Selbst im Urlaub immer auf der Pirsch

Ungewöhnliche Sammlung: Steinmetz Uwe Bächt besitzt 120 Grabsteine

Jäger und Sammler: Steinmetzmeister Uwe Bächt in Gesellschaft einiger seiner schönsten Stücke: Das Grabmal für August Krieg hat ein reich mit Ornamenten und Symbolen geschmücktes Kreuz, das auf einem als Fels gearbeiteten Sockel thront. Der Elbenberger sammelt die Steine, weil er von der Handwerkskunst seiner Kollegen aus längst vergangener Zeit fasziniert ist und sie erhalten will. Fotos:  Norbert Müller

Elbenberg. So manchen Wanderer mag's beim Vorbeigehen durchaus schon ein wenig gegruselt haben, sagt Uwe Bächt und lächelt verschmitzt.

Eine mit Grabsteinen dekorierte Hofeinfahrt ist halt nicht jedermanns Sache. Bächts Besucher werden von alten Kreuzen, Obelisken, gar von einem mannsgroßen Heiland empfangen, der behütend seine Arme ausbreitet.

Handwerkliches Meisterstück: In Züschen hat Bächt diesen Stein aus dem Jahr 1887 in Stücken ausgegraben, zusammengefügt, Fehlstellen ersetzt und nachgearbeitet.

Nein, er habe keine seltsamen Neigungen, versichert der 52-jährige Elbenberger. Unter Steinmetzen sei es allerdings gar nicht so ungewöhnlich, sagt Bächt, selbst Meister der Zunft. Er räumt aber ein, dass seine Sammelleidenschaft auch in der eigenen Branche schon besonders ausgeprägt ist. Immerhin hat er es mittlerweile auf gut 120 Exemplare gebracht, die er über mehr als zwei Jahrzehnte zusammengetragen hat.

„In den vergangenen Jahren sind nicht mehr so viele dazugekommen“, sagt Bächt, „weil man endlich begriffen hat, dass die alten Grabmale kunsthistorischen Wert haben“. Das war zu Beginn seiner Sammelaktivitäten noch anders. Bächt erinnert sich an einen privaten Besuch in Salzwedel. Dort war zur gleichen Zeit ein großes Aufräumen auf dem Friedhof angesagt. „Mit einem Bagger haben die die Steine zu einer Riesenhalde zusammengeschoben. Die sollten alle in den Schredder.“ Ehe die Steinmetzarbeiten zu Schotter verarbeitet wurden, holte sich der Elbenberger „an die 40 Stücke“ aus der Zeit um die Jahrhundertwende mit mehreren Anhängerfuhren in die Heimat.

Selbst im Urlaub war Bächt immer auf der Pirsch. „Auf den Friedhöfen gab es immer Ecken, wo alte Grabsteine rumlagen.“ Und er hat sie gefunden. „Ich habe dann nachgefragt und eigentlich immer ein bis zwei Steine aus dem Urlaub mitgebracht.“ So hat er ein Exemplar beispielsweise von Fehmarn, gut 100 Jahre alt, auch vier Namenstafeln von einem alten deutschen Totenhof in Chile.

Der Markt ist tot 

„70 bis 80 meiner Steine sind von Ebay“, sagt Uwe Bächt. Der Markt im Internet sei inzwischen aber so gut wie tot. Das habe auch damit zu tun, dass in vielen Städten Patenschaften für alte Grabmale vergeben werden.

Obelisk mit Geschichte: 1886 angefertigt für Georg Held.

Wenn Bächt heute seine Sammlung erweitern kann, dann hat er es der Vermittlung von Kollegen zu verdanken oder dem Zufall. Auf dem Weg zu Baustellen entdeckt er auch heute noch hin und wieder auf Privatgelände einen alten Stein, und wenn es gut läuft, schafft er es mit Geduld und guten Worten, die Eigentümer davon zu überzeugen, dass der Stein in seiner Sammlung gut aufgehoben ist. In solchen Fällen erfährt er hin und wieder auch die Geschichte hinter dem Grabmal. So, wie bei einem Stein aus Martinhagen, der für Zwillinge angefertigt wurde, die um 1800 an einer Seuche starben.

Bei anderen Steinen gibt es den Hinweis gar eingemeißelt. Den auf den Hausierer etwa, der bei einem Streit unglücklich fiel und dabei zu Tode kam. Der Verantwortliche stiftete als Teil der Sühne den Grabstein. Und das Schicksal von Georg Held. Er starb bei einer Eisenbahnkatastrophe im Jahr 1886 bei Würzburg. Der schwarze Obelisk, der lange über dessen Grab stand, wartet nun auf Bächts Anwesen darauf, in einer Dauerausstellung, die der Steinmetz plant, präsentiert zu werden.

Schlummern im Depot 

Bis dahin schlummern die meisten alten Schätze eingelagert in Schwerlastregalen in Bächts Depot für aus Stein gemeißelte Begräbniskultur, einem Ort, der wirklich keinen Anlass zum Gruseln gibt.

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