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Arbeit mit Autos und Abwechslung

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Robin Klehm und sein Chef Christian Carl
Aus Freunden wurden Kollegen: Robin Klehm und sein Chef Christian Carl neben dem 1970 gebauten Mercedes-Benz 250 Coupé einer Kundin. © Lea-Sophie Mollus

In einer Serie stellen wir in loser Folge interessante Berufe vor. Heute: der Karosserie- und Fahrzeugbauer.

Wolfhagen – Karosserie- und Fahrzeugbau. Was ist das eigentlich? Das hat sich auch Robin Klehm gefragt, bevor er angefangen hat, in dem Beruf zu arbeiten.

Seit vergangenem August ist er Auszubildender beim Karosseriebau-Betrieb Carl in Altenhasungen. Ein Handwerksberuf – und das, obwohl der 31-Jährige sich nie für das Handwerk begeistert hatte. Auch die Zusammenarbeit ist eher durch einen Zufall entstanden.

Eigentlich hatte Klehm als Monteur bei dem Photovoltaikanlagen-Hersteller SMA in Kassel gearbeitet, verlor durch die Halbleiterkrise jedoch seinen Job.

Durch einen gemeinsamen Freund ist Klehm auf den Beruf aufmerksam geworden

Durch einen gemeinsamen Freund von ihm und dem selbstständigen Karosserie- und Fahrzeugbaumeister Christian Carl, der händeringend nach Leuten suchte, ist Klehm auf den Beruf aufmerksam geworden. So kam eins zum anderen.

Als Kind träumte Klehm davon, Tierarzt oder Polizist zu werden – davon ist Karosserie- und Fahrzeugbau weit entfernt. „Einfach mal ausprobieren“, war sein Motto und mittlerweile ist der 31-Jährige aus Fritzlar gut in dem Job angekommen.

Etwas Handwerkliches zu lernen, das könne schließlich nie schaden. Nicht zuletzt, um seinem zweijährigen Sohn ein gutes Vorbild zu sein.

Klehms Arbeitstag beginnt um 8 Uhr, von da an sieht jeder Tag anders aus

Ähnlich wie bei Meister Carl: Nachdem dessen Vater den Beruf ausgeübt hatte, seit der Sohn denken kann, wollte dieser immer auch Karosseriebauer werden.

Vor drei Jahren hat er dann seinen eigenen Betrieb gegründet, wo sein Vater regelmäßig vorbeischaut und auch dem Azubi Tipps und Tricks der alten Schule weitergibt.

Klehms Arbeitstag beginnt um 8 Uhr. Von da an sieht jeder Tag anders aus: „Wir haben sehr viel Abwechslung“, sagt der 31-Jährige. Als Karosserie- und Fahrzeugbauer müsse man eine ganze Palette an Tätigkeiten beherrschen, so sein Chef.

Von Mechanik über Elektrik, Instandsetzung und das Erstellen von Gutachten sei alles dabei

Von Mechanik über Elektrik, Instandsetzung und das Erstellen von Gutachten sei alles dabei. „Eigentlich sind es drei Berufe in einem: Kfz-Mechatroniker, Karosseriebauer und Lackierer. Das gehört für mich zusammen“, sagt Carl, der in seinem Betrieb neben dem Azubi einen Gesellen beschäftigt. Klehms liebste Arbeit ist die Instandsetzung, wie er sagt. „Weil man sieht, was man geschafft hat.“

Der Beruf des Karosserie- und Fahrzeugbauers ist laut Carl eher unbekannt. „Jedes Jahr sind es maximal fünf Leute, die in Nordhessen die Gesellenprüfung zum Karosserie- und Fahrzeugbauer machen.

Beim Kfz-Mechatroniker sind es allein bei der Innung Kassel um die 150“, sagt er. Das liege auch daran, dass der Beruf in großen Firmen kaum ausgebildet werde. Daher sein Appell an die Großen der Branche: „Mehr ausbilden.“

„Das ist definitiv ein Beruf mit Zukunft“

„Das ist definitiv ein Beruf mit Zukunft“, sagt er. Womöglich sogar mehr als beim Kfz-Mechatroniker: „Da wird viel Arbeit wegfallen, wenn sich die E-Mobilität durchsetzt.“ Arbeiten an der Karosserie hingegen werde es weiterhin geben.

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und wird mit einer theoretischen und einer praktischen Prüfung abgeschlossen. Klehm hat die Schule mit der mittleren Reife abgeschlossen und dann verschiedene Berufe ausgeübt.

Seine Umschulung zum Karosserie- und Fahrzeugbauer wird vom Arbeitsamt finanziert. „Bis jetzt war es eine gute Entscheidung“, sagt er und lacht. „Der kreative Horizont erweitert sich immens“, sagt Klehm, da einige Arbeiten auch Geschick und Improvisation erforderten.

Für den Job des Karosserie- und Fahrzeugbauers sollte man gewisse Anforderungen mitbringen

Er könne sich gut vorstellen, nach der Ausbildung weiter in dem Beruf zu arbeiten. Auch sein Chef wäre froh, wenn ihm sein Auszubildender treu bleiben würde.

Wer den Job des Karosserie- und Fahrzeugbauers lernen, beziehungsweise ausüben möchte, sollte laut Carl Folgendes mitbringen: räumliches Vorstellungsvermögen, handwerkliches Geschick, Ordnung und Sauberkeit sowie Gewissenhaftigkeit, da der Beruf viel Verantwortung mit sich bringe.

„Da hängen manchmal Leben dran“, sagt der 31-jährige Meister. Auch die körperliche Belastung sei nicht zu unterschätzen. Das Gehalt liegt nach Angaben der Kreishandwerkerschaft Kassel im ersten Ausbildungsjahr bei 765 Euro und steigert sich bis zum vierten Jahr auf 980 Euro. (Lea-Sophie-Mollus)

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