Aus für Abkürzung zur Burg

Lebensgefahr durch todkranke Buchen: Hessen-Forst sperrt Zickzackweg am Weidelsberg

Gesperrt: Der Zickzackweg war Teil des Habichtswaldsteigs, des Wanderwegs H8 sowie des Hugenotten- und Waldenserpfades. Wegen brüchiger Bäume wurde er nun aufgegeben.
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Gesperrt: Der Zickzackweg war Teil des Habichtswaldsteigs, des Wanderwegs H8 sowie des Hugenotten- und Waldenserpfades. Wegen brüchiger Bäume wurde er nun aufgegeben.

Weil von absterbenden Buchen Äste und ganze Kronenteile abbrechen könnten, hat Hessen-Forst einen knapp 300 Meter langen Steilweg zur Burg gesperrt und das Begehen verboten.

Ippinghausen – Der Weg macht seinem Namen alle Ehre: Zickzackweg heißt er und führt vom Fuß des Weidelsberges steil und serpentinenartig durch den Wald hoch zur Weidelsburg. Was über Jahrzehnte Besuchern der Burg einen fast schon alpinen Auf- beziehungsweise Abstieg ermöglichte, ist ab sofort aus Sicherheitsgründen von Waldeigentümer Hessen-Forst aus der Liste der erlaubten Wege gestrichen. Zu groß ist die Gefahr für Wanderer, auf der rund 300 Meter langen Strecke durch herabstürzende Äste zu Schaden zu kommen.

Die heißen und trockenen Sommer der vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen an der Vegetation des markanten 492 Meter hohen Basaltkegels, besonders an den Buchen. Vor allem die alten Bäume kommen mit der eingeschränkten Wasserversorgung nicht klar, kränkeln, Pilze bahnen sich ihren Weg in die Stämme und lösen die stabilisierende Holzstruktur auf. Ist der Schädling im Holz, läuft der Zerstörungsprozess innerhalb weniger Monate ab. Die Folge: Äste können beim geringsten Windstoß oder einer sonstigen Erschütterung abbrechen, mitunter auch der Kronenbereich oder gar der gesamte Stamm.

Die Buchen müssen weichen: Die kranken Bäume unterhalb der Weidelsburg wurden in der vergangenen Woche gefällt. Das Holz bleibt liegen, da der Hang zur dortigen Kernfläche für den Naturschutz gehört, wo keine Holznutzung zulässig ist.

Deshalb hatte das Forstamt bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, kranke Buchen zu fällen, die im Bereich des von der Masse der Besucher benutzten, gut einen Kilometer langen Hauptweges standen. Angesichts der Steilhänge war das schon eine extrem schwierige Aufgabe für die Forstarbeiter, weil die Bäume mit motorisierten Holzerntern kaum zu erreichen waren, Forstarbeiter wegen der extremen Bruchgefahr die klassische Kettensäge aber nicht mehr an den Bäumen ansetzen durften.

Vor gut einer Woche nun wurden entlang des geschotterten Hauptweges weitere Bäume beseitigt. Der Weidelsberg wird, das ist kaum noch zu übersehen, in Folge des Klimawandels zunehmend lichter und verändert seinen Charakter.

Bei dieser Gelegenheit wurde dann auch der Zickzackweg aus der Liste der begehbaren Wege genommen. Auch hier, sagt Matthias Schnücker, beim Wolfhager Forstamt unter anderem für Burg und Berg zuständig, seien die sterbenden Buchen sowie Eschen mit Maschinen nicht erreichbar: Der Einsatz für Forstwirte mit der Säge wäre lebensgefährlich.

Da diese Gefahr gleichermaßen für Wanderer auf der beliebten Kurzstrecke gelte, habe man den Zickzackweg dichtgemacht. Im Bereich der Einstiege – oben an der Burg ist das im Bereich des vorgelagerten kleinen Wehrturms, unten am Weg zum Katzenloch – wurden Baumstämme quergelegt. Zusätzlich hat man Flatterband mit erklärenden Verbotsschildern installiert.

Da der Zickzackweg unter anderem Teil des Premiumwanderwegs Habichtswaldsteig ist, wird gerade an einer Alternativlösung für den Streckenabschnitt gearbeitet, sagt Claudia Thöne, zuständige Sachbearbeiterin für den Habichtswaldsteig innerhalb der Touristischen Arbeitsgemeinschaft Naturpark Habichtswald (TAG). Bis zum Jahresende soll das neue Teilstück markiert sein und für die Wanderer zur Verfügung stehen. Voraussichtlich wird der weniger steile, aber längere Ersatzweg in einem großzügigen Bogen um den ehemaligen Steinbruch Katzenloch hoch zur Weidelsburg führen. Zwischenzeitlich, so Claudia Thöne, gibt es auf dem Habichtswaldsteig eine Umleitung für den Streckenabschnitt.

Der Zickzackweg, den sich Burgbesucher, die die Strecke abkürzen wollten, selbst gebahnt haben, ist dann laut Claudia Thöne offiziell Geschichte, wobei zu befürchten sei, dass es auch Leute geben werde, die den alten Weg auf eigene Gefahr nehmen werden. (Norbert Müller)

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