Vodafone schaltet Hochleistungsnetz frei

5G-Mobilfunk für Wolfhagen

Der Mobilfunk im Landkreis wird immer schneller: Während die Telekom vergleichsweise in der Fläche gut aufgestellt ist, hat Vodafone im Landkreis Kassel nun das erste technisch unabhängige 5G-Netz freigeschaltet.
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Der Mobilfunk im Landkreis wird immer schneller: Während die Telekom vergleichsweise in der Fläche gut aufgestellt ist, hat Vodafone im Landkreis Kassel nun das erste technisch unabhängige 5G-Netz freigeschaltet.

Vodafone schaltet das Hochleistungsnetz im Wolfhager Land frei.

Wolfhager Land – Es tut sich was in Sachen Mobilfunk. Als erster Anbieter überhaupt hat Vodafone im Landkreis Kassel jetzt ein eigenes und völlig unabhängiges 5G-Netz mit zunächst 15 Antennen an vier Standorten freigeschaltet. Erreicht werden damit Wolfhagen, Fuldabrück, Hofgeismar und Niestetal. In Wolfhagen befindet sich der Vodafone-Standort mit 5G-Technologie am Sonnenweg in Istha, wie Konzernsprecher Volker Petendorf mitteilt. Zudem befindet sich jeweils eine 5G-Station in Naumburg und Breuna.

Mit der neuen Mobilfunktechnik sollen Übertragungsraten von bis zu 700 MBit pro Sekunde möglich sein, der bisherige LTE-Standard (4G) erlaubt etwa 250 MBit pro Sekunde. Zum Vergleich: Ein Glasfaseranschluss bis ins Haus schafft aktuell bis zu 1000 MBit pro Sekunde.

Außerdem komme das neue 5G-Netz der Vodafone völlig ohne Unterstützung alter LTE-Technik aus. Das erlaube nicht nur deutlich höhere Übertragungsraten, sondern auch einen Datenaustausch in Echtzeit, was im privaten Bereich, vor allem aber auch in der Industrie und im Agrarsektor neue Anwendungen eröffne.

Zudem können mit 5G deutlich mehr Menschen zeitgleich im Netz surfen. Neu ist hierbei das sogenannte „Network Slicing“, bei dem voneinander getrennte Teilnetze mit garantierten Übertragungsraten in Echtzeit bereitgestellt werden können.

Oliver Brunkow: Breitbandbeauftragter des Landkreises Kassel

Oliver Brunkow, Breitbandbeauftragter des Landkreises Kassel, sieht darin einen weiteren logischen Schritt in einer schon vor Jahren angestoßenen Entwicklung. „Alle 5G-Anbieter arbeiten ständig an der Verbesserung ihrer Netze – auch im Landkreis Kassel“, sagt Brunkow.

Bis Mitte 2022 will Vodafone acht weitere 5G-Projekte im Landkreis realisieren, drei davon in Wolfhagen. Parallel wird auch das LTE-Netz im Landkreis Kassel ausgebaut. In Zierenberg soll eine neue LTE-Station in Betrieb genommen werden. Zudem werden an zwei vorhandenen LTE-Stationen in Wolfhagen zusätzliche LTE-Antennen installiert, um die Kapazitäten und Geschwindigkeiten im Einzugsbereich zu steigern.

Tatsächlich bauen Vodafone und vor allem auch die Telekom schon seit Monaten flächendeckend jeweils eigene 5G-Netze im Landkreis Kassel aus, vor allem dort, wo sich größere Ortschaften befinden. Die Telekom hat bereits im November vergangenen Jahres zwei Stationen in Wolfhagen in Betrieb genommen. Davon befindet sich eine in Altenhasungen und eine in der Innenstadt von Wolfhagen, wie Telekom-Sprecher George McKinney erklärt. Das 5G-Netz wollen sie weiterhin großflächig ausbauen.

Der Unterschied ist nur, dass diese Netze noch an die alte LTE-Technik gekoppelt sind, sodass nicht die hohen Übertragungsraten erreicht werden, wie es bei dem neuen, entkoppelten und für sich alleine stehenden 5G-Vodafone-Netz der Fall ist.

