Mit gesunder Ernährung Krankheiten vorbeugen

Umweltarzt Klaus Runow: „Täglich einen Regenbogen essen“

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Bunt ist gesund: Ernährungswissenschaftler empfehlen mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag.

Viele Krankheiten hängen unter anderem mit falscher Ernährung zusammen, sagt der Wolfhager Umweltmediziner Klaus Runow. Dazu zählen aus seiner Sicht zum Beispiel Krebs und Autoimmunerkrankungen.

Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Entstehung von Krankheiten?

Unser intensivster Kontakt zur Umwelt erfolgt über die Nahrungsmittel. Die meisten chronischen Krankheiten haben einen Bezug zu unserer Ernährung. Lebensmittel sind nicht nur Nährstofflieferanten, sondern enthalten komplexe Eiweißstrukturen, die immunologische Prozesse im Körper auslösen oder verstärken können. Diese sehen wir unter anderem bei Allergien und Autoimmunerkrankungen wie der multiplen Sklerose (MS) und auch neurologischen Erkrankungen. Im Hinblick auf Krebs spielt neben der Belastung durch Umweltgifte auch die Kalorienaufnahme eine entscheidende Rolle: Übergewichtige haben erhöhte Entzündungswerte im Blut und dadurch ein erhöhtes Krebsrisiko. Epidemiologen schätzen, dass 25 Prozent aller Krebsfälle weltweit auf Übergewicht und Bewegungsmangel zurückzuführen sind.

Aber auch bei Normalgewichtigen kann die Ernährungsweise das Krebsrisiko erhöhen.

Kann man Krebs mit einer bestimmten Ernährung vorbeugen?

Gesunde Kost gibt es nicht. Es kommt darauf an, wie mein Körper auf den verzehrten „Fremdstoff“ Nahrung reagiert. Vor jeder Ernährungsberatung erfolgen in meiner Praxis verschiedene Blutanalysen auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Ich empfehle eine mediterrane Kost mit wenig Fleisch und tierischen Fetten, viel Gemüse, Obst und Ballaststoffen. Die Lebensmittel sollten aus biologischem Anbau kommen und reich an natürlichen Farben sein. Diese sind wichtige stabilisierende Signalstoffe für unser Erbmaterial, die DNA. Kurz: Essen Sie täglich einen Regenbogen.

Warum empfehlen Sie eine zusätzliche Versorgung mit Nährstoffen? Reicht es nicht, sich gesund zu ernähren?

Die Vitamin- und Mineralstofftherapie ist eine wichtige Säule in meiner ärztlichen Behandlung. Neben oralen Nährstoffpräparaten verabreichen wir auch Infusionen. Durch die industrialisierte Landwirtschaft sinkt der Gehalt an Nährstoffen. Bezüglich des Spurenelements Selen gehört Deutschland zu den Mangelgebieten.

Darüber hinaus besteht bei älteren Personen und Patienten mit Umweltbelastungen und chronischen Erkrankungen ein erhöhter Nährstoffbedarf. Viele Arzneimittel führen bei Langzeiteinnahme zu Nährstoffdefiziten.

Was sollte man grundsätzlich beachten, wenn man Lebensmittel einkauft?

Bei dieser Frage denke ich an die gemeinsame Vortragsveranstaltung mit Karen Duve in der Kulturhalle in Wolfhagen. Frau Duve las aus ihrem Buch „Anständig Essen“. Im Hinblick auf die Tierquälerei in der Massentierhaltung, Pestizid- und Antibiotikaeinsatz in der modernen Landwirtschaft schreibt sie: „Wenn der Skandal alltäglich ist, bedeutet das, dass unser Alltag ein Skandal ist und das etwas grundsätzlich falsch ist an der Art, wie wir leben.“

Hieraus leite ich ab, dass wir beim Lebensmittelkauf darauf achten, dass wir besonders auch unsere regionalen Bio-Bauern unterstützen und das die Produkte frei von Konservierungsstoffen sowie künstlichen Farb- und Aromastoffen sind, denn diese führen bei sensiblen Personen zu Allergien und sogar Verhaltensstörungen (zum Beispiel: Hyperaktivität, ADHS). Ich selbst versuche, Produkte mit Palmöl zu meiden, da bei der Herstellung Urwaldregionen zerstört werden und der Lebensraum von Menschenaffen sowie zahlreichen Pflanzen- und Tierarten immer weiter eingeschränkt wird.

Ein weiterer Tipp: Meiden Sie Getränke in Plastikflaschen und kaufen Sie möglichst wenige Produkte in Weichplastikverpackungen, denn diese enthalten Substanzen, die unseren Hormonhaushalt stören.

Welche Ernährung empfehlen Sie Patienten, die bereits an Krebs erkrankt sind?

Ich empfehle meinen Krebspatienten eine antientzündliche mediterrane Kost. In meinem Buch „Krebs ist eine Umweltkrankheit“, das sich an Gesunde und Menschen mit Krebs richtet, gebe ich die folgenden sieben Basisratschläge zur Ernährung: fleischarm und keine Kuhmilchprodukte, fischreich (Omega-3 Fettsäuren), zuckerarm, viel Brokkoli, Curcuma, grüner Tee, farbige Pflanzeninhaltsstoffe wie Polyphenole, Lycopen und Anthocyane, allergene Nahrungsmittel meiden zum Beispiel keine Kiwi (hohes allergenes Potenzial), keine Grapefruit (blockiert Entgiftungsvorgänge). Alle Nahrungsmittel sollten aus biologischem Anbau kommen.

Zucker, Fett und Salz reduzieren

Fertigprodukte stehen schon länger in Verdacht dick zu machen und sogar für ein erhöhtes Krebsrisiko zu sorgen. Derzeit sind laut dem Bundesministerium für Ernährung in Deutschland 47 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer übergewichtig. Fast ein Fünftel der Erwachsenen ist sogar adipös, also krankhaft übergewichtig. Bei Kindern und Jugendlichen sind 15 Prozent übergewichtig. Besonders Bewegungsmangel und einseitige, kalorienreiche Ernährung können laut Ministerium das Risiko für Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) erhöhen und wiederum die Entstehung von nicht-übertragbaren Krankheiten begünstigen.

„Wir wollen die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas und von damit einhergehenden Krankheiten in Deutschland senken. Ein zentraler Baustein, um dieses Ziel zu erreichen, ist unsere Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie“, so Bundesernährungsministerin Julia Klöckner. Dabei geht darum, in Kooperation mit der Nahrungsmittelindustrie Zucker, Fette und Salze in Fertigprodukten zu reduzieren. Stattdessen sollen sie ausreichend Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe enthalten.

Ziel der Strategie ist es, die Reduktionsmaßnahmen bis Ende 2025 umzusetzen. Das heißt, dass neben der Reduzierung von Zucker um mindestens 20 Prozent in Frühstückscerealien für Kinder, auch in Erfrischungsgetränken und Kinderjoghurts mindestens 15 beziehungsweise zehn Prozent weniger Zucker enthalten sein dürfen.

Außerdem wurde eine Vereinbarung mit dem Bäckerhandwerk zur Reduktion von Salzspitzen im Brot und eine Selbstverpflichtung zur Salzreduktion in Fertigpizzen getroffen. Kenntnisse zur Reduzierung von Zucker, Fetten und Salz sollen auch in der Aus- und Fortbildung im Lebensmittelhandwerk fest verankert sein.

Mit Beginn des Jahres 2019 startete die Umsetzung des Konzeptes. Bis zum Jahr 2025 wird diese durch ein engmaschiges Monitoring überwacht.

Quelle: Bundesministerium für Ernährung

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