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Keine Sorge bei Trockenheit: Wasser im Kreis Kassel kommt aus großer Tiefe

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Von: Antje Thon

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Wolfhager Trinkwasser kommt aus der Tiefe: Die Brunnen der Regionalwerke liefern Grundwasser aus mehr als 100 Metern Tiefe. Fehlende Niederschläge haben keine direkten Folgen für die Versorgung. Archi
Wolfhager Trinkwasser kommt aus der Tiefe: Die Brunnen der Regionalwerke liefern Grundwasser aus mehr als 100 Metern Tiefe. Fehlende Niederschläge haben keine direkten Folgen für die Versorgung. Archi © Antje Thon

Sobald es über einen langen Zeitraum keine Niederschläge gibt, steigt die Angst vor einem Engpass bei der Trinkwasserversorgung. Diese Sorge ist im Altkreis Wolfhagen unbegründet.

Wolfhager Land – Trotz bis zuletzt hoher Temperaturen und ausbleibender Niederschläge müssen sich die Bürger keine Sorgen um die Wasserversorgung machen. Das versichert Matthias Boos, Sprecher der Regionalwerke Wolfhager Land GmbH (RWL) im Kreis Kassel, die für diese Aufgabe im Bereich Wolfhagen zuständig ist.

Der heimische Wasserversorger nutzt vor allem Tiefbrunnen zur Wassergewinnung. Der Vorteil: Das Grundwasser in mehr als 100 Metern Tiefe ist nicht direkt vom Wetter an der Oberfläche abhängig. Auch während sehr trockener Sommer, wie es sie in den vergangenen Jahren gegeben hat, bleibt die Menge des verfügbaren Wassers stabil. Das Wasser stammt von Regenfällen, die vor mehreren Hundert Jahren auf die Region niedergegangen und in tiefere Bereiche durchgesickert sind.

Kreis Kassel: Wasser kommt aus der Tiefe

Das verhält sich anders bei Trinkwasser, das aus oberflächennahen Quellen gewonnen wird. Diese Quellen werden von den jahreszeitlichen Schwankungen der Niederschlagsmengen beeinflusst und sind so unmittelbar von Trockenheit betroffen. Nach Wochen ohne Niederschläge liefern sie teils nicht mehr die gewohnte Wassermenge. Die RWL greifen auf Trinkwasser solcher Quellfassungen aber nicht zurück.

Die Pegelstände jedes Brunnens der Regionalwerke werden ständig überwacht. So gewährleisteten die RWL, dass die Entnahme zu keiner Zeit über der vom Regierungspräsidium (RP) genehmigten Menge liege, sagt Boos. Das RP wiederum lege die maximale Fördermenge für private Verbraucher, Unternehmen und kommerzielle Nutzer wie Vitaqua so fest, dass stets genügend Trinkwasser für die Versorgung im Trinkwassernetz vorhanden sei. Die maximal genehmigte Entnahmemenge sei bisher zu keiner Zeit erreicht worden, sagt Matthias Boos.

Kreis Kassel: Gute Wasserversorgung

„Dass wir weniger fördern als erlaubt, darf uns nicht zu einem verschwenderischen Umgang mit dem Trinkwasser animieren. Wasser ist ein wertvolles Gut – auch wenn es nicht knapp ist“, so RWL-Wassermeister Thomas Müller, der damit auch auf die regelmäßig in trockenen Sommern von Bürgern geäußerte Sorge reagiert, wonach das Trinkwasser knapp werden könnte. Der Wasserverbrauch in Wolfhagen liegt seit Jahren sehr stabil bei um die 115 Liter täglich pro Kopf. Zu Beginn der ersten Hitzewellen 2022 sei der Tagesverbrauch teils spürbar angestiegen, habe sich im Verlauf des Sommers aber normalisiert.

Auch in anderen Kommunen des Wolfhager Landes ist es um die Wasserversorgung gut bestellt. Der Wasserbeschaffungsverband Dörnberg, der die Gemeinden Habichtswald und Ahnatal versorgt, schöpft sein Wasser in einer Tiefe von etwa 200 Metern.

Kreis Kassel: Gut gefüllte Brunnen

Die Stadt Naumburg zapft ebenfalls Tiefbrunnen an. „Auch wenn wir noch keine Probleme mit der Versorgung haben, versuchen wir bei der Stadt Wasser zu sparen“, sagt Bürgermeister Stefan Hable. So werde seltener gegossen, die Zeiträume, in denen die Fußballplätze beregnet werden, würden gestreckt. Ganz losgelöst könne man die fehlenden Niederschläge und deren Folgen für das Grundwasser allerdings nicht betrachten, sagt der Rathauschef. Selbst ein zeitlich verzögerter Einfluss, der vielleicht erst in etlichen Jahren, Jahrzehnten oder Jahrhunderten seine Wirkung entfalte, könne irgendwann zum Problem für die Menschen werden. Die vom Regierungspräsidium erlaubte jährliche Entnahmemenge in Naumburg liege bei 243.000 Kubikmetern Wasser. Dieser Wert liege deutlich unter der Schüttmenge der Quellen und sei noch nie erreicht oder gar überschritten worden.

Die seit 2018 zu trockenen Jahre – selbst im vergangenen Jahr reichte die Niederschlagsmenge von 679 Litern pro Quadratmeter nur knapp an den 30-Jahre-Durchschnitt von 717 Liter pro Jahr und Quadratmeter heran (gemessen an der Wetterstation in Schauenburg) – stellen auch die Gemeinde Bad Emstal vor keine Probleme bei der Trinkwasserversorgung. Das bestätigte Bürgermeister Stefan Frankfurth. Die Brunnen seien gut gefüllt. Für zusätzliche Sicherheit sorge eine Ringleitung, über die alle Brunnen verbunden seien. Sollte eine Quelle tatsächlich ausfallen, deckten die übrigen Brunnen die Versorgung in allen Orten ab. Zudem verfüge die Gemeinde über eine Quelle, aus der zwar kein Trinkwasser mehr entnommen werden dürfe. Allerdings nutze man ihr Wasser fürs Gießen im Kurpark und für die Beregnung der Sportplätze. (Antje Thon)

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