„Unrealistische Zukunftspläne“

Ärztenetz Wolfhager Land ist gegen geplante Klinik-Schließung

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Soll Mitte 2020 geschlossen werden: das Krankenhaus in Wolfhagen. Das Ärztenetz kritisiert, dass es kein tragfähiges Konzept gebe, wie dann weitergeht. 

Nach Bekanntwerden der Pläne, das Krankenhaus in Wolfhagen zu schließen, spricht sich nun auch das Ärztenetz Wolfhager Land gegen ein Ende der Klinik aus.

Die Mitglieder des Vereins, der aus in der Region arbeitenden Ärzten besteht, seien von den Plänen, wonach die Klinik Ende Juni 2020 geschlossen werden soll, überrascht worden, teilt das Ärztenetz mit. In einer kurzfristig anberaumten Mitgliederversammlung sprachen sich die Mitglieder einstimmig für den Erhalt einer stationären Versorgung aus.

„Obwohl eine Schließung eine massive Verschlechterung der Gesundheitsversorgung der Bürger des Landkreises bedeuten würde, gab es keine vorherigen Gespräche mit der ansässigen Ärzteschaft“, sagt Marcel Stiebler, Vorsitzender des Ärztenetzes, mit Blick auf die Pläne der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH). Das zeige sich nicht zuletzt in den unrealistischen Zukunftsplänen der GNH, die nach Meinung der bei der Versammlung anwesenden Kollegen weder in der vorgestellten Form realisierbar noch ausreichend für eine bürgernahe Versorgung seien.

„Es bleibt völlig unklar, warum ohne tragfähiges Konzept eine derart kurzfristige Schließung endgültig beschlossen wird und dabei das Risiko einer gefährlichen Unterversorgung der Wolfhager Region in Kauf genommen wird“, so Stiebler. Die geplanten Veränderungen des Krankenhauses in Bad Arolsen würden kaum dazu führen, weitere 2300 Rettungswagen-Anfahrten pro Jahr bewältigen zu können. So viele Fahrten habe es 2018 ins Wolfhager Krankenhaus gegeben. Hinzu komme, dass schon bei der jüngsten Grippe-Endemie alle Krankenhäuser im Umkreis überlastet gewesen seien.

„Auch bei einem privatwirtschaftlichen Träger ist die Grundannahme falsch, dass Gesundheit in Euro gemessen werden kann, da sie den kranken Patienten zur bloßen Ware degradiert“, so Stiebler. Insbesondere bei einem lokalpolitisch getragenen Haus könne in so einem Fall nur von einer Ignoranz der Bedürfnisse der Menschen ausgegangen werden. Ganz abgesehen davon, dass die Region Wolfhagen durch den Wegfall des Krankenhauses auch wirtschaftlich weiter geschwächt werde. 

Die Argumente des Ärztenetzes

Argumente für das Krankenhaus sind laut Ärztenetz unter anderem die kurzen Wege für Patienten und Angehörige sowie kurze Wartezeiten bei Notfällen im Krankenhaus. Hinzu komme eine heimatnahe Versorgung von schwerstkranken Patienten, eine gute technische Ausstattung und eine gute Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten. Argumente gegen die Aussagen der GNH seien, dass sich Gesundheit „nicht in der Einheit Euro messen“ lasse. Belegbetten ließen sich nicht einfach verlegen. Zudem werde die Vitos-Klinik internistisch mitversorgt. Für Hofgeismar und Bad Arolsen werde mit Millionen Sanierungskosten gerechnet, ohne dass entsprechende Zahlen für Wolfhagen auf den Tisch gelegt würden. 

Die komplette Argumentationsliste gibt es hier als Pdf.

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