Unkraut im Topf - Tanja Tempel kocht mit Wildpflanzen

Umgeben von Unkraut: Tanja Tempel hat einen großen Garten – und in dem wachsen auch Giersch und Brennnessel, die sie gern für Salate oder andere Gerichte nutzt. Foto:  Renner

Zierenberg. Schon als Jugendliche hat sie gern alles probiert, was im Garten wächst. Längst hat Tanja Tempel ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Die Wildkräuter-Pädagogin bietet regelmäßig Koch-Seminare rund ums Thema Unkraut an. Denn das ist nicht nur lecker, sondern auch besonders gesund, sagt die Zierenbergerin.

Derzeit ist die beste Zeit, Unkraut zu pflücken. „Zwischen April und Juni sind die Pflanzen besonders zart“, sagt die Expertin. Generell sei es aber das ganze Jahr über möglich, Wildkräuter zu sammeln. Am Waldrand, auf Wiesen und Brachen stehen viele Pflanzen, die sich zum Verzehr eignen. „Man sollte aber ein Buch über essbare Pflanzen mitnehmen, um die essbaren Pflanzen zu erkennen.“ Denn es gibt auch so manches Kraut, das giftig ist. Beispielsweise der Aronstab, der am Waldrand wächst. Auch Pflanzen mit gefiederten Blättern sollte man meiden, rät sie.

Nicht sammeln sollte man Unkraut an Äckern, denn dort könnte es gespritzt worden sein. Tempel rät auch von Pflanzen ab, die an viel befahrenen Straßen wachsen. Oftmals ist keine lange Wanderung nötig, um essbares Unkraut zu finden. Der Gang in den eigenen Garten genügt meist schon. „Giersch beispielsweise ist verhasst, aber unheimlich lecker“, sagt die Natur- und Landschaftsführerin. Brennnesseln hätten einen besonderen Eigengeschmack, seien aber ebenfalls sehr lecker. Gundermann habe ein starkes Aroma und eigne sich gut als Gewürz oder zum Aromatisieren von Getränken, sagt die 32-Jährige.

Reich an Nährstoffen

Viele eigene Rezepte hat Tanja Tempel in den vergangenen Jahren entwickelt. Und immer wieder probiert sie Neues aus. Längst weiß sie, dass Gänseblümchen nicht besonders ergiebig sind und sich deshalb eher als Deko eignen und dass sich Knospen vom Löwenzahn einlegen lassen.

Oft kocht die verheiratete Mutter einer zweijährigen Tochter mit Unkräutern. „Das ist viel gesünder als gekaufte Produkte.“ Denn beispielsweise Salate hätten durch Züchtungen viele Inhaltsstoffe verloren. In Wildkräutern seien diese noch enthalten. „Auch die Nährstoffdichte ist höher“, sagt sie. „Brennnesseln können bis zu 20 Prozent Nährstoffgehalt haben. Man sollte sie also nicht unterschätzen.“ Gewöhnen müsse man sich allerdings an die Bitterstoffe, die seien in vielen Wildkräutern enthalten.

Sammeln dürfe man Pflanzen nicht in Naturschutzgebieten, macht sie deutlich. Auch geschützte Arten wie die seltene Echte Schlüsselblume, die am Dörnberg vorkommt, sind Tabu. „Man sollte die Natur respektieren und naturgerecht Pflanzen sammeln.“ Dazu gehöre auch, nicht alles auszureißen.

Weitere Infos und Seminare, die Tempel anbietet, gibt es auf www.naturpur- naturerlebnisse.de

Von Julia Renner

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