Kino bekommt besseren Sound

Alte Charme kehrt zurück: Kai Mellinghoff renoviert das Wolfhager Cinema

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Freuen sich auf den bevorstehenden Wandel: Ellen und Kai Mellinghoff, die Besitzer des Kinos in Wolfhagen. Mit dem Einbau der neuen Sound-Technik sollen künftig auch mehr Konzerte gezeigt werden. 

Kino-Besitzer Kai Mellinghoff geht neue Wege. Seit Anfang August renoviert er das Wolfhager Cinema und kombiniert dabei moderne Sound-Technik mit dem Ambiente alter Filmtheater.

„Ich möchte, dass der Charme des alten Kinos erhalten bleibt und stärker akzentuiert wird“, sagt Mellinghoff. Für die anstehenden zwei Monate haben sich der 53-Jährige und seine Frau Ellen Mellinghoff viel vorgenommen. 

Der immersive Sound soll durch den Einbau zusätzlicher Lautsprecher weiter verstärkt werden. Unter die Decke kommen zehn Boxen, 16 Klanggeber tragen den Sound von den Seiten in den Saal, weitere Lautsprecher werden auf der Bühne eingerichtet. Für den Besucher intensiviert sich so das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. „Und das unabhängig von der Position im Raum.“

Um das Klangerlebnis zu optimieren, will der Wolfhager das Traditionskino mit einem neuen Soundprozessor des französischen Herstellers Trinnov ausstatten. Wenn Mellinghoff von Trinnov spricht, gerät er ins Schwärmen. Für ihn ist es das Innovativste, was es derzeit am Markt gibt. Die Technik des Unternehmens wurde europaweit bereits in über 300 Kinos eingebaut. „Der Unterschied wird zu erhören sein“, freut sich der Wolfhager schon jetzt auf die erste Vorstellung nach Abschluss der Arbeiten, was etwa Mitte Oktober sein wird.

Doch nicht nur bei der Akustik will der Kino-Besitzer einen Quantensprung wagen, auch das Ambiente soll an die Goldene Ära des Kinos erinnern. „Ich werde die Elemente des alten Kinos wieder hervorheben.“ Seit dem Jahr 1948 werden in dem Gebäude an der Schützeberger Straße von der Familie Mellinghoff Filme vorgeführt. Nun sollen die hinter der Moderne verblassten Goldornamente wieder betont werden. Der Vorhang, der im Jahr 2012 der Digitalisierung des Kinos zum Opfer gefallen war, kehrt in hellem Beige und schwerem Samt zurück.

Liegesofas und Hocker

Freuen dürfen sich die Kinobesucher auf zwölf Liegesofas in Braun und edlem Gold. Sie werden die Stuhlreihen fünf und sechs ersetzen. Die Gäste in der ersten Reihe werden künftig ihre Beine auf bequemen Hockern ablegen können. „Die Leute sollen in unserem kleinen Kino ihr Zuhause spüren“, sagt Mellinghoff. 

Dieses Flair sei es, dass Besucher am Kino um die Ecke schätzten und womit man sich von den Multiplex-Kinos abheben könne. Und Wolfhagen ist umgeben von sechs Kinogiganten in einem Umkreis von 30 Kilometern – Warburg, Baunatal, Korbach, Fritzlar und zwei Mal Kassel. „In den 1990-er Jahren hatte ich vor jedem neuen Multiplexkino Angst“, sagt der Geschäftsmann.

Kleine Kinos wieder beliebt

Diese Angst hat sich gelegt. Die kleinen Kinos sind wieder im Fokus. Seit er in den Jahren 2012 und 2014 das Kino renoviert hat, seien die Besucherzahlen nach oben gegangen – mit Ausnahme des WM-Jahres 2018. „Wichtig ist, nicht stehen zu bleiben.“ Kai und Ellen Mellinghoff guckten sich im letzten Jahr in ganz Deutschland 15 Kinos an. Die dabei gesammelte Erfahrung fließt nun in die Erneuerung ein. „Es ist die größte Investition seit 1981“, sagt der Wolfhager. Eine Summe will er aber nicht nennen. Stattdessen zählt er weitere Veränderungen auf.

So werden die sanitären Anlagen modernisiert, die alte Theke im Kinosaal wird gegen eine schicke Bar ausgetauscht, die außen mit einer Rautensteppung aus Leder versehen ist, die sich auch anderer Stelle im Saal wiederholt. Erneuert werden auch die Nischen, der Eingangsbereich, und das Kassenhäuschen wird freundlicher, in hellem Holz daherkommen.

Die Kino-Preise bleiben nach der Renovierung dieselben, nur für die Liegesessel wird es einen kleinen Aufpreis geben. Künftig werden Kunden ihre Sitze online reservieren können, eine Bestellung per Telefon wird aber weiterhin möglich sein. Voraussichtlich Anfang Oktober wird das Kino für zwei Wochen schließen.

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