Aufforstung am Isthaberg

Stadtverordnete pflanzen 50 Eichen für einen Wald der Erinnerung

Darauf ist zu achten: Revierförster Friedrich Vollbracht (rechts), präsentiert die Pflänzchen. Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke, Bürgermeister Reinhard Schaake, Werner Ranft mit Enkelin Ella, Lars Eskuche, Ursula und Dr. Axel Vetter (von links) hören zu.
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Darauf ist zu achten: Revierförster Friedrich Vollbracht (rechts), präsentiert die Pflänzchen. Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke, Bürgermeister Reinhard Schaake, Werner Ranft mit Enkelin Ella, Lars Eskuche, Ursula und Dr. Axel Vetter (von links) hören zu.

Einen Beitrag für den Wald der Zukunft leisteten Wolfhager Stadtverordnete mit einer Pflanzaktion am Isthaberg.

Wolfhagen - Ob die Wolfhager Stadtverordneten auch so viel Interessantes erfahren hätten, wenn sie sich wie üblich nach der letzten Sitzung des Jahres bei Bier und Schnittchen zum Plausch zusammengesetzt hätten? Wegen der Pandemie musste der traditionelle Jahresabschluss ausfallen, zum Dank fürs Engagement spendierte die Stadt ersatzweise für jedes Parlamentsmitglied eine junge Eiche für den Garten oder alternativ ein Pflänzchen für den Stadtwald. „Es war klar, wir machen es zusammen“, bringt Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke die Entscheidung für die Gemeinschaftsaktion im Forst auf den Punkt.

Und so trifft sich am Donnerstagnachmittag eine Handvoll Parlamentarier am Isthaberg, um insgesamt 50 einjährige Eichensämlinge zu setzen. Wegen Corona sollte es nicht das ganze 31-köpfige Parlament sein, das da mit Spaten unterm Arm zum blanken Hang marschiert, wo im vergangenen Jahr der Borkenkäfer den Fichten den Garaus gemacht hatte.

Zu Beginn gibt es von Förster Friedrich Vollbracht eine kurze Einweisung auf der geräumten Fläche mit fantastischer Aussicht ins südwestliche Wolfhager Land. Die Pfahlwurzeln der jungen Eichen gelte es, senkrecht in den Boden zu bringen, erklärt der Fachmann, ein Bogen sei tunlichst zu vermeiden, schließlich wolle man den Bäumchen beste Voraussetzungen fürs Wachsen und Gedeihen geben.

Dazu werde man hier auch mit größerem Abstand pflanzen als die anderen knapp 44 000 Pflänzchen, die man seit dem vergangenen Jahr im Bereich des Stadtwaldes zur Wiederaufforstung von Trocken- und Käferschäden gesetzt habe. „Hier geht es um Solitäre“, sagt Förster Vollbracht, Bäume, die sich möglichst ohne starken Konkurrenzdruck entwickeln können. „Wir wollen tolle Eichen haben“, formuliert Vollbracht das Ziel.

Dazu bedarf es aber weiterer Hilfsmittel, die der Förster dem kleinen Pflanztrupp auch gleich mit vorstellt. Ganz wichtig: die Schutzhülle. „Es ist schlimm. Wir bringen Plastik in den Wald, das mag ich gar nicht“, erklärt Vollbracht. „Aber es gibt keine Alternative. Ohne Schutz kommt hier nichts hoch.“ Und während der Förster zeigt, wie man die schmalen Schächte, in denen die Pflanzen die ersten Jahre aufwachsen, faltet, spricht er übers Rehwild. „Eine Eichenknospe“, sagt er, „ist für Rehe wie für uns Schokolade, ein absolutes Leckerli.“ Wenn man die Bäumchen in den ersten Jahren nicht schützen würde, „würde hier keine einzige Pflanze überleben“. Ein weiterer Vorteil der Kunststoffhülsen, die man nach Jahren wieder aus dem Wald sammeln müsse, sei auch, dass man die Pflanzen für Pflegearbeiten leichter findet.

Dann geht es aber auch los. Mit Unterstützung von Förster Vollbracht und dem Leiter des technischen Außendienstes der Stadt, Lars Eskuche, zeigen die Parlamentarier Talent im Umgang mit Spaten und Pflanze, wobei sich Christoph Rasch von seinen Töchtern Liva und Melia unterstützen lässt, Werner Ranft hat Enkelin Ella als Verstärkung mitgebracht.

Keine Stunde brauchte die Gruppe, dann sind alle Setzlinge im Boden und vom Kunststoffmantel umgeben. „Das wird ein kleiner Wald zur Erinnerung an die Corona-Krise“, sagt Stadtverordnetenvorsteher Finke vor dem Abmarsch zu den am Fuß des Bergs geparkten Autos.

In rund 200 Jahren werden die Bäume am Hang des Isthabergs erntereif sein. Sofern sie die ersten Jahre, in denen sie auch durch Trockenheit, gefräßige Mäuse und aktuell durch Spätfrost gefährdet sind, und vor allem den Klimawandel überstehen. (Norbert Müller)

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