Ahnenforschung in Wolfhagen

Fritz Rosenmeyer besucht die ehemalige Heimat seiner jüdischen Vorfahren

„Ich bin meinem Sohn David unendlich dankbar, dass er mich mit nach Wolfhagen genommen hat, an den Ort, an dem einige meiner Vorfahren lebten und starben“, sagt Fritz Rosenmeyer.

Sichtlich bewegt betrachtet er an der Mauer des Erinnerns auf dem jüdischen Friedhof in Wolfhagen ein Fragment aus einem Grabstein mit der Inschrift: Beilchen Rosenmeyer, gest. 1872.

Sohn David, ein bekannter Pianist aus New York, hatte schon im Jahr 2017 mit seiner Familie und in Begleitung von Ernst Klein vom Arbeitskreis Rückblende – Gegen das Vergessen den Wolfhager jüdischen Friedhof besucht.

Auf dem jüdischen Friedhof zeigt David Rosenmeyer (rechts) seinem Vater ein Fragment aus einem Grabstein mit der Inschrift eines Verwandten der Familie Rosenmeyer an der Mauer des Erinnerns.

Dieses Jahr brachte er seinen Vater mit. Der 87-Jährige hat den weiten Weg aus Israel nicht gescheut, um die Stadt kennenzulernen, in der sein Großvater nachweislich geboren wurde. „Meine Großeltern haben die Kristallnacht in Deutschland noch erlebt“, sagt Fritz Rosenmeyer. Er selber wurde 1932 in Berlin geboren und seine Eltern haben noch rechtzeitig vor dem Holocaust Deutschland verlassen.

Obwohl er erst sechs Jahre alt war, kann er sich noch gut an die dramatische Flucht von Deutschland über Holland, England nach Argentinien im Jahr 1938 erinnern. „In Holland wurden wir gewaltsam aus dem Flüchtlingszug herausgeholt. Mein Vater wurde stundenlang verhört, und wir dachten schon, das sei das Ende!“, beschreibt Fritz Rosenmeyer die Flucht. Doch wie ein Wunder durften sie zurück in den Zug und ihre Reise fortsetzen.

Nach der Flucht – ein neues Leben in Argentinien

In Argentinien baute sich die Familie ein neues Leben auf. Fritz Rosenmeyer wurde zum Frederico und zum Professor für Kiefernorthopädie. Seit neun Jahren lebt er nun in Israel. Er ist ein Kosmopolit, der zwischen Argentinien, Israel und Deutschland hin und her pendelt. Doch seine deutschen Wurzeln sind ihm wichtig. Er spricht immer noch perfekt Deutsch. Mit seinen Eltern habe er sich fast immer in deutscher Sprache unterhalten, erzählt Fritz Rosenmeyer. In Argentinien übersetzte er viele Briefe für Überlebende aus Deutschland.

Der Höhepunkt in seinem Leben war eine Einladung von Willy Brandt im Jahr 1973 für einen deutschen Vortrag in Berlin. Einige Familienmitglieder leben heute noch in Berlin, wo er sie öfters besucht. In Wolfhagen ist er allerdings zum ersten Mal und besucht neben dem Friedhof auch zwei Häuser in der Innenstadt, in denen seine Vorfahren wohnten. Die Rosenmeyers sind vom Charme des Kleinstädtchens und der Gastfreundschaft der Bürger sehr angetan. Besonders dankbar sind sie Ernst Klein, der in mühevoller Arbeit Recherchen über jüdische Familien in Wolfhagen und Umgebung betreibt und viele jüdische Nachfahren auf die Spur ihrer Vorfahren in Wolfhagen brachte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.