69 Fälle mehr als im Jahr 2015

1270 Delikte: Im Wolfhager Land sind Straftaten gestiegen

Wolfhagen. Auch wenn die Zahl der Straftaten im Wolfhager Land im Jahr 2016 um 69 auf 1270 gestiegen ist, so ist der Wolfhager Polizeichef Volker Pieper dennoch mit der Aufklärungsquote von 62,26 Prozent (im Jahr 2015 waren es 60 Prozent) zufrieden.

„Das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Polizei ist spürbar“, so der Erste Polizeihauptkommissar Volker Pieper im Gespräch mit der HNA.

Die Menschen seien sehr sensibilisiert und würden in Verdachtsfällen die Polizei alarmieren. Pieper zollt seinem Team der Wolfhager Polizeistation hohe Anerkennung. Die Sanierung und Entkernung der Wache im Herbst sei mehr als gerechtfertigt, um ein entsprechend gutes Umfeld für die Mannschaft zu schaffen.

Im gesamten Landkreis Kassel wurden im vergangenen Jahr mehr Straftaten begangen: 7445, das sind 169 Fälle mehr als im Jahr 2015 (7276). Der Höhepunkt der Straftaten im Zeitraum zwischen 2012 und 2016 im gesamten Landkreis war im Jahr 2014. Da wurden 8200 Straftaten begangen.

Im ersten Halbjahr sei die Lage in der Flüchtlingsunterkunft in der Pommernanlage schwierig gewesen. Die Polizei in Wolfhagen hatte zum Teil erhebliche Straftaten zu verzeichnen, darunter auch ein Tötungsdelikt (wir berichteten). Mittlerweile habe sich die Situation aber stabilisiert und sei vergleichsweise unauffällig, erklärte Pieper.

Nicht zuletzt sei die aktuelle Situation aber auch der hohen Präsenz der Polizei geschuldet. „Wir zeigen uns Tag für Tag und Nacht für Nacht und das wird auch so bleiben“, sagte Volker Pieper überzeugt. Die Einsätze in der Pommernanlage in Zahlen: 148 konkrete Einsätze, dazu 266 Überwachungen vor Ort rund um die Uhr.

Die Anstiege in der Statistik hält Volker Pieper für moderat. Die Ursachen dafür sind vielfältig. An konkreten Entwicklungen können sie nicht festgemacht werden. So sind in Naumburg beispielsweise die Sachbeschädigungen von sieben auf 23 gestiegen, Wohnungseinbrüche aber von acht auf zwei und Straftaten gegen die persönliche Freiheit von 32 auf 23 gesunken.

Mehr Rauschgiftdelikte

In Breuna sind Rauschgiftdelikte von drei auf 20 und Wohnungseinbrüche von 13 auf über das Doppelte, 28, angestiegen sind. Gewiss spiele dabei auch die Nähe zu Autobahn und Bundesstraße eine Rolle.

In Zierenberg fallen in der Statistik 131 Vermögens- und Fälschungsdelikte auf. Im Jahr zuvor waren es 81. Eingerechnet sind auch 50 Tankbetrügereien am Rasthof Bühleck, die in der Statistik Zierenberg aufgeführt werden. In Wolfhagen hat es insgesamt 5,8 Prozent mehr Straftaten gegeben. Allerdings haben sich dort die schweren Diebstähle von 108 auf 80 reduziert, die Aufklärungsquote ist um ein Prozent gestiegen.

Tipp:Wer sichergehen will, ob sein Haus gut vor Einbruch geschützt ist oder sich aufzeigen lassen will, wo es Schwachstellen gibt, der kann sich von der Polizei am Haus und kostenlos beraten lassen. Anmeldungen für eine Beratung beim Polizeiladen, Wolfsschlucht 5, 34117 Kassel, Telefon: 0561 / 17171.

Wolfhagen: Mehr Straftaten

In Wolfhagen sind die Straftaten von 657 auf 695 angestiegen. Insbesondere im Bereich der Sachbeschädigung (von 52 auf 75) und der Rohheitsdelikte wie Straftaten gegen die persönliche Freiheit (von 101 auf 146) wurde ein Anstieg verzeichnet. Die Aufklärungsquote ist ebenfalls angestiegen: von 63,3 Prozent (2015) auf 64,3 Prozent. Rauschgiftdelikte haben sich von elf auf 22 erhöht. Diebstahl aus Fahrzeugen hat sich von 18 auf elf Fälle reduziert. Vermögens- und Fälschungsdelikte sind von 161 auf 134 gesunken.

Zierenberg: Mehr Diebstahl

In Zierenberg sind die Straftaten von 233 auf 322 gestiegen. Die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte ist um 50 Fälle angestiegen. Waren es im Jahr 2015 noch 81 Fälle, werden in der Statistik aus 2016 gleich 131 Fälle aufgeführt. In das Ergebnis fließt allerdings auch Tankbetrug an der Raststätte Bühleck mit ein. Einen Anstieg gibt es auch beim Diebstahl in und aus Wohnungen. Die Zahl stieg von vier auf 17. Die Aufklärungsquote liegt bei 56, 8 Prozent. Im Jahr davor lag sie bei 62,7 Prozent. Die Rauschgiftdelikte in Zierenberg sind von 14 auf 11 gesunken. Ebenfalls gesunken ist die Anzahl der Sachbeschädigungen von 19 auf 14.

