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Ärztemangel in Wolfhagen: Zwei Ärzte sind ohne Nachfolger

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Von: Bea Ricken

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Übernehmen den Arztsitz von Dr. Dietrich Wendland: Die Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land GmbH, mit den Gesellschaftern Sigrid Wittwer, Ralf Wittwer (rechts) und Dr. Lutz Dralle (hinten). © Nicolai Ulbrich

Wolfhagen -  Sowohl Kinderärztin Dr. Angelika Manner, als auch Hausarzt Dr. Dietrich Wendland, geben zum Ende des Monats aus Altersgründen ihre Praxen auf und haben keine Nachfolger.

Für Unsicherheit sorgt derzeit die künftige ärztliche Versorgung von Kindern und Erwachsenen in Wolfhagen und dem Umland. Sowohl Kinderärztin Dr. Angelika Manner, als auch Hausarzt Dr. Dietrich Wendland, geben zum Ende des Monats aus Altersgründen ihre Praxen auf und haben keine Nachfolger.

Während es für die kleinen Patienten noch keine konkrete Lösung gibt, hat sich die Lage im hausärztlichen Bereich etwas entspannt. Als sich die Praxisaufgabe von Wendland abzeichnete, hatten Patienten versucht, bei anderen Wolfhager Ärzten unterzukommen, erhielten jedoch Absagen. Die meisten Praxen sind nach eigenen Angaben an ihrer Kapazitätsgrenze und können keine neuen Patienten aufnehmen.

Ralf Wittwer, Geschäftsführer der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land GmbH, hat nun mit Wendland eine Lösung erarbeitet: Die Hausarztgemeinschaft, mit den Gesellschaftern Sigrid Wittwer, Ralf Wittwer und Dr. Lutz Dralle, nimmt die Patienten des Arztes auf, der über 27 Jahre als niedergelassener Arzt in Wolfhagen gearbeitet hat. Dietrich Wendland schließt seine Praxis im Teichtor Ende März und arbeitet zur Entspannung der Lage noch eine begrenzte Zeit für zwei Tage in der Woche als angestellter Arzt im Standort Mittelstraße 25.

Kinderärztin ohne Nachfolger

Dorthin kommen auch die Patientenakten. Patienten, die andere Pläne haben, können ihre Akten – nach telefonischer Rücksprache – noch bis Ende März im Teichtor abholen. Hoffnung besteht auch für die Patienten von Kinderärztin Manner. Laut eines Sprechers der Stadt Wolfhagen, die aktiv an einer Lösung mitarbeitet, gibt es einige Optionen. Diese seien allerdings noch nicht spruchreif.

Fest steht: Angelika Manner hört zum 31. März ohne Nachfolger auf. Laut Karl Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV), sei die kinderärztliche Versorgung zumindest statistisch noch besser als die hausärztliche. „Wir sind jedoch mit interessierten Kinderärzten im Gespräch. Im Moment sind wir allerdings noch nicht auskunftsfähig“, so Roth.

Wolfhagen gilt nicht als unterversorgt

Die Kassenärztliche Vereinigung hat die Versorgung für bestimmte Planungsbereiche im Blick. Bei den Hausärzten wurde Wolfhagen mit Bad Emstal, Breuna, Naumburg und Zierenberg zusammengefasst. Derzeit gibt es in Bad Emstal fünf, in Breuna drei, in Naumburg einen, in Zierenberg vier und in Wolfhagen zwölf Ärzte. Ein Arztsitz ist frei, das heißt, ein Hausarzt könnte sich im Planungsbereich Wolfhagen neu ansiedeln.

Von den 25 Hausärzten arbeiten allerdings nicht alle in Vollzeit, sodass der Bereich auf 22,75 Stellen kommt. Dies entspricht einem Versorgungsgrad von 106,7 Prozent. Da die Hausarztgemeinschaft den Arztsitz von Dr. Dietrich Wendland übernimmt, verändert sich rechnerisch nichts

Selbst wenn der Sitz von Wendland ab 1. April weggefallen wäre, hätte der Planungsbereich Wolfhagen noch immer nicht als unterversorgt gegolten. So Petra Bendrich, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung.

Teilzeitbeschäftigung verschärft Ärztemangel

Andere Regionen seien deutlich schlechter versorgt. „Aktuell fehlen in Hessen 187 Hausärzte“, so die KV-Sprecherin. Die Gründe dafür seien vielfältig: Junge Mediziner wünschen sich wirtschaftlich attraktive Rahmenbedingungen, fühlen sich von Regressen bedroht und verlangen eine vernünftige Work-Life-Balance.

Da die Teilzeitbeschäftigung bei Nachwuchsärzten steigt, wird sich das Problem des Ärztemangels weiter verschärfen. „Die Zahl der Vollzulassungen geht leider stark zurück“, so Bendrich. Bei den Kinderärzten zeigt sich ein anderes Bild als bei den Hausärzten.

Die KV betrachtet dabei den gesamten Landkreis Kassel und der ist mit Kinderärzten rechnerisch überversorgt. Der Versorgungsgrad liegt aktuell bei 153,44 Prozent. Der Planungsbereich ist deshalb für weitere Zulassungen gesperrt.

„Bei der Schließung der Praxis Manner mit einem vollen Versorgungsauftrag errechnet sich ein Versorgungsgrad von 141,63 Prozent, was immer noch einer Überversorgung entspricht und somit keine Öffnung des Planungsbereiches mit sich ziehen würde“, so die KV. Ein Planungsbereich gilt als überversorgt und damit gesperrt, wenn die Arztdichte einer Fachgruppe einen Wert über 110 Prozent erreicht.

Es gilt ein Zulassungsstopp. Ärzte können sich dort nur dann neu niederlassen oder anstellen lassen, wenn ein anderer Arzt seine Zulassung zurückgibt.

Wolfhagen gilt als kinderärztlich gut versorgt

Wolfhagen gilt aus Sicht der KV als kinderärztlich gut versorgt. „Sollten dennoch Probleme bei der aktuellen Verteilung der Kinderärzte auftreten, könnte durch die Verlegung eines Arztsitzes innerhalb des Planungsbereiches eine Verbesserung der Versorgungssituation vor Ort erreicht werden.“

Dem Zulassungsausschuss für Ärzte obliege die Entscheidung über einen Antrag auf Verlegung. „Letztlich unterliegt solch ein Antrag natürlich immer der Prüfung des Einzelfalls“, sagt die KV.

Eine weitere Möglichkeit der ärztlichen Tätigkeit in Wolfhagen sei der Betrieb einer Zweigpraxis. Neben seiner Hauptpraxis könne ein Arzt mit Genehmigung der KV Hessen an weiteren Standorten Sprechzeiten anbieten. Erfahrungsgemäß liege es hier stets im Interesse der Ärzte, die laufenden Kosten für den Betrieb einer zusätzlichen Stätte so gering wie möglich zu halten. Dabei könne eine Stadt durchaus unterstützend tätig werden.

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