Abriss der alten Scheune in Oberelsungen war Omas letzter Wunsch

Die Gegenwart: Bianka Gerhardt und Tochter Sarah (17) vor den Resten des Gebäudetraktes, in dem Kuh- und Schweinestall, ein Heuboden und Abstellflächen für Traktoren untergebracht waren. Fotos: Ulbrich

Oberelsungen. Eine 100 Jahre alte Scheune in Oberelsungen musste abgerissen werden, weil sie marode war. Nur schweren Herzens und unter Tränen ging die Eigentümerin das an.

Als die Schaufel-Kralle des Baggers sich kraftvoll ins Innere des Gebäudes frisst, knirscht es im wahrsten Sinne im Gebälk. Nach und nach legt das gelbe Arbeitsgerät immer mehr der ehemaligen Scheune an der Nothfelder Straße frei und bietet einen Einblick in die etwa 100-jährige Geschichte des Gebäudetraktes, der sich im Besitz von Bianka Gerhardt befindet.

Die 39-Jährige filmt und fotografiert die Abrissarbeiten am Gebäude, das eine besondere Bedeutung für die vierfache Mutter hat: „Das ist mein Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin.“ Verständlich, dass ihr das Herz blutet, angesichts der Trümmer, die der Bagger an der Hauptstraße im Ort hinterlässt. Doch der Zahn der Zeit nagte heftig am Anbau des Wohnhauses.

Dach senkte sich ab 

Das Dach senkte sich ab, stürzte teilweise ein, die tragenden Balken im Innern wölbten sich bedrohlich. Also informierte Gerhardt das Amt für Denkmalschutz, bei einem ersten Besichtigungstermin wurde das Gebäude jedoch in einen erhaltenswerten Zustand eingestuft. Da dabei aber nur das Äußere unter die Lupe genommen worden sei, sagt die 39-Jährige, habe sie erneut um einen Termin mit Innenbesichtigung gebeten.

Dabei sei Anfang August auch von den Experten die akute Einsturzgefahr erkannt und die Genehmigung zum Abriss erteilt worden. Als dann auch die entsprechende Erlaubnis des Bauamtes der Stadt Zierenberg vorlag, beauftragte Gerhardt eine Fachfirma. 20 000 Euro kostet sie der Abriss, es habe aber auch Angebote gegeben, die doppelt so viel gekostet hätten. Dass es ihr schwerfällt, den Abriss zu beobachten, hat auch mit der traurigen Geschichte des Hauses zu tun.

„Es hat lange und viele Tränen gedauert, bis ich das Haus wieder betreten konnte“, sagt Bianka Gerhardt mit belegter Stimme. Grund dafür: 2010 starb ihr Vater, ein Jahr darauf ihre Oma und wieder ein Jahr später schließlich ihr Opa. Doch der Abriss, der bis Ende der Woche abgeschlossen sein soll, ist auch eine Art Abschluss dieses traurigen Kapitels für die 39-Jährige. Denn einer der letzten Wünsche ihrer Oma war es, dass sie das Gebäude abreißen solle, wenn es nötig sei und Garagen darauf stellen. Diesem Wunsch kommt sie nun nach, welche Art der Nutzung erfolge, sei aber noch offen.

Von Nicolai Ulbrich

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