Mit Maske oder Test zum Abi

99 Schüler schreiben die Prüfungen in Wolfhagen

Macht das Abitur an der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhage: Johanna Böttger.
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Macht das Abitur an der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen: Johanna Böttger.

Die hessischen Schulen stecken mitten in den Abiturprüfungen. So auch die Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen, an der 99 Schüler in diesem Jahr ihr Abitur machen.

Wolfhagen – 534 Schüler sind es im Landkreis Kassel. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind die Zahlen gestiegen: 2020 waren 517 Schüler im Landkreis zum Abitur angetreten, jedoch niemand an der Walter-Lübcke-Schule. Grund dafür war der Wechsel von G8 zu G9.

Die schriftlichen Prüfungen haben in allen hessischen Schulen bereits am 21. April begonnen und dauern noch bis zum Mittwoch, 5. Mai, an. Wegen der Corona-Pandemie herrscht eine Masken-Pflicht bei den Prüfungen, wie Carsten Müller, Oberstufenleiter an der Walter-Lübcke-Schule, berichtet. Allerdings gebe es die Möglichkeit, sich an dem Prüfungstag in der Schule testen zu lassen. Bei negativem Test kann die Person die Abiturprüfung ohne Maske schreiben.

„Das haben aber nur wenige in Anspruch genommen“, sagt Müller, denn wenn der Schnelltest ein falsches positives Ergebnis liefere, müsse die Person direkt in Quarantäne und auf das Ergebnis eines PCR-Tests warten. Große Räume stehen für das Abitur zur Verfügung. Die sind etwa 150 Quadratmeter groß und mit maximal 20 Schülern belegt. „Die Schulleitungen und die Lehrkräfte gehen sehr souverän mit der pandemiebedingten Situation um“, sagt Sabine Schäfer, Schulfachliche Aufsicht des Staatlichen Schulamtes für den Landkreis und die Stadt Kassel.

Eine Sache ist in diesem Jahr jedoch neu: Die Lehrkräfte, die die Schüler in der Oberstufe auf die Prüfungen vorbereitet haben, bekommen vor Beginn der Prüfung einen Aufgabenvorschlag mehr als in anderen Jahren, um auf der Grundlage des tatsächlich durchgeführten Unterrichts eine Vorauswahl zu treffen. Die Prüflinge erhalten dann die von dem Lehrer vorausgewählten Aufgabenvorschläge, teilt Schäfer mit.

Abi-Plakate an der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen.

„Wir hatten durchgehend Online-Unterricht“, sagt Müller, deshalb gebe es kaum Defizite, da der Stundenplan extra darauf ausgerichtet wurde. Die Schüler seien also auch trotz Corona gut auf das Abitur vorbereitet. „Wir sind mit fast allen Fächern gut durchgekommen“, ergänzt der Oberstufenleiter.

Vom 16. bis 18. Juni finden dann die Präsentationsprüfungen und vom 21. bis 25. Juni die mündlichen Prüfungen in der Walter-Lübcke-Schule statt, wie Müller berichtet.

Lehrer haben sich viel Mühe gegeben

Ein zweites Mal findet das Abitur nun unter Corona-Bedingungen statt. Auch Johanna Böttger steckt gerade mitten in den Abiturprüfungen an der Walter-Lübcke-Schule.

Ihre beiden Leistungskurse Biologie und Politik und Wirtschaft hat die 19-Jährige bereits geschrieben. Heute steht Grundkurs Deutsch auf dem Plan.

Auch wenn die Vorbereitung auf das Abitur nicht ganz so einfach war, haben die Lehrer sich sehr viel Mühe gegeben, wie Böttger erzählt. „Es wurde viel von Schülern und Lehrern abverlangt“, sagt sie. Doch die Lehrer seien in dieser Zeit immer für ihre Schüler da gewesen.

Seit Januar wurden die Klassen jeweils in getrennten Räumen unterrichtet. „Hut ab vor den Lehrern“, sagt die Schülerin, denn die mussten immer wieder zwischen zwei Räumen hin und her wechseln. Schwierig war dabei manchmal, dass die zwei unterschiedlichen Lerngruppen jeweils individuelle Ergebnisse erzielten, auf die immer nur in der jeweiligen Gruppe intensiv eingegangen werden konnte.

„Die Erarbeitung war eine andere“, sagt die 19-Jährige, denn die Hälfte der Zeit waren die Schüler ohne Lehrer vor Ort, wenn diese zur anderen Gruppe wechselten. Trotzdem haben die Schüler insgesamt nicht viel Stoff verpasst. Vor allem schätze Böttger den zusätzlichen Abiturvorschlag, den die Lehrer vor der Prüfung wählen können. Das sei in der Ausnahmesituation wichtig.

Viele gute Wünsche für das Abitur 2021.

Während der Prüfung sei alles gut geregelt gewesen. „Ich habe mich sehr wohlgefühlt.“ Es wurde regelmäßig gelüftet und alle hätten trotz einem Test die Maske aufgesetzt. Die Klausur mit einer OP-Maske zu schreiben habe die Schülerin gut ausblenden können.

Was die Abiturientin aber vermisst, ist der Abiball, der wegen Corona nicht stattfinden kann. Die Schüler hätten nach einigen Alternativen geschaut, allerdings könne man das derzeit schlecht planen. „Wir wollen den im nächsten Jahr nachholen“, sagt Böttger, wenn es dann hoffentlich wieder möglich sei.

„Das sind Dinge, auf die man sich freut“, sagt die Abiturientin. Denn schließlich wolle man sich nach dem Abitur auch ein bisschen selbst feiern, wenn man es dann endlich geschafft hat. Diese Belohnung fällt aber aus. So, wie die Schulzeit jetzt zu Ende gehe, sei sehr schade. Vor allem den normalen Schulalltag, bei dem man sich mit Freunden draußen in der Pause unterhält, habe sie sehr vermisst. Immerhin konnten die Schüler eine Mottowoche in der Schule veranstalten, natürlich mit Maske, aber dennoch habe das ein bisschen Normalität zurückgebracht. „Das hat gut getan“, sagt Böttger. Denn in der Coronazeit und vor allem durch den Lernstress seien viele Schüler angespannt und gestresst gewesen.

Schade ist vor allem aber auch, dass die freie Zeit nach dem Abitur nicht richtig genutzt werden kann. In den drei oder vier Monaten, bevor viele eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, kann in diesem Jahr wegen Corona allerdings nicht viel unternommen werden. „Diese freie Zeit bekommt man nicht mehr.“ Böttger hätte die Zeit gerne für Reisen oder Konzerte genutzt, bevor sie im Oktober eine Ausbildung als Notfallsanitäterin beim Deutschen Roten Kreuz beginnt. „Danach möchte ich Medizin studieren“, sagt die 19-Jährige. (Samira Müller)

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