Trio begeistert in der Stadtkirche

„Wildes Holz“ rocken in Zierenberg mit Blockflöte

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Brachten Licht und wilde Soundspielereien in die Stadtkirche: (von links) Djamel Laroussi, Tobias Reisige und Markus Conrads vom Trio „Wildes Holz“.

Ein lautstarkes „Ahhh“ schallt Pfarrer Friedemann Rahn aus den Zuschauerreihen entgegen, als er am Freitagabend in der Stadtkirche in Zierenberg das langersehnte Signal gibt: „Es werde Licht!“

In nie gesehener Brillanz erstrahlen nun die Wandmalereien im Altarraum.

„Das soll nur der Anfang sein“, sagt er und verspricht, dass auch die übrigen Teile der spätmittelalterlichen Bildzyklen, die zu den größten und bedeutendsten in nordhessischen Kirchen zählen, eine Beleuchtung erhalten sollen.

Der Abend könnte dafür ein wichtiger Schritt sein, denn auch die Überschüsse aus dem Auftritt des Trios „Wildes Holz“ sollen weiteres Licht ins alte Gemäuer bringen.

Dass die Musiker selbst dabei ein wenig im Dunkeln stehen und der optische Fokus klar auf dem erstrahlten Raum hinter ihnen liegt, ist nicht weiter schlimm. Die musikalische Brillanz von Tobias Reisige, Markus Conrads und Djamel Laroussi nämlich reicht aus, um alle Blicke und Ohren ihrer Zierenberger Zuhörer auf sich zu ziehen.

Auch wenn die Essener Kombo mit dem „Moretti Swing“ bereits eine gehörige Portion Gelassenheit ins Gotteshaus schickt, lassen die Musiker da höchstens erahnen, wie ernst sie im übrigen Verlauf des Abends ihren Auftrag nehmen werden, die Blockflöte von ihrem spießig-verstaubten Image des ewig nervenden Kinderspielzeugs zu befreien.

Ein wahres Arsenal an Instrumenten hat Reisige dafür mitgebracht, von Sopran- über Tenor- und Alt- bis hin zur Bassflöte hat er alle Versionen am Start, sogar eine Knickblockflöte kommt zum Einsatz auf der wilden Reise durch die musikalischen Genres und Stile, die in der unbändigen Spielfreude des Trios zum großen Ganzen zusammenwachsen. Von der klassischen Hochkultur zu den Niederungen der Popmusik ist es im Programm „Höhen und Tiefen“ nicht weit: Menuett und Madonna trennt nur ein Saiten-Sprung, und eine Blockflöte kann problemlos eine E-Gitarre und eine Rock-Röhre ersetzen.

Geheimnisvoll und vieldeutig klingen die eigenen Titel, die ebenso begeistern wie die gewagten Versionen bekannter Kompositionen aus Klassik, Schlager und Pop. Den studierten Jazz-Musikern gelingt es, selbst harmlosen Chartliedern wie „a-ha“s „Take on Me“ diesen einzigartigen „Wildes Holz“-Zauber einzuhauchen, wenn die Flöten wie Morten Harket zu singen beginnen, Markus Conrads seinen Kontrabass sanft im Arm wiegt wie eine Geliebte und Djamel Laroussi seiner mit edlen Schnitzereien versehenen Gitarre Klänge entlockt, die man so von einer Gitarre nicht kennt.

Der Star aber bleibt immer die Flöte, vor allem in Reisiges starkem Solo, in dem er mittels Loop alles aus seinen Instrumenten herausholt und Spur für Spur zu einem voluminösen Klangspektakel übereinanderlegt, das nur eines zur Folge haben kann: ein lautstarkes, überraschtes „Ahhh“ seiner Zuhörer.

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