Eichen, Douglasien und Küstentannen wachsen da, wo bisher Fichten standen

47.000 Bäume für den Wolfhager Stadtwald

Sorgt im Wolfhager Stadtwald für Nachschub an Bäumen: Johann Bran und seine Kollegen pflanzen am Wanderweg H7 bei Gut Höhnscheid junge Eichen.
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Sorgt im Wolfhager Stadtwald für Nachschub an Bäumen: Johann Bran und seine Kollegen pflanzen am Wanderweg H7 bei Gut Höhnscheid junge Eichen.

Sechs Wochen haben die Waldarbeiter Zeit, um 47.000 zarte Pflänzchen in den Boden zu bekommen. Die Hälfte der Zeit ist verstrichen.

Wolfhagen – Die jungen Küstentannen, Douglasien und Eichen sind der hoffnungsvolle Ersatz für die kahlen Flächen in Wolfhagens Stadtwald, auf denen einst Fichten in den Himmel wuchsen. Revierförster Friedrich Vollbracht geht davon aus, dass die Pflanzarbeiten in der Woche nach Ostern beendet sein werden.

Sein Ziel für diese Saison ist es, neun Hektar aufzuforsten und so zumindest ansatzweise den Schaden auszubügeln, den der Borkenkäfer in den vergangenen Jahren dem Wald zugefügt hat. Drei Hektar sind ein Erbe aus dem letzten Jahr. Da waren die Bedingungen fürs Pflanzen dermaßen miserabel, dass nun nachgeholt werden muss, was damals liegen blieb. Und auch in diesem Jahr zeigte sich das Wetter zunächst alles andere als günstig für eine Pflanzaktion im großen Stil. Im Januar war es zu nass, und dann kam der Schnee. Als der im Februar im Stadtwald geschmolzen war, musste sich Vollbracht trotzdem noch gedulden. Denn in Schmallenberg im Sauerland, wo er die jungen Bäume bestellt hatte, ruhte noch immer eine Schneedecke auf den Setzlingen, und die Ware kam nicht nach Wolfhagen.

In den ersten Märztagen legten die rumänischen Pflanzer endlich los. Sie wurden um Hilfe gebeten, weil sich Wolfhagens Forstwirte, die das Pflanzen sonst übernehmen, mit anderen Arbeiten befassen müssen. Derzeit sind die Rumänen auf einer zuvor maschinell gemulchten Fläche am Wanderweg H7 unweit von Gut Höhnscheid zu Gange. An diesem Morgen regnet es, und es ist kühl. „Bestes Pflanzwetter“, sagt Revierförster Vollbracht. Stieleiche für Stieleiche setzten die Helfer in die Löcher, die sie zuvor mit einem Pflanzspaten in den Waldboden getrieben haben.

Dabei ist es wichtig, dass die langen Pfahlwurzeln genügend Platz haben und nicht gebogen werden. Mit dem Fuß werden die Bäumchen festgetreten. Mindestens 75 Eichen pro Stunde bekommen so den Startschuss für ein möglichst langes Leben. Ein Holzgatter hält gefräßige Waldbewohner auf Abstand zu den schmackhaften Pflänzchen.

Küstentannen und Douglasien: Sie wurden auf einer Windwurffläche bei Ippinghausen in diesen Tagen gepflanzt.

Bei Küstentanne und Douglasie, die ebenfalls den Stadtwald bevölkern sollen, ist der Aufwand beim Pflanzen noch höher. Auch sie werden einzeln in die Erde gesetzt, erhalten aber eine schützende Kunststoffhülle, die um jeweils zwei Robinienhölzer gelegt wird. Der finanzielle Aufwand für das Pflanzen eines solchen Nadelbaums liegt bei etwa fünf Euro.

Die Wiederaufforstung der neun Hektar in diesem Jahr kostet etwa 130.000 Euro, allerdings geben Bund und Land einen Zuschuss in Höhe von 60 Prozent. Neben Flächen bei Ippinghausen, Leckringhausen und Höhnscheid werden am westlichen Bärenberg bei Altenhasungen weitere Bäume gepflanzt. Dort zeichnet sich der Boden durch ein großes Nährstoff-angebot aus, und es lohnt sich, Elsbeere, Spitz- und Bergahorn sowie Vogelkirsche zu pflanzen. An ausgesuchten Standorten wird Vollbracht auch Versuche mit der Baumhasel unternehmen, sie ist eine Verwandte der Haselnuss.

Geeignet für nasse Standorte: Die Stieleiche. Förster Friedrich Vollbracht will aber vermehrt auch Traubeneichen in den Wald bringen.

„Beim Pflanzen wird der Ausfall mit eingepreist“, sagt der Förster. Deshalb werden die zarten Bäume auch sehr dicht in den Boden gesetzt. Pflanzen, die sich in den nächsten 30 Jahren als robust behaupten, denen gehört die Zukunft. Und Gefahren lauern einige im Wald. Extreme Trockenheit in Frühjahr und Sommer schaden den Bäumen ebenso wie späte Fröste, die einsetzen, wenn das frische Grün gerade aus den Knospen drängt.

Und auch Mäuse können für erhebliche Ausfälle sorgen, anders als das Rehwild lassen sich die kleinen Nager auch nicht mit Zäunen aussperren. „Wenn in den nächsten zehn Jahren noch die Hälfte der Bäume da ist, bin ich zufrieden“, so Vollbracht, der neben der Wiederaufforstung per Hand vor allen Dingen auch auf die natürliche Verjüngung des Waldes setzt. (Antje Thon)

Der Wald hilft sich selbst

In den kommenden fünf, sechs Jahren sollen im 1788 Hektar großen Stadtwald Wolfhagen jährlich etwa sechs Hektar Wald neu gepflanzt werden. Vor der Borkenkäferplage wuchsen in ihm auf einer Gesamtfläche von 430 Hektar Fichten. Etwa drei Viertel davon sind weggebrochen, der verbliebene Rest verteilt sich auf verschiedene Standorte. Neben der Wiederaufforstung hat vor allem die Naturverjüngung große Bedeutung beim Lückenschluss in den Wäldern. Je kleiner die freien Flächen sind und je mehr Baumarten in ihrem Umfeld wachsen, umso besser sind die Voraussetzungen für das Erstarken des Waldes.

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