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Wen stört die Walnuss?

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Von: Antje Thon

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Sind verärgert wegen wiederholter Sachbeschädigung: Silke Rudolph und Werner Schmidt aus Istha. Mehrfach wurde ein Walnussbaum an ihrer Grundstücksgrenze beschädigt.
Sind verärgert wegen wiederholter Sachbeschädigung: Silke Rudolph und Werner Schmidt aus Istha. Mehrfach wurde ein Walnussbaum an ihrer Grundstücksgrenze beschädigt. © Antje Thon

Ein Paar aus Istha ist verärgert. Ein kleiner Walnuss-Baum wird immer wieder angegriffen. In Wolfhagen werden jedes Jahr mehrere Bäume beschädigt.

Wolfhagen – Der Walnussbaum neben ihrem Grundstück in Istha lässt sich nicht unterkriegen. Das liegt vor allem an Silke Rudolph und Werner Schmidt, die sich um das knapp 20 Jahre alte Gewächs kümmern. Dass ihr Einsatz überhaupt erforderlich ist und die Walnuss nicht einfach ungestört in den Himmel wachsen darf, ärgert beide maßlos. Immer wieder wird der Baum mutwillig beschädigt.

Die Walnuss steht auf städtischem Grund. Früher sei das Bäumchen beim Mulchen im hohen Gras übersehen worden, davon habe es Blessuren davongetragen. Im vergangenen Jahr sei der Baum von einem Schlepper gerammt worden. Rudolph, die früher in einer Baumschule gearbeitet hat und weiß, was zu tun ist, setzte zusammen mit ihrem Lebensgefährten ein Eisenprofil als Stütze in den Boden und band den Baum daran fest. Auch versorgte sie die Äste, an denen die Borke abgeschrammt war. Vor drei, vier Wochen fiel beiden auf, dass jemand allerhand Blätter abgerissen hatte. Das Ganze, so Schmidt, sei vor etwa einer Woche darin gegipfelt, dass eine Person den Terminaltrieb mit einem Werkzeug abgetrennt habe.

Es gibt einen Verdacht

Rudolph kann das destruktive Verhalten nicht verstehen. „Der Baum stört niemanden, er behindert auch niemanden.“ Die einzigen, die einen Nachteil durch die Walnuss haben könnten, etwa dadurch, dass bei entsprechender Größe Schatten auf ihr Grundstück wirft, seien sie selbst.

Das Paar hat einen Verdacht, wer hinter den Sachbeschädigungen stecken könnte. Es überlegt nun, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Nicht wegen der Walnuss, dafür sei die Stadt zuständig, aber wegen weiterer beschädigter Sträucher und Bäume, die ihre Weide einfrieden und zu deren Pflanzung sie als Ausgleich für ein Bauprojekt von der Kommune aufgefordert worden waren. Vor einiger Zeit, so Rudolph, sei ihr Elektrozaun durchtrennt worden, der Pferde davon abhalten soll, die Koppel zu verlassen und auf Wege und Straßen zu laufen.

Wegen beschädigter Bäume entstehen Wolfhagen jährlich 5000 Euro Schaden

Yvonne Neumeier, die bei der Stadt Wolfhagen als Baumkontrolleurin tätig ist, kennt das Problem. Auch sie wird regelmäßig mit Sachbeschädigungen an Bäumen konfrontiert. Häufiger Schauplatz sind die Teichwiesen und die Bruchwiesen in der Kernstadt. Jungbäume würden mutwillig ausgerissen, „weil man seine Kräfte an ihnen ausprobieren will oder sie irgendjemanden stören“, sagt Neumeier. Jährlich fielen für die Stadt, die dann Ersatzpflanzungen vornimmt und bei älteren Bäumen gar mit entsprechender Technik anrückt, Kosten von gut und gerne 5000 Euro an.

Konflikte gebe es ebenfalls am Teichberg. Dort komme es vor, dass Anwohner auch mal selbst zur Astschere greifen, um so für maximale Sonnenausbeute auf ihren PV-Anlagen zu sorgen. „Wenn es aber im Sommer heiß ist, dann werden Autos gerne im Schatten von Bäumen geparkt, damit sich der Wagen nicht so aufheizt.“

Bäume werden für den Klimaschutz immer wichtiger

Neumeier appelliert an die Vernunft der Menschen. Beschädigungen an Bäumen habe es schon immer gegeben. Allerdings habe sich die Zeit dahingehend geändert, dass der Wert eines Baumes mit Blick auf die klimatischen Veränderungen gestiegen sei. Die Städte bräuchten Schattenspender und Feuchtigkeitsspeicher. Sie wünscht sich, dass dies mehr im Bewusstsein der Bewohner ankommt und ein Baum nicht nur als eine Pflanze betrachtet wird, die im Herbst ihr Laub abwirft und Dreck produziert.

Neumeier zieht durchaus in Erwägung, künftig bei mutwilligen Zerstörungen an Bäumen Anzeige zu erstatten. Im Fall der Walnuss in Istha würde es allerdings nichts bringen. Der Baum habe sich selbst ausgesät, der Stadt entstehe also kein finanzieller Schaden.

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