Tückischer Westwind

Wolfhager Modellflugtage:Viele Maschinen mussten am Boden bleiben

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Kam mit seinem ferngesteuerten Hubschrauber zu den Modellflugtagen: Carsten Pretzer aus Volkmarsen.

Die Sonne knallt, gefühlt ist es nahezu windstill. Beste Voraussetzungen für die rund 40 Teilnehmer der zehnten Wolfhager Modellflugtage - oder doch nicht? Tatsächlich trauten sich viele Besucher nicht, ihre Maschinen zu starten. 

„Der Schein trügt“, weiß Ralf Vialon und erklärt, warum die Piloten am Samstagmittag so verhalten sind und den Besuchern ihre Maschinen lieber am Boden präsentieren. „Wir haben Westwind, das bedeutet besonders schwierige Bedingungen, vor allem bei den Landungen“, sagt der Wolfhager, der seit vielen Jahren für die veranstaltende Luftsportvereinigung Wolfhagen als Flugleiter tätig ist. Er selbst macht gerade seinen Viper-Jet startklar, der nämlich hat so viel Power, dass Vialon keine Probleme sieht. 

Einige Modelle kosten so viel wie ein Kleinwagen 

Wäre er sich unsicher, würde er den Luftflitzer garantiert am Boden lassen, immerhin bewegt sich der in den Anschaffungskosten locker in der Liga eines Kleinwagens. Obwohl es sich bei dem Modell um einen sogenannten ARF (almost ready to fly) Bausatz handelt - also ein Flugzeug, das vor dem ersten Start ohne sonderlich viele Vorarbeiten auskommt - hat Vialon doch gut und gerne 40 bis 50 Arbeitsstunden investiert.

Nachbau der Royal Airforce

Zahlen, über die Harro Steube aus Gudensberg nur müde schmunzeln kann. Der 78-Jährige ist noch ein Modellflieger der alten Schule, seit über fünf Jahrzehnten dabei und immer ein Freund von Tüfteleien gewesen. „Als ich damals angefangen habe, hat man noch wirklich richtig gebaut, Fertigbausätze gab es da fast noch gar nicht“, erinnert sich der rüstige Rentner, während er am Rande des Flugplatzes seine alte Tiger Moth zusammenbaut, die schon unzählige Flugstunden auf dem Buckel hat. 

„Es ist der Nachbau eines Schulungsfliegers der Royal Airforce aus den 1930-Jahren, sehr beliebt unter Modellfliegern, da sie besonders leicht in der Handhabung ist.“ Sie sei so stabil in sich und fast ein bisschen träge, dass sie sich ganz wunderbar fliegen lasse. Insgesamt sechs Exemplare des Klassikers habe er gebaut, ganz einfach, weil er so fasziniert von diesem Flugzeugtyp sei. „Man muss die Motte einfach schön finden, sie fliegt mit ihrem Getriebemotor so herrlich langsam, dass man im Anflug die Drehzahl praktisch mitzählen kann.“ 

Immer wieder sei es ein erhebendes Gefühl, sie durch die Luft gleiten zu sehen, bei ungünstigen Wetterbedingungen aber lasse er sie lieber am Boden, so auch bei tückischem Westwind wie am Graner Berg, da sein Schätzchen aufgrund der großen Flächen während der Landung dazu neige, umzukippen oder einen Kopfstand zu machen, und das wolle er vermeiden.

Achtjähriger ist jüngstes Mitglied

Auf Nummer Sicher geht auch Ralf Vialon, der seine zwei ganz großen Jets deshalb gleich ganz zuhause gelassen und lediglich seinen kleinen Viper-Jet mitgebracht hat. Sohnemann Luca hilft ihm bei den Flugvorbereitungen. Der Achtjährige ist das jüngste Mitglied der Luftsportvereinigung und ist sich schon jetzt sicher: „Irgendwann will ich auch mal so eine große Maschine wie mein Papa haben, weil sie nicht nur schön ist, sondern noch dazu besonders schön fliegt.“

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