Stoff- statt Plastikbeutel

Pommbags: Flüchtlinge in der Wolfhager Pommernanlage nähen bunte Beutel

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Nähen Taschen aus alten Materialien: Anila Osmani aus Albanien (r.) näht die Teile für den Pommbag zusammen. Michaela Müller und ihre Tochter Paula schauen sich eine fertige Tasche an.

Wolfhagen. Abwechslung im tristen Alltag: In der Pommernanlage nähten Flüchtlinge unter Anleitung "Pommbags", Taschen aus recyceltem Material. Sie werden beim Energiefest im Tausch für einen Plastikbeutel zu haben sein.

Routiniert bedient Christa Flecke die Nähmaschine. Die Nadel saust über den bunten Stoff. „So, jetzt bist du dran“, sagt sie zu Valbona Halimhamiti und zeigt auf die Nähmaschine. Die junge Frau aus Albanien ist erst noch ein bisschen zurückhaltend, setzt sich dann aber doch an den Arbeitsplatz und lächelt als die erste Naht an der Stofftasche fertig ist.

„Wir wollen den Flüchtlingen, die in den Aufnahmelagern wenig zu tun haben, eine Beschäftigung geben.“

Die bunten Beutel wurden Pommbags getauft und sollen Einzug in den Alltag von Wolfhagen erhalten. „Bag“ ist Englisch und heißt Tasche und „Pomm“ spielt auf die Pommernanlage an, in der viele der Flüchtlinge leben, die bei der Herstellung helfen.

„Wir wollen den Flüchtlingen, die in den Aufnahmelagern wenig zu tun haben, eine Beschäftigung geben“, sagt Bijan Otmischi, der beim Landkreis Kassel für die Integration der Flüchtlinge zuständig ist. „Durch das Nähen kommen sie in den Austausch mit Wolfhagern und lernen auch ein bisschen die Sprache.“

Im Kulturladen fand Otmischi begeisterte Unterstützer für das Projekts, das eins von mehreren Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge ist. Die Stoffbeutel sollen nicht nur Anlass geben, mit den Flüchtlingen bei der gemeinsamen Arbeit in Kontakt zu kommen, sondern auch die Plastiktüten ablösen. „Mit den schönen Taschen werden die Leute vielleicht ermutigt, in den Supermärkten keine Plastiktüten mehr zu kaufen“, sagt Gisela Eisinger. Die Hobby-Näherin hat Material mitgebracht und gibt Tipps.

Auf die Idee mit den Stoffbeuteln kam Otmischi in Afrika: „Schon am Flughafen bekommt man häufig Beutel aus schönen Stoffen geschenkt.“ Für die Pommbags haben die Organisatoren alte Stoffe besorgt, die sie jetzt recyclen. Auch alte Jeans oder Kaffee-Verpackungen kommen zum Einsatz. Somit entstehen kaum Kosten.

Beim Energiefest, das am Sonntag, 18. Oktober, stattfindet, sollen die Beutel verteilt werden - im Austausch gegen eine Plastiktüte. „Wenn die Pommbags gut ankommen, werden wir nochmal gemeinsam mit Flüchtlingen nähen und die Beutel vielleicht auch vor Supermärkten verteilen“, sagt Otmischi.

Die Flüchtlinge jedenfalls haben Spaß beim Nähen. Valbona Halimhamiti blickt zufrieden auf ihre Arbeit. In drei Stunden haben alle zusammen etliche Beutel geschafft. Und Otmischi betont: „Durch die unterschiedlichen Stoffe ist jeder Pommbag ein Unikat.“

 

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