Um dieses Manko zu umgehen, setzt beispielsweise die Telekom eine Technologie ein, „die den Datentransfer bedarfsorientiert zwischen LTE und 5G-Anwendern optimal verteilt“, sagt McKinney. Auch damit ließen sich im ländlichen Bereich Datenraten bis zu 225 MBit pro Sekunde erreichen, in der Stadt Kassel zwischen 600 und 800 MBit pro Sekunde.

Mit einem eigenen 5G-Netz noch nicht etabliert haben sich im Landkreis Kassel die beiden Anbieter Telefonica O2 sowie 1&1 Drillisch. Während 1&1 Drillisch mit dem Bau einer eigenen 5G-Infrastruktur noch gar nicht begonnen hat, ist Telefonica O2 in Hessen bislang vor allem in Frankfurt am Main mit einem eigenen 5G-Netz unterwegs.

„Bis 2025 wollen wir ein deutschlandweites 5G-Netz bereitstellen und damit dann auch den Landkreis Kassel umfassend abdecken“, sagt Telefonica O2-Sprecher Florian Streicher.

Die Frage, inwieweit diese hochmoderne Mobilfunktechnik explizit für private Nutzer jetzt schon sinnvoll ist, will Oliver Brunkow, Breitbandbeauftragter des Landkreises Kassel, im Kern noch offen halten. „5G ist eine sehr leistungsfähige Mobilfunktechnik, die grundsätzlich neue Möglichkeiten eröffnet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Innovationen ihren Weg auf den Markt finden und eine entsprechende Nachfrage auslösen.“ So gebe es selbstverständlich schon 5G-taugliche Endgeräte wie Smartphones, Notebooks oder Router. „Und natürlich ist das alles derzeit im Vergleich noch ein wenig teurer. Aber es wird irgendwann Standard sein.“

5G steht für „Fifth Generation“ (fünfte Generation) und umschreibt einen neuen Standard in Sachen mobiles Internet und Mobiltelefonie. Im Juni 2019 war die Versteigerung von 5G-Mobilfunklizenzen in Deutschland zu Ende gegangen. Die Gewinner waren die Telekom, Vodafone, Telefonica O2 und 1&1 Drillisch. Insgesamt haben diese „vier Großen“ 6,5 Milliarden Euro für die 5G-Lizenzen bezahlt. Sie alle bauen nun 5G-Funknetze auf. Seit etwa Mitte 2020 gibt es in Deutschland den ersten relevanten kommerziellen 5G-Netzbetrieb.

Ein positiver Nebeneffekt, von dem sehr viele profitieren: Mit dem Kauf der 5G-Lizenzen hatten sich die deutschen Netzbetreiber dazu verpflichtet, bis Ende des Jahres 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte sowie Autobahnen und viele Bahnstrecken mit schnellem, mobilem Internet zu versorgen – jedoch nicht notwendigerweise mit 5G, aber wenigstens mit 4G. (Boris Naumann und Samira Müller)

Technik eröffnet neue Möglichkeiten

Interessant ist der neue Mobilfunkstandard vor allem für die Industrie. 5G kann viel mehr Daten viel schneller übertragen als der Vorgänger LTE (4G) – und das verzögerungsfrei und an tausende Geräte gleichzeitig. Das ist ideal für neue Anwendungen in der Industrie (Smart Factory), im Agrarsektor (Smart Farming), in der Mobilitätssteuerung (autonomes Fahren), im Gesundheitssektor (Telemedizin, Pflege) sowie in den Bereichen Logistik, Überwachung und Sicherheit.

Im privaten Bereich wird durch 5G vor allem das Video-Streaming oder das Online-Spielen schneller. Neue Anwendungen ergeben sich auch in der Steuerung von Haustechnik (Smart Home) oder in der sogenannten „Augmented Reality“ (erweiterte Realität). Hier werden dem Smartphone-Nutzer zusätzliche Informationen geliefert. Fiktives Beispiel: Jemand besucht das Schloss Wilhelmsthal bei Calden und richtet seine Handy-Kamera auf das Hauptgebäude. Via Erkennungs- und Ortungssoftware erkennt das Smartphone das Objekt und blendet Zusatzinformationen zum Schloss ins Bild ein.

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