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Verstorbener aus Kreis Kassel mit Online-Shop

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Von: Bea Ricken

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Fakeshop: Vermeintliche Schnäppchen locken Kunden auf die betrügerische Webseite. Wer bestellt und per Vorkasse bezahlt, sieht weder sein Geld wieder, noch erhält er Ware.
Fakeshop: Vermeintliche Schnäppchen locken Kunden auf die betrügerische Webseite. Wer bestellt und per Vorkasse bezahlt, sieht weder sein Geld wieder, noch erhält er Ware. © Ricken, Bea

Love-Scamming, Enkeltrick, der falsche Polizeibeamte, Internetbetrug und andere Straftaten nehmen immer mehr zu. Wir klären in Zusammenarbeit mit der Polizei auf und geben Tipps zur Prävention.

Kreis Kassel – Beim ersten Anruf glaubt die 81-Jährige aus dem Kreis Kassel noch an einen Zufall: Ein Mann meldet sich und will bei ihr einen Rasenmäher kaufen. Er habe diesen in ihrem Onlineshop gesehen und möchte per Anruf auf Nummer sichergehen. Die Seniorin hat natürlich keinen Shop und ist perplex. Seitdem klingelt jeden Tag das Telefon. Immer wieder beteuert sie, nichts mit dem Onlinehandel zu tun zu haben, teilweise wird sie beschimpft. Die Anrufer verlangen immer wieder ihren seit sieben Jahren verstorbenen Ehemann zu sprechen.

Auf Anraten ihrer Tochter fragt die Seniorin einen der Anrufer nach dem Namen des angeblichen Onlineshops. Die Internetrecherche der Tochter hat schnell Erfolg. Tatsächlich gibt es einen Online-Shop und als Eigentümer taucht im Impressum die Adresse und der Name des Verstorbenen auf. Ein Fall von Identitätsdiebstahl.

„Betrüger, meist aus dem Ausland, nutzen deutsche Adressen, um Seriosität vorzutäuschen“, erklärt Aniane Emde von der Abteilung Internetprävention in Kassel. Die Internetseite sei gut gemacht und die Preise der Artikel rund um Haus und Garten verlockend günstig.

Als Zahlungsmethode ist neben Vorkasse auch ein Rechnungskauf möglich. Hat der Käufer die Bestellung getätigt, taucht plötzlich nur noch die Möglichkeit auf, per Vorkasse zu zahlen. Wer überweist, ist sein Geld los.

„Waren Fake-Shops zum Beispiel bisher an holprigen Formulierungen und unvollständigen Kontaktdaten zu erkennen, sind sie inzwischen oft sehr professionell gestaltet“, so Aniane Emde von. Für das Impressum würden die Täter zunehmend gestohlene reale Daten verwenden. Das mache es Verbrauchern immer schwerer, unseriöse Angebote zu erkennen. Gleichzeitig steige das Risiko, Opfer von Datenmissbrauch zu werden.

Für die 81-jährige Seniorin geht der Albtraum weiter. Inzwischen haben die Betrüger die Produkte gewechselt und bieten Smartphones, Uhren und Fernseher an. Die ersten Einschreiben von geprellten Kunden kommen bereits bei ihrer Adresse an. Inzwischen wird auf mehreren Seiten vor dem betrügerischen Fakeshop gewarnt.

Warum Fakeshops mitunter so lange online sind? „Zunächst einmal müssen entsprechende Straftaten angezeigt werden, sodass die Strafverfolgungsbehörden eine Handlungsgrundlage haben. Da die Server dieser Shops in der Regel im Ausland stehen, bedarf es oftmals internationaler Rechtshilfeersuchen“, so Emde. Da neben den Fakeshops mitunter auch die Server von Cybertätern der sogenannten underground economy betrieben würden, sei das Schließen solcher Shops langwierig. Unterdessen ziehen manche Betrüger weiter und missbrauchen eine neue Identität. (Bea Ricken)

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