„Schwarz ist edel und chic“

Auffällige Farbe: Die Wolfhager Familie Bohl hat ihr Haus selbst geplant

Michael und Nina Bohl mit ihren Söhnen Linus und Jarne vor ihrem auffällig dunklen Haus.
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Fühlen sich wohl: Michael und Nina Bohl mit ihren Söhnen Linus und Jarne vor ihrem auffällig dunklen Haus, dass sich mit seinen Fensterfronten zum Garten und nach Südwesten hin öffnet.

Eigentlich bräuchte das Haus von Nina und Michael Bohl an der Wolfhager Herderstraße keine Hausnummer. „Das schwarze Haus“ als Beschreibung reicht aus. Von Weitem wirkt es wie aus Schiefer gearbeitet.

Wolfhagen – Inmitten der anderen Neubauten mit ihren strahlend weißen Fassaden fällt es ganz und gar aus dem Rahmen: Vom Dach bis zum Sockel ist es dunkel. Kunterbunt sind dagegen die Bezeichnungen, die man in Wolfhagen hört: Böse Zungen sehen sich an eine Friedhofshalle erinnert, Michael Bohl sind schon Vergleiche mit einem Brikett oder einer Scheune zu Ohren gekommen.

Am Anfang, sagt der 35-Jährige, als die Fassade montiert wurde, „gab es viele, die sich gewundert haben, denen es nicht gefiel“. Inzwischen überwiege aber die positive Kritik, es gebe auch Lob.

„Als Architekt will man zeigen, dass man kreativ ist“

Bohl ist in Wolfhagen aufgewachsen und – wie seine aus Kassel stammende Frau Nina – Architekt. Und wenn ein Architektenpaar für sich ein Haus entwirft, dann wird es nichts von der Stange. „Als Architekt will man zeigen, dass man kreativ ist“, sagt Michael Bohl.

Bei der Bauplatzsuche wurde man im taufrischen Baugebiet Herderstraße in Wolfhagen fündig. Es ist eine besondere Parzelle: Mit 650 Quadratmetern zwar so groß wie die meisten Grundstücke in der Nachbarschaft, dafür ist es aber mit 16 Metern das Schmalste von allen.

Schmal und schlicht

So ergab sich aus der Fläche, dass man ein schmales Haus entwerfen würde. Und man hatte weitere klare Vorstellungen: „Wir wollten von der Form etwas ganz Schlichtes. Einen klaren Körper ohne Nischen oder Auskragungen und auch keinen Dachüberstand“, sagt Bohl. Die Idee vom schmalen, langen Grundriss brachten Nina und Michael Bohl zu Papier, mithilfe von Skizzen wurde überlegt, wie die Raumfolge funktionieren könnte.

Die Pläne hingen in der Kasseler Wohnung der Bohls an der Wand. „Abends standen wir oft davor und haben diskutiert, wie wir es machen“, erinnert sich der 35-Jährige an die Vorbereitungsphase.

Kontrastprogramm im Inneren

Heraus kam dann ein 5,50 Meter breites Haus in Holzständerbauweise, ohne Keller und Dachboden mit 140 Quadratmetern Wohnfläche auf zwei Etagen. Geheizt wird über eine gasbetriebene Brennstoffzelle, die auch den Strom fürs Haus produziert. Der Großteil der Fensterflächen ist nach Süden und Westen ausgerichtet, „um den Sonnenverlauf nachzuvollziehen“.

Im Erdgeschoss dominiert der großzügige Wohn-Essbereich, dazu gibt es ein Duschbad, einen Heizungs- und einen Abstellraum, im Obergeschoss befinden sich die beiden Zimmer für die Söhne Linus und Jarne, das Schlafzimmer, das Familienbad und im offenen Treppenhaus ein Platz für das Arbeiten im Homeoffice. Hell ist es drinnen, die weißen Wände sind das Kontrastprogramm zur Außenfassade.

Kontrastprogramm: Hell und luftig ist das Innere des Hauses gestaltet. Unser Foto zeigt Michael Bohl und den einjährigen Jarne im Wohnzimmer, an das sich ein offener Küchenbereich anschließt.

Farbpalette Grau

Mit der Farbe, die nun die Optik des Hauses so prägt, haben sich Nina und Michael Bohl früh beschäftigt. Als feststand, dass man ein Holzhaus bauen wird, sei auch klar gewesen, dass die Holzfassade einen Schutzanstrich bekommen würde. „Für uns kam da nur die Farbpalette Grau infrage“, blickt Michael Bohl zurück. „Das ist aus ästhetischen Gründen entstanden.“ Von verschiedenen Anbietern ließ man sich Proben schicken. „Die Farbe sollte deckend sein, aber man sollte die Maserung der sägerauen Bretter sehen können.“

Um den Farbton zu bestimmten, wurden Muster auf Brettern angelegt. Die Entscheidung fiel zugunsten eines anthrazitfarbenen, also sehr dunklen Graus. „Viele Architekten haben eine Vorliebe für Schwarz und Grau. Das ist neutral“, sagt Nina Bohl und ihr Mann ergänzt: „Schwarz ist edel und chic.“ Mit Familie und Freunden haben die Bohls die bis zu 6,50 langen Bretter für die Außenfassade im Garten gestrichen. Eine Firma hat die Bretter nach Plan montiert. Drei Bretterbreiten haben die Bohls gewählt. „Der Wechsel der Breiten bringt Spannung. Es ist ein wilder, aber nicht beliebiger Mix“, sagt Michael Bohl.

Hinterlüftete Fassade

Komplettiert wird die dunkle Optik durch flache Betonziegelsteine auf dem Dach in Mattschwarz und Fenster, die nach außen einen anthrazitfarbenen Rahmen besitzen.

Eine der am häufigsten gestellten Fragen sei, ob sich die Fassade bei Sonneneinstrahlung nicht brutal aufheize. Das sei ganz und gar nicht so, versichert Michael Bohl. Es handele sich um eine hinterlüftete Fassade. Acht Zentimeter Luft habe man hinter den Brettern. Dann kommt erst die Dämmung der Wand. Die Bretter werden warm und auch die Luft dahinter, die dann nach oben ausströmt. Von unten ströme kühle Luft nach. „Es strahlt nicht auf das Haus ab.“

Ende Oktober 2019 sind die Bohls in ihr außergewöhnliches Haus eingezogen. Mit ihren beiden Jungs, dem dreijährigen Linus und dem einjährigen Jarne, fühlen sich wohl im selbst entworfenen Domizil, das sich zum Garten und zur Feldseite hin öffnet und sich in Form und Farbe so deutlich von der Nachbarschaft abhebt. (Norbert Müller)

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