Kaum jemand kennt die Schätze

Attraktive Angebote Wolfhagens müssen überregional besser vermarktet werden

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Beliebtes Ausflugsziel: Die Weidelsburg bei Ippinghausen. Bei der touristischen Vermarktung der Angebote der Stadt Wolfhagen müssten Schätze wie dieser einen Schwerpunkt bilden.

Wolfhagen. Ohne Digitalisierung und Online-Auftritte, die auch auf mobilen Endgeräten dargestellt werden können, läuft bei der Vermarktung touristischer Angebote nichts mehr.

Seit vielen Jahren nutzt der Wolfhager Hotelier Jörg Wassmuth Buchungstools im Internet und sorgt so für eine gute Auslastung seiner Zimmer. Den Internetauftritt der Stadt Wolfhagen, aber auch den der Touristischen Arbeitsgemeinschaft (TAG) Habichtswald, bewertet er als schlecht.

„Die Hardware ist in Wolfhagen da, aber die Software fehlt“, sagt Wassmuth. Innerhalb der Gebietskulisse der TAG sei Wolfhagen, das kein Mitglied des Zusammenschlusses ist, die Kommune, mit den besten Angeboten. Es gebe ein attraktives Freibad, ein Kino, Restaurants und Cafés, Stadtführungen, im Sommer das Kulturzelt und im ganzen Jahr Veranstaltungen im Kulturladen. Aber, und darauf bezieht sich die Kritik Wassmuths, die Sachen würden miserabel vermarktet und kämen bei den Leuten außerhalb der Region nicht an.

Ein Teil des Geldes, das die Stadt nun nicht für die Mitgliedschaft in der TAG ausgibt, sollte in den Aufbau einer neuen Homepage fließen, die die touristischen Angebote bewirbt. Doch das Projekt sei seit Monaten nicht viel mehr als eine Idee. Treffen einer extra einberufenen Arbeitsgruppe mit Vertretern von Gaststätten- und Hotelbetrieben, der Servicegemeinschaft und der Stadt hätten wegen personeller Ausfälle immer wieder abgesagt und verschoben werden müssen.

Die Servicegemeinschaft habe sich seinerzeit den Beitritt zur TAG gewünscht, sagt deren Vorsitzender Orhan Kalkan. Das Parlament hatte im Dezember 2017 eine andere Entscheidung getroffen. Ob das nun, ein halbes Jahr später, für Wolfhagen von Nachteil sei, könne er noch nicht einschätzen. „Dafür ist es zu früh.“

Einigen Fraktionen war der Beitrag von 30 000 Euro, den Wolfhagen für eine TAG-Mitgliedschaft hätte zahlen müssen, zu hoch gewesen. Diese Bedenken kann Jörg Wassmuth verstehen. Und auch Bürgermeister Reinhard Schaake kann nachvollziehen, dass die Kommunalpolitiker wissen wollten, wann die Investition wieder nach Wolfhagen zurückfließen würde. Wie er sagt, sei die Stadt in den vergangenen Monaten im Tourismus nicht untätig gewesen.

Neue Stadtführungen

So werde derzeit an einem Konzept für Stadtführungen gearbeitet, bei denen sich Gäste an die Fersen von Südamerika-Abenteurer Hans Staden heften können. Unter anderem will Wolfhagens neuer Pfarrer Martin Jung die Rolle Stadens übernehmen, aber es würden noch weitere junge Darsteller gesucht. Überhaupt soll der Reisende aus dem Mittelalter besser in Szene gesetzt werden. Der Staden-Pfad, der in den kommenden Jahren Wolfhagen durchziehen soll, werde auch außerhalb Wolfhagens Stationen bekommen – etwa in Stadens Geburtsort Homberg/Efze, in Lissabon, wo er zu seinen Reisen aufbrach, auf den Kanarischen Inseln und in Brasilien. Geplant sei zudem, ein leer stehendes Fachwerkgebäude in Wolfhagen zu sanieren, um darin Ferienwohnungen anzubieten. Für dieses Vorhaben werde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Mehr Angebote soll es auch für das Naturschutzgebiet Glockenborn geben. Potenzial sieht er zudem bei der Vermarktung des Wolfhager Energieweges.

Unzufrieden ist er dagegen mit dem Bereich Radtourismus. „Da hängen wir seit Jahren hinterher“, die Finanzierung von Radstrecken sei ein großes Problem.

Hintergrund - Es hapert an der Vermarktung

Ein halbes Jahr, nachdem sich Wolfhagens Stadtverordnete gegen den Beitritt zur Touristischen Arbeitsgemeinschaft (TAG) Naturpark Habichtswald entscheiden haben, werden die ersten Auswirkungen spürbar. Im Gastgeberverzeichnis für die Kommunen des Naturparks gibt es keine Einträge, die auf Hotels und Ferienwohnungen in Wolfhagen verweisen. Und auch bei den Führungen und kulturellen Veranstaltungen wird die Stadt als Gebietskulisse ausgeklammert. „Langfristig gesehen wäre es natürlich gut, wenn wir uns zusammen mit den anderen Kommunen als eine Region präsentieren könnten“, sagt Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake, der von Anfang an an einem Beitritt zur TAG interessiert ist. Im Dezember hatten sich CDU, BWB und Grüne gegen die SPD durchgesetzt und eine Beteiligung abgelehnt. „Die Türen sind nicht zu“, sagt Schaake. Allerdings fehlten ihm klare Signale vonseiten der Beherbergungsbetriebe und der Servicegemeinschaft, die eine Zusammenarbeit mit der TAG wollten. Für Jörg Wassmuth, Inhaber des Hotel-Restaurants „Zum Schiffchen“, stellt sich die Situation etwas anders dar. Aus seiner Sicht führt kein Weg an der TAG vorbei. Das jedoch könne nur der zweite Schritt sein. Als Erstes müsse das Touristikbüro in Wolfhagen leistungsstärker werden. Das sei personell so dünn besetzt, dass im Falle von krankheitsbedingten Ausfällen keine Vertretung verfügbar sei und Arbeit liegen bleibe. „Wolfhagen ist hinsichtlich seiner touristischen Vermarktung schlecht aufgestellt“, sagt er. So gebe es keine vernünftige Homepage, auf der man sich über die Angebote der Stadt informieren könne. Aber auch die Internetseite der TAG sei schlecht. Daher müsse bei einem TAG-Beitritt genau hingeschaut werden, was die Stadt für den Mitgliedsbeitrag von jährlich 30 000 Euro erwarten könne.

Mehr Anfragen

Wolfhagen ist Bestandteil des Naturparks Habichtswald und spielt dort auch eine große Rolle. Deshalb hätte man Wolfhagen gerne bei der TAG Naturpark Habichtswald dabei gehabt, sagt deren Vorsitzender Werner Lange aus Niedenstein. Die Mitglieder der TAG hätten die Entscheidung der Politik zur Kenntnis genommen und akzeptiert. Sollte das Wolfhager Parlament seine Meinung ändern, sei die TAG gesprächsbereit. Mit der Arbeit des Vereins im ersten halben Jahr ist Lange zufrieden. Natürlich gebe es „noch Luft nach oben“. Zusammen mit der GrimmHeimat werde derzeit die Homepage der TAG überarbeitet, spätestens zum Jahresende wolle man diese Aufgabe abgeschlossen haben. Dann soll auch Bilanz über das erste Jahr gezogen werden. Eines aber deute sich bereits jetzt an, sagt Lange: Die Zahl der Anfragen und Buchungen sei deutlich gestiegen.

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