Die Anschlüsse wurden vergessen

In Altenhasungen und Nothfelden warten 27 Kunden auf schnelles Internet

Ulrich Bernhold aus Altenhasungen wartet seit Monaten darauf, dass die Glasfaser durch die Leitung geblasen wird. Im November 2019 hat er mit der Goetel einen Vertrag geschlossen, das Leerrohr hat er selbst verlegt.
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Ulrich Bernhold aus Altenhasungen wartet seit Monaten darauf, dass die Glasfaser durch die Leitung geblasen wird. Im November 2019 hat er mit der Goetel einen Vertrag geschlossen, das Leerrohr hat er selbst verlegt.

Der Göttinger Telekommunikationsanbieter Goetel hat Altenhasungen und Nothfelden mit Glasfaser versorgt. Doch nicht bei allen Kunden ist die Freude darüber groß.

Altenhasungen/Nothfelden – Bei mehreren Haushalten gibt es so gravierende Probleme, dass dort an turboschnelles Internet nicht zu denken ist. Ebenfalls ärgerlich: Die Goetel reagiert nicht auf die Beschwerden und Anfragen, mit denen unter anderem die beiden Ortsvorsteher Thorsten Grüning (Nothfelden) und Jens Vial (Altenhasungen) regelmäßig an den Anbieter herantreten.

In Altenhasungen

Im Sommer vergangenen Jahres hatten in beiden Wolfhager Stadtteilen die Arbeiten begonnen, sagt Vial. Im Frühjahr waren in Altenhasungen die Hausanschlüsse erstellt, die Rohre lagen in den Straßen. Von Ende Juli dieses Jahres an seien nach und nach die ersten der 270 Haushalte in Altenhasungen, die seinerzeit mit der Goetel einen Vertrag abgeschlossen hatten, freigeschaltet worden. Inzwischen könne sich ein Großteil mit großen Datenübertragungsraten im Internet bewegen – aber eben nicht alle.

„Für zwölf Familien und Objekte trifft das nicht zu“, sagt Jens Vial. Entweder es sei bei den Arbeiten zu Faserbrüchen gekommen oder die Fibertwistverteilung, die die Übertragungsgeschwindigkeit steuert, sei nicht installiert worden. Auch gebe es Fälle, in denen die Faser nicht ins Leerrohr geblasen worden sei, zählt der Ortsvorsteher auf, der jeden Monat eine Mail an die Goetel schickt, in der er die Missstände benennt und auf deren Behebung drängt. Zudem erinnert Vial an die Straßenschäden, die nach Abzug der Bautrupps im Ort verblieben sind.

Der Altenhasunger Ulrich Bernhold gehört zu den Ersten, die im November 2019 einen Vertrag mit der Goetel schlossen. Er selbst verbuddelte das Leerrohr auf seinem Grundstück und stellte so die Anschlüsse zur Hardtstraße, an der er wohnt, und zu seinem Haus her. Was noch fehlte, war die Glasfaser. Auf die wartet der 53-Jährige noch heute. Dabei habe er, als die Arbeiter in seiner Straße und bei den Nachbarn aufkreuzten, mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass auch bei ihm noch Arbeiten anstünden. Dass bei ihm etwas völlig verkehrt gelaufen ist, habe er spätestens bemerkt, als in seinem Umfeld alle problemlos ins Internet kamen, während er nach wie vor mit drei MB klarkommen muss. Bernhold, der über 20 Mails geschrieben hat, ohne dass sich etwas änderte und dessen Telefonat mit der Goetel damit endete, dass der Mitarbeiter auflegte, denkt in seiner Not über eine Fahrt nach Göttingen nach, um in einem persönlichen Gespräch vielleicht doch noch etwas bewegen zu können. Bernhold ist vor allem verärgert über den Umgang mit ihm als Kunden. „Der Kundendienst ist schlecht, ein Fehlermanagement nicht existent.“

In Nothfelden

Auch in Nothfelden ist der Frust bei denjenigen groß, die von der Goetel vergessen wurden. 115 Kunden und damit eine Vertragsquote von 92 Prozent führen Thorsten Grüning und Ortsbeiratsmitglied Christoph Nittel auch auf ihren persönlichen Einsatz zurück. Sie hätten im Dorf für einen Vertragsabschluss geworben, seien beim Ausfüllen der Anträge behilflich gewesen und hätten für die Goetel die Akquise betrieben, sagt Nittel. Heute habe er das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen vor Bewohnern, die ihn fragten, was er ihnen damals für einen Mist aufgequatscht habe. Bei immerhin 15 Personen funktioniere die Glasfaser nicht.

Auch bei ihnen sei die Bandbreite der Probleme groß und reiche vom vergessenen Anschluss über nicht in ausreichender Tiefe verlegte Leerrohre (ein Bewohner habe bei der Gartenarbeit die Verbindung gekappt) bis hin zu einer so starken Verdichtung des Bodens, die an der Wartebergstraße zum Abknicken des Rohres und dem Defekt der Glasfaser geführt habe. Und schließlich habe es auch das gegeben, sagt Grüning: Fünf Häuser an der Oberelsunger Straße seien bereits freigeschaltet und die Freude darüber entsprechend groß gewesen. Die gute Laune sei jedoch verflogen, als die Verbindung am 21. Juli wieder getrennt wurde. Thorsten Grüning vermutet, dass beim Verlegen der Glasfaser nach Oberelsungen die Schäden entstanden und bis heute nicht behoben seien.

Im November, so der Ortsvorsteher, habe er einem Ansprechpartner bei der Goetel abermals sämtliche Problemfälle benannt, Identifikationsnummern herausgesucht und auf einer Karte von Nothfelden jedes der betroffenen Häuser markiert. „Seitdem ruht still der See.“ Selbstverständlich seien er und sein Kollege in Nothfelden dankbar für das Versprechen, die Orte mit schnellem Internet versorgen zu wollen, sagt Jens Vial. Allerdings müsse die Goetel ihr Versprechen auch halten. Menschen im Homeoffice und auch Kinder im Homeschooling seien auf gutes Internet angewiesen.

Goetel: Mängel werden abgestellt

Stefan Finger, Leiter des Kommunalvertriebs bei der Goetel, kann den Ärger verstehen. Er verweist darauf, dass sich die Goetel erst kürzlich von einem Bauunternehmen getrennt habe, an dessen Arbeiten es vermehrt Beanstandungen gegeben habe. Diese Firma sei in 20 Orten im Landkreis Kassel tätig gewesen, unter anderem auch in Altenhasungen und Nothfelden. Finger bestätigt, dass es in der Vergangenheit zu Fällen gekommen sei, bei denen Baustellen etwa nicht abgeschlossen und die Glasfasern nicht in Leerrohre eingeblasen worden seien. Die Unzufriedenheit sei groß. Kunden, wie Ulrich Bernhold, die auf ihren Grundstücken selbst aktiv geworden sind und vorbereitende Arbeiten erledigt haben, hätten das Nachsehen, weil die bauausführende Firma dort weniger habe verdienen können.

Die in den Ortschaften bei Qualitätskontrollen aufgenommenen Mängel an Straßen, Gehwegen und Hausanschlüssen würden nun durch neue Bauunternehmen abgestellt. Damit habe man in Grebenstein-Burguffeln bereits begonnen. Im Anschluss kämen die Stadtteile Wolfhagens, Zierenbergs und Breuna dran. Allerdings werde es noch einige Zeit dauern, bis alle Probleme beseitigt sind. März, April könne es werden, insbesondere wenn es in allen Orten so viele Mängel gäbe, wie in Nothfelden und Altenhasungen. (Antje Thon)

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