Das Foto entstand auch vor den Einschränkungen.

Seit zwei Jahren lebt eine Frau aus Nordhessen in der Türkei. Auch während der Corona-Krise fühlt sie sich dort gut aufgehoben. Die Maßnahmen ähneln denen in Deutschland - und doch wieder nicht.

Wolfhagen/Side – Vor zwei Jahren ist Marion Füller, gebürtig aus Wolfhagen in Nordhessen, in die Türkei ausgewandert. Ursprünglich hatte sie die Pläne mit ihrem Mann geschmiedet, doch der starb nach längerer Krankheit. Kurzerhand entschloss sie sich, den gemeinsam gehegten Rententraum in Side in der Türkei nun alleine zu verwirklichen. 

Und jetzt sitzt sie in ihrer Wahlheimat und steckt mit allen gemeinsam in der Corona-Krise. „Ich fühle mich hier aber gut aufgehoben“, sagte die 54-Jährige, die in Zierenberg in Nordhessen aufgewachsen ist und lange in Gudensberg gelebt hat. Aufgrund ihrer Vorerkrankungen dürfe sie die Wohnung nicht mehr verlassen. Ihr Lebensgefährte, Michael Wiegand (stammt aus Dortmund), gehe einkaufen. Dabei trage er Mundschutz, der seit Freitag auch Pflicht ist.

Corona-Krise: In der Türkei sei früher reagiert worden als in Deutschland

Die Verständigung in der Türkei klappe gut. Sie leben in der Ferienregion Side, dort lebten auch viele Deutsche. Marion Füller und auch ihr Lebensgefährte sprechen etwas englisch, ihr Arzt spreche fließend deutsch, einen Türkisch-Kurs habe sie bereits absolviert und sie will einen weiteren Kurs besuchen. Bisher habe die türkische Regierung nur für Menschen ab 65 Jahren sowie chronisch Kranke eine volle Ausgangssperre verhängt. Den Flugverkehr nach Deutschland hatte die Türkei am 21. März eingestellt. „Aber hier wurde viel früher reagiert, als in Deutschland“, weiß Marion Füller, die auch die Nachrichten aus Deutschland verfolgt.

Traumhafte Kulisse: Diesen Blick hat Marion Füller, die gebürtig aus Wolfhagen stammt, wenn sie auf ihrem Balkon in der Ferienregion Side in der Türkei steht. Die Nähe zum Meer gefällt ihr besonders gut.

Wenn Marion Füller etwas aus einem Geschäft braucht und auch ihr Lebensgefährte nicht nach draußen dürfte, könne sie ganz einfach die Polizei anrufen. Die würden fragen, was sie braucht und ihr das besorgen. Oder aber sie würden sie zum Arzt, zur Bank oder zur Post fahren.

Ihre Freundin, die ebenfalls in der Türkei lebt, habe ihr erzählt, dass das Gesundheitsamt bei ihr angerufen und sich nach ihrem Befinden erkundigt habe. „Obwohl sie gar nicht durch Vorerkrankungen registriert ist“, sagte Füller. 

Corona-Krise: Die Gemeinschaft in dem türkischen Ort hält zusammen

Sie finde, dass sich sehr um die Einwohner gekümmert werde. „Es klappt bisher ganz gut“, so Füller. Auch ihr Vermieter habe ihr Hilfe angeboten, die Gemeinschaft in ihrem Wohnort Kumköy sei sehr groß. „Und bei uns gibt es auch noch Toilettenpapier“, sagte Füller und lachte. Warum ausgerechnet die Deutschen Klopapier bunkern, könne sie nicht verstehen. Aber auch das habe sie durch die Nachrichten mitbekommen.

Im Grunde seien die Zustände in der Türkei so, wie auch in Deutschland. Geschäfte, Gastwirtschaften, Friseure, Nagel- und Massagestudios hätten geschlossen. Weil sie in einer Ferienregion lebt und derzeit keine Urlauber vor Ort seien, sei sie gut abgeschottet. Für sie gebe es auch keine Option, nach Deutschland zurückzukehren. Nicht nur, weil das im Moment ohnehin nicht funktionieren würde. „Ich bleibe hier, meine Wurzeln sind jetzt hier, ich habe auch in Deutschland keinen Wohnsitz mehr“, sagte Marion Füller, die sich in der Türkei sehr wohl und angenommen fühlt. 

„Hier kann man gut leben, die Lebenshaltungskosten sind sehr niedrig und das Klima tut mir einfach gut“, so Füller. Über eine Nachricht aus ihrem Geburtsort Wolfhagen hat sie sich ganz besonders gefreut: dass die Kreisklinik in Wolfhagen gerettet ist. Dort ist sie nämlich geboren worden.

Von Monika Wüllner

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