Keine Einigung

Gespräche mit GNH-Chef Sontheimer gescheitert: Geburtshilfe schließt

Wolfhagen. Die Geburtshilfe an der Wolfhager Klinik wird am Freitag geschlossen. Wie Dr. Gerhard M. Sontheimer, Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH), zu der auch die Wolfhager Klinik gehört, am Donnerstag bestätigte, wird der Leitstelle mitgeteilt, dass das Wolfhager Krankenhaus ab dem 1. Februar keine Schwangeren mehr zur Entbindung aufnehmen wird.

Bis zuletzt hatte man noch versucht, den GNH-Chef umzustimmen. Sontheimer bestätigte, dass er am Donnerstag noch ein Gespräch unter vier Augen mit Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake hatte, und auch mit Landrat Uwe Schmidt habe er telefoniert. Schmidt teilte später mit: „Für mich ist das Tischtuch mit Herrn Dr. Sontheimer zerschnitten.“ Der GNH-Chef erklärte, dass ihn diese Aussage sehr erstaunt habe.

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Artikel wurde am 31.01.14 um 7:30 Uhr aktualisiert.

„Eine Zäsur hat es nicht gegeben.“ Allerdings: Zentrale Probleme habe man bislang nicht zufriedenstellend lösen können. Die Klinik habe für die Geburtshilfe bislang nicht ausreichend qualifiziertes Personal finden können und sich mit Aushilfen aus anderen Häusern über Wasser gehalten. Die von den drei Belegärzten Ende vergangenen Jahres zu Recht angemahnten Leitlinien könne man so auf Dauer nicht einhalten. Zusammen mit einem neu zu bauenden Operationssaal für Notfall-Kaiserschnitte neben dem Kreißsaal käme man auf Kosten von etwa einer halben Million Euro.

Für einen Fortbestand der Geburtshilfe müssten drei Punkte erfüllt sein: „Das Personal muss in erforderlicher Zahl vorhanden sein, die Finanzierung muss klar sein“ und schließlich müsste gesichert sein, dass die Belegarztpraxis auch in den kommenden zehn Jahren bestehe, andernfalls würde sich der Bau des Sectio-OP nicht rechnen. Sontheimer machte deutlich, dass er für weitere Gespräche zur Verfügung stehe. Auch wenn heute die Geburtshilfe abgemeldet werde, bedeute das nicht, dass man sie unter den genannten Voraussetzungen nicht wieder aufnehmen könne.

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Der Landrat hat sich oft genug den Vorwurf anhören müssen, sich nicht mit aller Macht für den Fortbestand der Geburtshilfe in der Wolfhager Klinik einzusetzen. Einen Tag vor dem Schließungstermin hat sich Uwe Schmidt nun ungewohnt deutlich zu Wort gemeldet. „Für mich ist das Tischtuch mit Herrn Dr. Sontheimer zerschnitten“, erklärte Schmidt nach den Gesprächen zur Rettung der Geburtshilfe im Kreiskrankenhaus Wolfhagen. Er habe in den vergangenen Wochen versucht, mit allen Beteiligten eine Lösung zur Aufrechterhaltung der Geburtshilfe am Standort Wolfhagen zu erreichen.

„Die Gespräche waren konstruktiv, und wir haben uns so angenähert, dass eine Zukunft für die Geburtshilfe erreichbar gewesen wäre“, so der Landrat. Leider habe der Vorstandsvorsitzende der Gesundheit Nordhessen Holding das Scheitern aller Kompromissversuche „billigend in Kauf genommen“. Sowohl die Belegärzte der Gynäkologie wie auch die Stadt Wolfhagen hätten sich bewegt und konstruktive Vorschläge gemacht. Schmidt: „Ich hätte diesen Weg zur Kompromissfindung gern weiter unterstützt – ohne die Bereitschaft von Dr. Sontheimer an einem Kompromiss mitzuarbeiten, sehe ich hier allerdings keine Möglichkeiten“. Der gescholtene Dr. Gerhard M. Sontheimer reagierte verwundert auf die Vorwürfe Schmidts. „Ich werde bezahlt, um die wirtschaftliche Variante zu finden“, erklärte er. Um in der Klinik eine leitliniengerechte Geburtshilfe zu ermöglichen, müsse man pro Jahr mit zusätzlichen 400.000 Euro kalkulieren. Dazu Investitionen in Höhe von 100.000 Euro für den Kaiserschnitt-OP und 40.000 Euro für eine Trennung von der restlichen interdisziplinären Station. Leitlinien geben Sicherheit, sagt Sontheimer. Bei einem Todesfall in einem großen Krankenhaus wie dem Klinikum, „ist die Aussage einfach: Es waren alle Fachkräfte da, es war schicksalhaft. Aber in einem kleinen Haus wird es dann schwierig.“

In Wolfhagen gehe es auch um eine politische Entscheidung. „Wenn man eine Geburtshilfe mit rund 250 Geburten pro Jahr will, dann geht das nur, wenn man sie subventioniert“, erklärt der GNH-Chef. Man müsse jemanden finden, der sagt, „wir schießen zu“. Das könne die Kommune oder auch das Land sein. Sontheimer weiter: „Wenn man den Knoten durchschlagen möchte, dann muss es ein konkretes Angebot geben.“

Von Norbert Müller

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