1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen
  4. Wolfhagen

Regionalwerke begründen Absage mit ausgelastetem Netz

Erstellt:

Von: Bea Ricken

Kommentare

Nicht immer werden Fotovoltaikanlagen genehmigt
Nicht immer werden Fotovoltaikanlagen genehmigt © Privat

Als Benjamin Relke vor zwei Jahren sein Haus in Philippinenthal kaufte, war für ihn klar, dass er autark seinen eigenen Strom produzieren würde.

Wolfhagen - „Mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach wollte ich gleichzeitig etwas für den Klimaschutz tun“, so der Philippinenthaler. Er stellte einen entsprechenden Antrag bei den Wolfhager Regionalwerken (RWL). Die Antwort war enttäuschend: „Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass für Ihren Anschlusspunkt in Philippinenthal keine Netzkapazitäten mehr frei sind. Unser Niederspannungsnetz ist mit den vorhandenen Anlagen bereits ausgelastet.“ Problemlos könne Relke allerdings eine kleine Balkonanlage installieren.

Für Benjamin Relke war damit die Sache erledigt. „Alle reden vom Klimaschutz und wenn man als Bürger seinen Beitrag leisten will, geht das nicht“, sagt er. Im Übrigen sei nicht nur er betroffen, sondern auch noch andere Bürger in Philippinenthal und -burg. Relke sieht dabei auch einen Zusammenhang mit der Infrastruktur in dem sehr ländlichen Bereich. „Wir sind da ausgeschlossen und abgehängt.“

Grundsätzliches Ziel der RWL sei es, einen Zubau allerorts zu ermöglichen, so Sprecher Matthias Boos. Oft seien aber in einem Netzbereich bereits Erzeugungsanlagen vorhanden und speisten Strom in das Stromnetz ein. „Die geplante zusätzliche Einspeisung wird dann nur in dem Umfang genehmigt, den das Netz auch aufnehmen kann.“ Die Physik setze die Grenze: „Wird zu viel Strom eingespeist, kann das Netz Schaden nehmen. Stromausfälle werden möglich. Dies verhindert die sogenannte Netzverträglichkeitsprüfung, die auch bei Benjamin Relke stattfand.“ Der Gesetzgeber verlange von Netzbetreibern wie der RWL die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Elektrizitätsversorgung in ihrem Netz zu gewährleisten, erklärt Boos.

Wer möchte, könne sich selbstverständlich auch eine große Fotovoltaikanlage auf sein Dach bauen. Allerdings dürfe ein Großteil des Stroms dann nur für den Eigenverbrauch genutzt werden. Die Begrenzung sei über Softwareeinstellungen im Wechselrichter möglich. „Eine Einspeisung in das Stromnetz von 600 Watt sichert die RWL aber jedem zu“.

Dieses Minimum gelte unabhängig von der installierten Anlagenleistung und werde ohne zweite Prüfung genehmigt. „Hierunter fallen auch die sogenannten Balkonanlagen, meist bestehend aus ein oder zwei Fotovoltaikmodulen und Kleinstwechselrichter“, so der RWL-Sprecher.

„Das ist unwirtschaftlich und dauert viel zu lange, bis sich eine solche Anlage amortisiert“, meint Benjamin Relke. Für ihn habe sich die Sache damit erst mal erledigt.

Der Vergütungssatz für erzeugte Kilowattstunden von Fotovoltaikanlagen richtet sich nach dem Datum der Inbetriebnahme und der Größe der Anlage. Die Wolfhager Regionalwerke nennen ein Beispiel: Für Anlagen mit einer Leistung bis zehn Kilowatt, die im Januar 2022 in Betrieb gingen, liegt die Einspeisevergütung bei 6,83 Cent pro Kilowattstunde. Die Höhe der Vergütung sinkt gemäß gesetzlicher Vorgaben seit einiger Zeit. 

Von Bea Ricken

Auch interessant

Kommentare