Der Wolf ist im Wolfhager Land willkommen

Wolfhager Land. Er gab Wolfhagen den Namen: Der Wolf war einst hier heimisch. Ob er schon zurückgekehrt ist oder erst die Spur in Richtung Wolfhager Land aufgenommen hat, kann niemand so genau sagen.

In den vergangenen Jahren gab es die eine oder andere Sichtmeldung von Spaziergängern, die im Bereich der ehemaligen Wolfhager Kaserne ein wolfsähnliches Tier beobachtet haben wollen. Ob es sich dabei tatsächlich um den Isegrim gehandelt hat, wie er im Märchen genannt wird, oder einen Hund, kann niemand sagen. Auch nicht beim Forstamt.

Theodor Arend

Eine offizielle Sichtung gebe es bisher nicht, sagt Theodor Arend von Hessen Forst. „Aber wenn er kommt, heißen wir ihn willkommen.“ Es sei faszinierend, dass sich ein so seltenes und scheues Tier in einem hochtechnisierten Land mit hoher Bevölkerungsdichte und zerschnittener Landschaft ansiedele. „Damit haben wir nicht gerechnet.“

Natürlich könne es auch Probleme geben. Der reinwüchsige Wolf sei ein Tier, das zwar einer Schafherde gefährlich werden könne, nicht aber dem Menschen. „Er ist scheu und umgeht in der Regel eine Begegnung.“ Anders sehe es mit Hybriden aus. Das sind mit Hunden gekreuzte Wölfe oder auch zahme Tiere, die vom Menschen angefüttert wurden und keine Scheu zeigen.

Die Rückkehr des Wolfes sieht man beim Forstamt als einen Erfolg der naturnahen Waldwirtschaft. „Es ist ja nicht nur der Wolf. Auch Schwarzstorch, Uhu, Wildkatze und Luchs sind in den vergangenen Jahren hier heimisch geworden“, sagt Arend.

„Rechne jederzeit mit Ankunft“

Interview: Wolfsbotschafter Stephan Schmidt achtet in der Region auf Hinweise 

Wolfhager Land. Der Naturschutzbund (NABU) Deutschland hat ein Netzwerk mit mehr als 500 Wolfsbotschaftern aufgebaut, die die Öffentlichkeitsarbeit des NABU zum Wolf ehrenamtlich unterstützen. Die Wolfsbotschafter sind für Menschen in ihrer Umgebung, die Fragen zum Wolf haben, wichtige Ansprechpartner. Stephan Schmidt aus Wolfhagen ist einer von ihnen.

Herr Schmidt, Sie sind seit 2012 Wolfsbotschafter. Welche Funktion haben Sie? 

Stephan Schmidt: Sachlich über den Wolf zu informieren und Wolfshinweise wie zum Beispiel Fährten, Kot und Risse an die Experten weiterzuleiten. Diese ehrenamtliche Tätigkeit ist Teil des Aktionsplans Wolf vom NABU. Ziel ist der Aufbau eines Netzwerkes von Ehrenamtlichen, die sich in der Öffentlichkeit für den Wolf einsetzen.

Wann kommt der Wolf wieder in der Region an? 

Schmidt: Das kann jederzeit passieren.

Haben Sie selbst schon mal einen Wolf in freier Wildbahn gesehen?

Schmidt: Nein, im Zuge von Fortbildungsmaßnahmen des NABU in Sachsen sowie Niedersachsen konnte ich bisher leider nur die Hinterlassenschaften wie Kot, Fährten und Nahrungsreste als Hinweise auf die Anwesenheit des Wolfes finden.

Muss man als Spaziergänger vor dem Wolf Angst haben? 

Schmidt: Nein, Wölfe die nicht provoziert oder angefüttert werden, stellen für den Menschen in der Regel keine Gefahr dar.

Was sagen Sie Landwirten und Schäfern, die sich Sorgen um ihre Tiere machen? 

Schmidt: Frühzeitig über sinnvolle Herdenschutzmaßnahmen informieren und beraten lassen. Diese Informationen gibt es über den NABU oder den Landesbetrieb Hessen. Im Internet können dazu auch Informationen aus anderen Bundesländern abgerufen werden.

Wie sollte man sich bei einer Wolfsbegegnung verhalten? 

Schmidt: Bleiben Sie ruhig stehen und lassen den Wolf seines Weges ziehen. Haben Sie einen Hund dabei, nehmen sie ihn an die Leine.

Was wünschen Sie sich persönlich für den Wolf? 

Schmidt: Das wir es schaffen, mit diesem Wildtier eine Möglichkeit des Zusammenlebens zu finden.

Seit 1279 im Siegel

Wolf soll Holzschäler überrascht haben 

Das Wappen der Stadt Wolfhagen zeigt in Gold auf grünem Boden einen schwarzen Wolf, der zwischen drei grünen Eichbäumen springt. Laut Wolfhager Heimatforscher Richard Mangold existiert die Legende, dass Holzschäler bei ihrer Arbeit von einem Wolf überrascht worden seien. Das muss allerdings schon sehr früh gewesen sein. Im Jahr 1279 taucht der springende Wolf erstmals in einem Siegel der Stadt auf.

Der Lehrer und Bildhauer Helmut Wiedeweg setzte dem Wolf 1965 ein Denkmal. Die Steinskulptur begleitete den Viehmarktsumzug auf einem Wagen und fand dann ihren endgültigen Standort am Hospitalsplatz.

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