1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen

Viel Geduld ist notwendig

Erstellt:

Von: Bernd Schünemann, Norbert Müller

Kommentare

das Naumburger Storchenpaar auf dem Horst.
Geprüft und für gut befunden: das Naumburger Storchenpaar auf dem Horst. Allerdings ist die Sorge derzeit groß, dass die Störche wegen des unsensiblen Verhaltens mancher Schaulustiger, den Nistplatz wieder aufgeben könnten. © Norbert Müller

Über die Rückkehr der Störche in unsere Region freuen sich viele Menschen. Das wird auch daran deutlich, dass ihnen der Weg erleichtert werden soll

Kreis Kassel – In einer Reihe von Orten im Kreis Kassel stehen Nisthilfen für eine Brut bereit. Die wurden zum Teil in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde aufgestellt, um die Rückkehr zu erleichtern.

Manchmal ist allerdings viel Geduld notwendig. Das wurde in diesem Jahr zum Beispiel in Ehrsten und in Eberschütz deutlich. In beiden Orten hatten Storchenpaare die Nisthilfen vermeintlich bezogen und auch an den Nestern gebaut. Allerdings zogen die Vögel nach mehreren Tagen wieder ab.

Das hatte Jennifer Best im vergangenen Jahr auch aus Lippoldsberg berichtet. In diesem Jahr brüten die Störche auf dem Kunsthorst am Wohnmobil-Stellplatz.

An der Weser befindet sich auch der zweite Kunsthorst

Besetzt ist in dem Ort an der Weser auch der zweite Kunsthorst – allerdings von Gästen, die nicht immer gern gesehen sind. Auf dem brüten wieder Nilgänse, berichtet die Lippoldsbergerin. Im vergangenen Jahr sei es spannend gewesen, zu beobachten, wie die jungen Gänse aus etwa 13 Metern Höhe herunterspringen mussten, um ihr Nest zu verlassen.

Dass Störche Nester besetzen, es dann aber nicht zur Brut kommt, ist nicht ungewöhnlich. Dabei handelt es sich zumeist um junge, unerfahrene Paare. Die Vögel können künftig zurückkehren und die Nisthilfen beziehen.

So wie mutmaßlich in Lippoldsberg. Jennifer Best geht davon aus, dass die beiden Brutvögel die sind, die im vergangenen Jahr einen Brutversuch gestartet hatten. Weil sie 2021 noch zu jung waren, blieb der erfolglos. Best sagt, sie könne die Vögel mit einem Fernglas an individuellen Einkerbungen am Schnabel wiedererkennen.

Aufgestellter Mast in Vernawahlshausen ist mit Nisthilfe besetzt

Auch im Nachbarort Vernawahlshausen freut man sich, dass der 2018 vom Heimatverein aufgestellte Mast mit Nisthilfe besetzt ist, berichtet Hartmut Koch. Auch dort unterstützte die Naturschutzbehörde das Projekt und förderte den Aufbau. „In den vergangenen Jahren waren mehrfach Störche im Ort auf Besuch“, berichtete Koch.

Sie hätten sich jedoch nicht niedergelassen. In diesem Jahr ist aus dem Besuch eine Brut geworden. Nach seinen Worten ist es die erste Storchenbrut in Vernawahlshausen überhaupt. Koch berichtet auch von einem Landwirt, der seinen Acker bearbeitete. Anschließend seien fünf Störche auf dem Feld gewesen und hätten „jede Menge Mäuse gefangen“. Darüber habe sich der Bauer sehr gefreut.

In Lohfelden haben Beobachter genau hingeschaut und die Ringnummer des beringten Storches abgelesen, berichtet Dieter Werner. Er betreut dort für den Naturschutzbund den Horst. Dabei stellte sich heraus, dass es einer der Vögel ist, die im vergangenen Jahr in der Kasseler Karlsaue den ersten Brutversuch im Kasseler Stadtgebiet unternommen hatten.

Deutlicher Anstieg im Kreisteil Hofgeismar geht auf ein besseres Futterangebot zurück

Werner führt den deutlichen Anstieg im Kreisteil Hofgeismar auf ein besseres Futterangebot zurück. Nach seiner Einschätzung fänden die Vögel an Weser und Diemel leichter Nahrung für sich und ihren Nachwuchs als in anderen Kreisteilen.

Allerdings lebten die Lohfeldener Störche in der Nähe eines reich gedeckten Tischs, berichtet Nabu-Mitglied Werner: Sie holten sich immer wieder Futter aus der Kompostierungsanlage des Landkreises. An der Anlage seien auch die Vögel aus Sandershausen schon beobachtet worden, die sich dort immer wieder bedienten.

Wann im Bereich der Stadt Naumburg letztmals Störche gebrütet haben, ist nicht bekannt. Entsprechend gespannt ist man derzeit in der Stadt an der kleinen Elbe: Dort wurde im vergangenen Sommer ein Horst aufgestellt.

In der Karwoche erstmals ein Storchenpaar gesichtet

In der Karwoche wurde nun dort erstmals ein Storchenpaar gesichtet, dem die Nisthilfe ganz offensichtlich auch zusagt. Die Ankunft der Störche hat sich schnell rumgesprochen, groß ist das Interesse, einen Blick auf das Paar zu werfen.

Und genau das wird zunehmend zum Problem. Mittlerweile sind nicht nur verstärkt Radfahrer und Spaziergänger in Horstnähe unterwegs, sondern zunehmend befahren Schaulustige auch mit Autos den nahen Feldweg.

Gerade wurde von mehreren Fahrzeugen berichtet, die direkt in Horstnähe parkten, die Fahrer seien dann gemeinsam mit Hunden bis direkt an die Nisthilfe marschiert.

Sorge, dass durch Störungen der Kraftfahrzeuge die Storchenpaare vertrieben werden könnten

Die Reaktion des Storchenpaares ist bislang bei Störungen durch Kraftfahrzeuge der Flug an einen ruhigeren Platz in der Gemarkung.

Die Sorge sei aber mehr als berechtigt, sagt der Naumburger Hobby-Ornithologe Burkhard Dux, dass auf diese Weise das Storchenpaar gänzlich vertrieben werden könnte.

Dux rät Besuchern dringend dazu, einen Abstand von 150 Metern zum Horst einzuhalten. (Bernd Schünemann / Norbert Müller)

Auch interessant

Kommentare