Naumburg: Tendenz fallend

Die Straftaten in Naumburg sind von 146 auf 129 zurückgegangen. Aber von null auf zwei gestiegen sind Fälle gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Auch Ladendiebstähle sind von null auf drei gestiegen. Die Zahl der Sachbeschädigungen ist von sieben auf 23 angestiegen. Die Aufklärungsquote der Straftaten liegt in Naumburg bei 64,3 Prozent (Jahr zuvor bei 61 Prozent) Positiv aufgefallen ist in der Kriminalstatistik die Fallzahl bei den Straftaten gegen die persönliche Freiheit von 32 auf 23. Ebenso rückläufig sind Einbrüche, die Fallzahl reduzierte sich von 28 auf 12, davon in und aus Wohnungen von acht auf zwei. Vermögens- und Fälschungsdelikte sind von 33 auf 29 gefallen. Die Rauschgiftdelikte liegen nach wie vor bei zwei Fällen.

Habichtswald: Positiver Trend

In Habichtswald sind die Straftaten insgesamt von 111 auf 94 gesunken. Einen Anstieg gibt es bei den Straftaten gegen die persönliche Freiheit: von 12 auf 18. Die Straftat des Diebstahls in und aus Wohnungen hat sich von sechs auf zwölf verdoppelt. Die Anzahl der Sachbeschädigungen ist von zehn auf 15 gestiegen. Die Aufklärungsquote ist von 59,5 auf 60,6 gestiegen. Fälle einfachen Diebstahls haben sich von sechs auf drei reduziert, aus Autos von acht auf null. Allerdings wurden in Habichtswald zwei Autos gestohlen. Ein positiver Trend zeichnet sich bei den Rauschgiftdelikten ab. Hier gab es drei Fälle, von zuvor zehn.

Breuna: Mehr Rauschgiftdelikte

In Breuna sind die Straftaten von 67 auf 99 angestiegen. Das ist ein Anstieg um 32 Fälle und damit von fast 50 Prozent. Beim Diebstahl ist die Fallzahl von 13 auf 28 gestiegen. Darunter 17 Wohnungseinbrüche (zuvor vier), ebenso ist die Zahl der Rauschgiftdelikte nach oben geklettert, die mit 20 (zuvor drei) zu Buche schlägt. Die Aufklärungsquote in Breuna liegt bei 56,6 Prozent (zuvor 53,7). Die Straftaten gegen die persönliche Freiheit sind von 13 auf fünf gefallen, Diebstahl aus Autos von sieben auf vier und Fälle von Sachbeschädigung sind von zehn auf vier zurückgegangen.

Bad Emstal: Anstieg erkennbar

In Bad Emstal ist die Zahl der Straftaten von 154 auf 166 gestiegen, die Aufklärungsquote von 58,4 auf 63,1 Prozent. Ein deutlicher Anstieg ist bei den Straftaten gegen die persönliche Freiheit von 30 auf 41 zu erkennen. Waren die Rauschgiftdelikte im Jahr 2015 bei null, so liegen sie im vergangenen Jahr bei vier. Einen Anstieg gibt es auch bei den Sachbeschädigungen: von 15 auf 22. Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind von eins auf drei angestiegen. Delikte gegen das Leben von null auf eins. Einziger Rückgang: Diebstahl (von 37 auf 26).

Statistik ist in acht Gruppen aufgeteilt

Die polizeiliche Kriminalstatistik ist in acht Straftaten-Obergruppen aufgeteilt.

Neben den Delikten „gegen das Leben“ (Mord, Totschlag etc.) umfasst sie „Rohheitsdelikte“ (zum Beispiel Raub, Körperverletzung), den „einfachen Diebstahl“ (zum Beispiel Ladendiebstahl), den „Diebstahl unter erschwerten Umständen“ wie Einbrüche in Wohnungen und Geschäfte, Autoaufbrüche und Ähnliches), die „Vermögens- und Fälschungsdelikte“ (Betrug, Urkundenfälschung und so weiter) sowie die „sonstigen Delikte nach dem Strafgesetzbuch“ (Sachbeschädigung) und die Verstöße gegen „strafrechtliche Nebengesetze“ (zum Beispiel Rauschgiftdelikte).

Zu der Straftatenobergruppe „gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ zählen Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen, der sexuelle Missbrauch von Kindern, exhibitionistische Handlungen und das sogenannte Ausnutzen sexueller Neigungen. Darunter versteht man Straftaten aus den Deliktsfeldern Zuhälterei, Verbreitung pornografischer Schriften, den Menschenhandel und die Prostitution im Sperrbezirk. 

Zum Tage von Monika Wüllner: Gefühl von Sicherheit

Es gab wieder mehr Straftaten im Wolfhager Land. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr. Mal sind es mehr Wohnungseinbrüche, mal mehr Rauschgiftdelikte oder Diebstähle. Die Statistik ist das eine. Aufmerksame Menschen ist das andere. Alle sind sensibilisiert, weil sie die Schlagzeilen kennen und sicherlich auch, weil sie manchmal ängstlich sind. Wichtig ist, dass Bürger und Polizei Hand in Hand gegen jedes Verbrechen angehen.

Statt jetzt nach weit verbreiteter Manier loszuwettern und einen Schuldigen für die erhöhten Zahl der Straftaten auszumachen, sollte der Blick lieber auf die Aufklärungsquote gerichtet werden. Über 62 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. Und die Polizei setzt alles daran, die Quote zu erhöhen. Die Statistik ist auch eine Art Arbeitszeugnis für die Polizei.

Unsere Schutzleute wollen ihren Mitmenschen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Ihre Präsenz wird einen großen Teil dazu beitragen. Und dabei ist nicht zu vergessen, dass Polizei manchmal auch da ist, wo man sie gar nicht sieht.

Rubriklistenbild: © dpa

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