Virtueller Spaziergang durch ein vergessenes Dorf

Standort einer Schule in Balhorn: An der Ecke Im Tor/Fritzlarer Straße gegenüber der evangelischen Landeskirche wurden früher Kinder unterrichtet.

Balhorn. Mit einer solchen Resonanz hatten die Verantwortlichen des Balhorner Kulturvereins 2000 nicht gerechnet.

Fast 100 Besucher aus dem Bad Emstaler Ortsteil waren ins Dorfgemeinschaftshaus gekommen, um mit Hobby-Heimatforscher Harald Viereckt einen virtuellen Spaziergang durch ein längst vergessenes Dorfbild zu unternehmen.

In der zweistündigen Exkursion erzählte Harald Viereckt in seiner Zeitreise nicht nur in Momentaufnahmen geschichtliche Fakten seiner Heimatgemeinde, sondern dokumentierte diese auch durch viele historische Fotoaufnahmen und stellte diese der heutigen Bebauung gegenüber.

Als Schwerpunktthemen seines Dia-Vortrags hatte sich Harald Viereckt der Geschichte der Balhorner Schule von 1618 bis 1843, dem Bau der Gaststätte Reitze, dem Alten Brauhaus und dem Alten Rathaus gewidmet. Der Heimatforscher: „Bereits 1618 wurde durch eine Verordnung des damaligen Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel (1572 bis 1632) in Balhorn Schulunterricht für Knaben angeboten.“ Die schulischen Räumlichkeiten waren in den Folgejahren in unterschiedlichen Gebäuden untergebracht, 1843 wurde dann eine neue Schule gebaut. Meistens hatten die örtlichen evangelischen Pfarrer, 1523 kam der erste in den Ort, die Lehrertätigkeit übernommen. Die Ortsgeistlichen waren es auch, die akribisch eine Aufstellung über das Schulmobilar erstellten und die Schäden nach dem Dreißigjährigen Krieg dokumentierten.

Das urkundlich erstmals 774 als „Villa Balahorna“ in einer Schenkungsurkunde an das Stift Hersfeld erwähnte Dorf erhielt 1340 von Landgraf Heinrich II die Stadtrechte und auch die Gerichtsbarkeit über mehrere Umlandgemeinden. Als äußeres Zeichen des neuen Status bauten sich die Balhorner ein Rathaus, das gegenüber dem heutigen Autohaus Möller stand und im Jahr 1863 abgerissen wurde.

Der Dorfspaziergang brachte für die meisten Besucher viele neue Details ans Tageslicht, die nicht nur für eine rege Diskussion sorgten, sondern auch den vorgesehenen zeitlichen Rahmen sprengten. Deshalb entschloss sich der Kulturverein, die Veranstaltung noch einmal zu wiederholen. Sie findet am Sonntag, 15. Februar, Beginn 17.30 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus statt. (zih)

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